„Die Energiewende ist komplex ist, und sie wird auch immer komplex bleiben“, stellte Arndt Müller, Vorstand der Stadtwerke Trier (SWT), fest. Die SWT wollen ihre Kunden bis 2030 komplett mit grünem Strom aus der eigenen Region versorgen. Die Strategien für den Auf- und Ausbau einer Erzeugung aus erneuerbaren Energien sind weit gediehen. Nächster wichtiger Schritt, so Müller bei der von ZfK-Chefredakteur Klaus Hinkel auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz moderierten Diskussionsrunde, sei die Entwicklung einer Flexibilitätsstrategie für Zeiten, in denen Solar- und Windenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen.
Die MVV Energie setzt bei der Umsetzung der Wärmewende auch auf eine Flusswärmepumpe. Außer einem ersten Projekt mit einer Leistung von 20 Megawatt ist derzeit ein weiteres mit 100 Megawatt in der Prüfung, erläuterte Holger Krawinkel, Berater der MVV Energie. Auch die seismischen Prüfungen für die Nutzung der Geothermie sind abgeschlossen. Um die Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2030 zu forcieren, hat MVV einen digitalen Zwilling für die Fernwärmeplanung entwickelt. Mit diesem Tool kann rasch die beste Lösung für die Kund:innen ermittelt werden.
Wärmeplanung für jedes Stadtteil
Die Stadtwerke Trier setzen auf ein GIS-System. Damit wird für jedes Stadtteil festgelegt, welche Versorgungsform unter den gegebenen Umständen die beste ist. „Damit können wir schnell reagieren“, sagte Müller. In Stadtteilen mit einer hohen Anzahl an Gasanschlüssen wird auch grünes Gas aus der Region zugelassen.
„Das Ziel sollte sein, so schnell wie möglich CO2-frei zu werden. Wie wir das dann schaffen, muss doch jeder in seinem Stadtteil, in seiner Stadt, in der Region selbst wissen“, sprach René Münch, Leiter Unternehmensentwicklung der WSW Wuppertaler Stadtwerke, Klartext. Es müsse regional vernünftige Lösungen geben, dabei sollte die Politik nicht zu stark eingreifen. Denn darauf gebe es viele kleinteilige Antworten.
Viele Finanzierungsformen
Eine besondere Herausforderung wird die Finanzierung der Dekarbonisierungsprojekte sein. Auch dabei muss jedes Unternehmen aufgrund seiner Rahmenbedingungen eigene Antworten finden. Die Möglichkeiten der Stadt Trier beispielsweise zur Unterstützung ihrer Stadtwerke sind begrenzt. Deshalb sind die SWT kürzlich erstmals den Weg gegangen, zusammen mit einem industriellen Partner einen Windpark zu kaufen. Das Unternehmen bekommt die Möglichkeit, den Strom über zehn Jahre zu einem Festpreis zu nutzen. Gleichzeitig erschließen sich die Stadtwerke neue Ertragsmöglichkeiten.
Die MVV kann für Investitionen auf gute Ergebnisse setzen. Allerdings sind auch dem relativ großen Versorger dabei Grenzen gesetzt. Zum Ausbau der Fernwärme würden die Mannheimer gerne Nachbarstädte anschließen. Dafür wäre allerdings der Bau eines großen Fernwärmenetzes nötig, das aber ohne umfangreiche Fördermittel nicht realisierbar ist. Generell müssten für die von der Regierung angepeilte Verdoppelung des Fernwärmeanteils auf 30 Prozent erheblich mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, mahnt Krawinkel an.
Gefragte Genussrechte
Auch Jenny Jungnitz, Abteilungsleiterin Verkehr und Mobilitätsdienstleistungen der Technischen Werke Schussental, kennt Finanzierungsthemen nur zu gut. „Im Prinzip greifen wir auf drei Strategien zurück“, sagt Jungnitz. Über die Quersubventionierung hinaus nutzt das Unternehmen Fördermittel, wobei „wir versuchen, dass die Mittel für den E-Bus nicht vor denen für die Elektrifizierung des Betriebshofs fließen“, wie die Abteilungsleiterin trocken feststellt.
Das dritte Bein ist die Ausgabe von Genussrechten an Bürger, eine Finanzierungsart, die in der Region sehr gefragt sei. Das sei zwar ein aufwendiger Prozess, doch die Bürger legen ihr Geld gerne bei ihrem regionalen, ökologisch orientierten Energieversorger an, der schon seit 2008 ausschließlich Ökostrom vertreibt.
Einbindung der Belegschaft
Angesichts der vielen Veränderungen, die auf die Beschäftigten zukommen und die sie mitgehen müssen, sei es sehr wichtig sei, sie in diesen Prozess einzubinden. Darüber waren sich alle Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. Um Anreize für die Akzeptanz der aufwendigen Elektrifizierung des Verkehrssektors zu schaffen, setzen die Technischen Werke Schussental zum Beispiel darauf, dass die Mitarbeiter:innen die Fahrzeuge des Fuhrparks auch privat nutzen können.
Die neuen Unternehmensstrategien wurden in Veranstaltungen den Mitarbeitenden vorgestellt, schildert Müller das Vorgehen. „Ich denke, es ist ganz, ganz wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter mitnehmen und sie auf die Transformation vorbereiten, und dabei dann eben auch klare Ziele ausgeben“, sagte der SWT-Vorstand. (hp)
