Der Bremer Energiedienstleister SWB hat im Geschäftsjahr 2018 einen massiven Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Das Konzernjahresergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um nahezu die Hälfte gegenüber 2017 auf 40,3 Mio. Euro (Vorjahr: 78,4 Mio. Euro). Der Konzernjahresüberschuss ging von 37 Mio. auf 14,6 Mio. Euro zurück – das entspricht einem Minus von über 60 Prozent. "Basierend auf dem nach HGB erstellten Jahresabschluss der SWB AG gibt es kein ausschüttungsfähiges Ergebnis", heißt es in der Pressemitteilung. Der Umsatz sank von rund 1,496 Mrd. Euro im Vorjahr auf 1,361 Mrd. Euro.
Als Hauptgründe für den Ebit-Rückgang werden die Umsetzung des Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (Nemog), regulatorische Effekte sowie reparaturbedingte Stillstände, unter anderem in der Entsorgungssparte, genannt. Hinzu kamen gesunkene Marktpreise für die erzeugten Strommengen und niedrigere Erlöse aus der Strom- und Erdgasvermarktung. "Die Hälfte des Ergebnisses basiert auf nicht-operativen Effekten. Wir haben die in den Vorjahren gebildeten Rückstellungen auflösen können und damit das Ergebnis noch gerettet. Das ändert nichts daran, dass es ein wirklich schlechtes Jahr war", kommentierte der SWB-Vorstandsvorsitzende Torsten Köhne in einem Kurzvideo von der Pressekonferenz.
Marktanteil in Bremen vergrößert
Der Stromabsatz der EWE-Tochter ging deutlich von 17,2 Mrd. kWh auf 14,93 Mrd. kWh zurück, in den übrigen Versorgungssparten verlief das operative Geschäft weitgehend stabil. In der Sparte Strom erhöhte sich der Marktanteil im Vertriebsgebiet Bremen um einen Prozentpunkt auf 81 Prozent, Erdgas liegt stabil bei 77 Prozent. Unverändert blieben die Marktanteile im Vertriebsgebiet Bremerhaven, mit 86 Prozent beim Strom und 84 Prozent beim Erdgas. Die Erlöse aus der Stromvermarktung sanken angesichts des Inkrafttretens des Nemog sowie rückläufiger Mengen im Handelsgeschäft der Erzeugungsgesellschaften um 130,5 Mio. auf 897,4 Mio. Euro.
Für das laufende Jahr rechnet der SWB-Vorstand mit einem deutlich besseren Ergebnis. Zum einen werde sich das Resultat der SWB-Netzgesellschaften nach dem Wegfall der regulatorisch bedingten Effekte rasch wieder positiv entwickeln, zum anderen werde die höhere Anlagenverfügbarkeit das Konzernergebnis wieder ansteigen lassen, heißt es. "Aktuell liegen wir auch gut auf Kurs", versicherte Timo Poppe, Vorstand Infrastruktur und Finanzen.
Kopplung des Fernwärmenetzes Ost mit Müllheizkraftwerk
Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr rund 100 Mio. Euro in die Infrastruktur und den Umbau der Erzeugung investiert. Auch künftig sind in diesen Bereichen ein hohes Investitionsniveau geplant. Unter anderem steht die Koppelung des Fernwärmenetzes Ost an das Uni-Netz und damit an Müllheizkraftwerk Oken an – mit diesem realisiert das Unternehmen nach eigenen Angaben einen wesentlichen Schritt für einen perspektivischen Ausstieg aus der Steinkohleverstromung.
"Das Vorhaben bedeutet einen großen Kraftakt für SWB, zumal wir gerade prüfen, die verbliebenen Kohleblöcke 6 im Hafen und 15 in Hastedt spätestens bis etwa Mitte der 2020er Jahre außer Betrieb nehmen zu können", verdeutlichte Köhne. Von einem Ausstieg aus der Steinkohleverstromung wären unmittelbar etwa 170 Mitarbeiter des Kraftwerksbetriebs betroffen. Diesen wolle man auch in Zukunft Perspektiven bieten. Mit diesen Schritten seien bei SWB in den nächsten Jahren allein in der Wärmesparte Investitionen in Höhe von etwa 200 Mio. Euro geplant, die unabhängig von den weiteren Lasten einer Außerbetriebnahme von Kraftwerken zu bewältigen seien.
SWB für Glasfaserausbau in Bremen zuständig
Auch im Glasfaserbereich sind weitere Investitionen geplant, insbesondere im Rahmen der Investitionsoffensive des Gemeinschaftsunternehmens "Glasfaser Nordwest" von EWE und Telekom. "Die SWB sind hier der Infrastrukturdienstleister im Land Bremen, das ist uns auch von dem Konsortium zugesprochen worden", betonte Poppe. Das Bremer Unternehmen werde "in Dienstleistung für das Joint Venture arbeiten, weil es unseren Infrastruktur-Abdruck in dieser Stadt einfach noch vergrößern wird." "Glasfaser Nordwest" muss vom Bundeskartellamt noch genehmigt werden, aktuell läuft das Hauptprüfverfahren. (hoe)
