Die Ausbreitung des Corona-Virus verändert den Alltag der Menschen auf der ganzen Welt. Die Rückwirkungen der Sars-CoV-2-Pandemie sind weltweit auf den Rohstoff- und Wertpapiermärkten stark zu spüren. Auch der Europäische Emissionshandel (EU ETS) ist von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen, schreibt das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) in einer Analyse.
Kurzfristig führt die Krise zu geringeren Emissionen. Weil viele Betriebe ihre Produktion gedrosselt oder ganz eingestellt haben, fragt die Industrie nicht nur weniger Strom nach, auch die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten sinkt. Sichtbar ist das vor allem in den Zertifikatspreisen: Zu Anfang des Jahres bewegten sich die Zertifikatspreise um 24 Euro pro Tonne CO2, und damit etwa auf dem durchschnittlichen Niveau des Vorjahres. Mit der Ausbreitung des Corona-Virus fiel der Preis rapide; derzeit steht er bei rund 16 Euro pro Tonne CO2.
Bewährungsprobe für die MSR
Doch auch langfristig können durch die neu eingeführte Marktstabilitätsreserve (MSR) Emissionen eingespart werden. Die Europäische Kommission beschloss in den Jahren 2015 und 2018 grundlegende Reformen des EU ETS. Ziel war es, dass Zertifikatspreise insbesondere in Krisenzeiten stabil bleiben und so langfristige Investitionen zur Treibhausgasminderung angeregt werden. Insbesondere wurden die sogenannte MSR und ein Mechanismus zur Löschung von Zertifikaten eingeführt. Die Krise dient also als erste Bewährungsprobe für diesen Mechanismus.
Wie geht es nun weiter? Dafür untersucht das EWI folgende Fragen: Was passiert gerade im europäischen Emissionshandel? Wie genau funktioniert der reformierte EU ETS? Welchen Einfluss hat dieser Mechanismus angesichts der aktuellen konjunkturellen Lage auf zukünftige Emissionen und Preise im EU ETS? Welchen Einfluss hat dieses Verhalten auf zukünftige Emissionen, Preise und die Löschung der Zertifikate?
Die Krise dient als erste Bewährungsprobe für die Marktstabilitätsreserve, schreibt das EWI. Ob und in welchem Umfang die MSR die durch die Corona-Pandemie eingesparten Emissionen auch langfristig einzusparen vermag, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Firmen im EU ETS ab. (hp)
