Die Stadtwerke Dinslaken um ihren Geschäftsführer Josef Kremer (4. von links) investieren in den nächsten Jahren rund 200 Mio. Euro. Schwerpunkte sind der Bau eines Holz-Energiezentrums und der Ausbau des Sport- und Freizeitbades Dinamare (das Bild stammt vom symbolischen Spatenstich im Juni dieses Jahres).

Die Stadtwerke Dinslaken um ihren Geschäftsführer Josef Kremer (4. von links) investieren in den nächsten Jahren rund 200 Mio. Euro. Schwerpunkte sind der Bau eines Holz-Energiezentrums und der Ausbau des Sport- und Freizeitbades Dinamare (das Bild stammt vom symbolischen Spatenstich im Juni dieses Jahres).

Bild: Stadtwerke Dinslaken

Die Stadtwerke Dinslaken sollen künftig wieder zu 100 Prozent der Stadt gehören. Hierzu ist eine Änderung des Gesellschaftervertrags geplant. Der Finanzausschuss der Stadt hat dieser Anpassung bereits zugestimmt, der Rat muss darüber noch in seiner Sitzung am 10. Oktober entscheiden, schreibt die "Neue Ruhr Zeitung". Der mehrheitlich kommunale Moerser Versorger und die Stadtwerke Dinslaken (SWD) sind seit Ende 2009 über eine Überkreuzbeteiligung gesellschaftsrechtlich miteinander verbunden. Die Stadtwerke Dinslaken halten fünf Prozent an der  Enni Stadt und Service Niederrhein AöR, diese wiederum besitzt 4,67 Prozent an den Stadtwerken Dinslaken. Diese sehr weitreichende Form der Kooperation sollte über das Heben von Synergien und Skaleneffekte die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Unternehmen im hart umkämpften Energiemarkt weiter erhöhen.

SWD- und Enni-Geschäftsführer bleiben Stellvertreter des jeweils anderen Unternehmenschefs

Die Stadt Dinslaken begründet die geplante Rückabwicklung der Überkreuzbeteiligung mit der "unterschiedlichen unternehmerischen Entwicklung", auch die gemeinsamen Aktivitäten im Energievertrieb sollen beendet werden. Laut einem Enni-Sprecher haben beide Unternehmen ihren Gremien vorgeschlagen, ausschließlich die Überkreuzbeteiligung zur Jahreswende zu beenden. Diese habe sich in Verbindung mit den eingeräumten Nießbrauchsrechten in der Praxis als zu kompliziert erwiesen.

"Die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Dinslaken werden wir aber intensivieren und neu ausrichten", so der Sprecher auf ZfK-Anfrage. Um den Kooperationswillen zu stärken und anstehende Kooperationsprojekte zu begleiten, bleiben die Geschäftsführer von Enni und den SWD, Stefan Krämer respektive Josef Kremer, jeweils überkreuz Stellvertreter des jeweiligen Unternehmenschefs. Auch die jeweiligen Aufsichtsratsmitglieder bleiben in den Gremien.

Stärkere Kooperation beim Erneuerbaren-Ausbau

"Die Zusammenarbeit wird sich künftig weniger auf den Energievertrieb als vielmehr auf die Zukunftsfelder erneuerbare beziehungsweise ressourcenschonende Energieerzeugung und -verteilung konzentrieren", heißt es weiter. Dazu gehört auch, dass Enni seine Anteile an der Fernwärme Niederrhein von 6,54 auf bis zu 15 Prozent ausbauen wird. Außerhalb der Stammgebiete sollen zudem die Kooperation gestärkt und weitere regenerative Projekte umgesetzt werden. Beide Unternehmen betreiben aktuell beispielsweise ein Biomasse-Heizkraftwerk in Moers. Auch die umfassenden Dienstleistungsbeziehungen würden, wie seit zehn Jahren üblich, neu bewertet. Enni übernimmt beispielsweise seit längerem die komplette Energiebeschaffung und Netzabrechnung für die Stadtwerke Dinslaken und deren Tochterfirmen.

Zudem besteht im IT-Bereich eine enge Zusammenarbeit, beide Unternehmen sind beispielsweise in ein- und demselben SAP-System. Über dieses nimmt Enni im Gasbereich die Rolle des Netz- und Messstellenbetreibers für beide Energieversorger ein, wie Enni-Chef Stefan Krämer, im April bei einem Redaktionsbesuch der ZfK erklärte (ZfK 8/19,20).

Kapitalaufstockung bei SWD soll geforderte Eigenkapitalquote sichern

Zusätzlich will die Stadt Dinslaken das Eigenkapital der SWD innerhalb der nächsten fünf Jahre um insgesamt 51,88 Mio. Euro erhöhen. Die SWD planen in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von rund 200 Mio. Euro, unter anderem in ein Holz-Energiezentrum in Dinslaken, den Ausbau des Sport- und Freizeitbades Dinamare und in das Blockheizkraftwerk Hiesfeld. Mit den zusätzlichen finanziellen Mitteln der Stadt soll die von den Banken geforderte Eigenkapitalquote des Kommunalversorgers sichergestellt werden, in der Regel wird hier ein Wert von 30 Prozent erwartet. Die finanzielle Unterstützung der Stadt ermöglicht zudem bessere Darlehenskonditionen.

Gasnetz der SWD soll an Regionetz verpachtet werden

Im Gegenzug verpflichten sich die SWD, dass die Gewinnausschüttungen an die Stadt in 2020 und 2021 jeweils um sechs Mio. Euro über denen des Vorjahres liegen. 2022 sollen es dann fünf und 2023 drei Mio. Euro mehr sein. Zum Vergleich: Die SWD hatten 2018 einen von Sondereffekten geprägten Rekordgewinn von 22,7 Mio. Euro erwirtschaftet, im Jahr 2017 betrug das Ergebnis sieben Mio. Euro. Auch beim Betrieb des Gasnetzes sind Änderungen geplant. 2018 hatten die SWD den Netzbetrieb wieder selber übernommen und den bisherigen Pächter, die RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz abgelöst. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass eine Verpachtung sowohl für die Kunden als auch für die Stadtwerke günstiger ist. Ab kommendem Jahr wird das Gasnetz deshalb an die Regionetz aus Aachen verpachtet, die Wartung bleibt bei den SWD. (hoe)

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