Elektrisch angetriebener Gelenkbus der BVG unter einer Ladesäule. Bis Jahresende will das Unternehmen 137 E-Busse auf die Straße bringen.

Elektrisch angetriebener Gelenkbus der BVG unter einer Ladesäule. Bis Jahresende will das Unternehmen 137 E-Busse auf die Straße bringen.

Bild: © Andreas Süß/BVG

Auch im zweiten Jahr sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. Zwar habe die Zahl der Fahrgäste zum ersten Mal wieder die 80-Prozent-Marke überschritten, wie das kommunale Unternehmen mitteilte.

Jedoch dürfte das Finanzloch im Jahr 2021 noch größer ausfallen als 2020. So wird erwartet, dass Corona der BVG im Vergleich zum Plan eine Lücke von fast 230 Mio. Euro bescheren wird. Die Prognosen sollen auch zeigen, dass die Schulden weiter wachsen - wegen hoher Investitionen. Am Ende des Jahres könnte die BVG nach Informationen der "Berliner Zeitung" mit über 1,3 Mrd. Euro im Minus stehen.

Mehr Neuabschlüsse

Ein Grund für die schlechten Zahlen sei demnach, dass mehr Berufstätige als vorher zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit zuhause verbringen. Viele einstige Stammkunden, die jetzt im Homeoffice tätig sind, haben ihre Umweltkartenabos gekündigt. War die Zahl dieser Abonnements vor Beginn der Pandemie im März 2020 auf einen Höchststand von fast 333.000 geklettert, sank sie bis Juni dieses Jahres auf knapp 282.000.

In diesem September hatte die BVG rund 283.000 Kunden mit Umweltkarten-Abos. "Seitdem sehen wir wieder eine positive Bestandsentwicklung durch eine deutlich steigende Zahl von Neuabschlüssen", sagte Sprecher Markus Falkner. Die offiziellen Daten zeigten auch, dass viele andere Fahrgäste ebenfalls zur BVG zurückgekehrt sind.

Fahrgastnachfrage über 80 Prozent

Lag die Fahrgastzahl Anfang dieses Jahres gerade mal bei 50 Prozent des Vor-Corona-Niveaus, so bewegen sie sich bereits seit August "zwischen 75 und 80 Prozent", wie Falkner berichtete. "Erstmals seit Beginn der Pandemie liegt die Fahrgastnachfrage über 80 Prozent."

In der Folge geht das größte Berliner Landesunternehmen davon aus, dass sich die Zahl der Fahrgäste bis Ende Dezember auf 737 Mio. summieren wird. Das wäre nur etwas mehr als 2020, damals wurden die Bahnen und Busse der BVG für 728,5 Mio. Fahrten genutzt - und deutlich weniger als 2019, als noch mehr als 1,126 Mrd. Fahrten abgewickelt wurden.

200 Mio. für Bund und Land

Ursprünglich hatte die BVG für das laufende Jahr mit 954 Mio. Fahrgästen gerechnet. Doch die Fahrt aus dem Corona-Tal dauert offensichtlich länger als erhofft.

Zwar geht das Unternehmen laut der "Berliner Zeitung" davon aus, durch eigene Anstrengungen, zum Beispiel durch Einsparungen, fast 26 Mio. Euro zur Schließung dieser Lücke beizutragen . Doch den größten Teil, insgesamt rund 200 Mio. Euro, müssten Bund und Land übernehmen.

Einführung des FlexTickets

"Wir setzen bereits eine Reihe von Gegensteuerungsmaßnahmen zur Steigerung der Verkehrserträge und zur Kostensenkung in allen Bereichen um", bekräftigte BVG-Sprecher Falkner. "Auch zukünftig wird es weitere Maßnahmen geben, wie zum Beispiel die Einführung des FlexTickets zum 1. Januar 2022".

Im laufenden Jahr sei die Ertragslücke jedoch absehbar nicht vollständig durch Eigenmaßnahmen zu decken. Daher soll auch für 2021 eine Deckung der Lücke aus dem Rettungsschirm der Bundesregierung und dem mit dem Land Berlin vereinbarten Pandemieausgleich notwendig sein, so Falkner. (jk)

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