Der Vertrag für den Bau des Gasmotorenkraftwerks in Reick ist unterzeichnet (von links): David Szymanski, Regionaldirektor Westeuropa, Wärtsilä; Frank Brinkmann und Ursula Gefrerer, Geschäftsleitung Drewag; Melle Kruisdijk, Vizepräsident Europa Wärtsilä.

Der Vertrag für den Bau des Gasmotorenkraftwerks in Reick ist unterzeichnet (von links): David Szymanski, Regionaldirektor Westeuropa, Wärtsilä; Frank Brinkmann und Ursula Gefrerer, Geschäftsleitung Drewag; Melle Kruisdijk, Vizepräsident Europa Wärtsilä.

Bild: © Oliver Killig/Drewag

Dresden baut für insgesamt mehr als 95 Millionen Euro ein modernes Gasmotorenkraftwerk am Standort Reick. Bei der Vertragsunterzeichnung mit dem finnischen Generalauftragnehmer Wärtsilä sprach Drewag-Geschäftsführer Frank Brinkmann von einem wichtigen Schritt für die Energiewende in der sächsischen Landeshauptstadt. Doch anders als viele andere kommunale Unternehmen setzen die Dresdner nicht auf eine Lösung mit Turbinentechnologie.

Wärtsilä wird stattdessen in zwei unabhängig betreibbaren Modulen insgesamt acht Gasmotoren aufstellen. Diese seien bei einer maximal flexiblen Fahrweise dennoch immer nahe am maximalen Wirkungsgrad. Insgesamt soll der Brennwert des Erdgases in der neuen Anlage, die jeweils über eine Leistung von je 90 MW elektrisch und thermisch verfügen, zu nahezu 90 Prozent genutzt werden können. Innerhalb von weniger als 30 Sekunden wird nach einem Schnellstart die Leistungsabgabe möglich sein, nach spätestens fünf Minuten ist Volllast erreicht.

In zwei Jahren soll die Anlage ans Netz gehen

"Wir können mit der Anlage auch extreme Bedarfsschwankungen nachfahren", schwärmt Thomas Dolze, Projektleiter des Kraftwerkbaus. Der soll nach der Genehmigungsphase bereits im dritten Quartal mit dem Bau eines 105 Meter langen und 30 Meter breiten Neubaus beginnen. In zwei Jahren soll dann nach kurzem Testbetrieb die Anlage ans Netz gehen.

Dresden baut an Energiekonzept

Das neue Gaskraftwerk ist Teil eines größeren Erzeugungskonzeptes in Dresden. "Wir planen die Anlage so, dass sie im Verbund mit dem gerade erst erweiterten Großwärmespeicher, aber auch mit unseren Batteriesystemen und den regenerativen Kapazitäten gefahren werden soll – direkt gesteuert aus der neuen Leitwarte", sagt Dolze. Dazu soll dort noch eine neue 110 kV-Trasse verlegt und ein Umspannwerk gebaut werden, was in den Kosten eingepreist ist. Auch ein Anschluss an ein weiteres Power-to-Heat-Kraftwerk werde hier geschaffen.

Die Drewag baut eine derartige Anlage mit 2 mal 20 MW bereits am Standort Nossener Brücke. Da das neue Kraftwerk zudem schwarzstartfähig ist, soll es zudem im Fall eines Netzausfalls die Hilfsenergie für das Anfahren des Turbinenkraftwerkes Nossener Brücke liefern, so dass für Dresden eine Inselversorgung möglich wäre.

Erhebliche CO2-Einsparungen

Mit der Inbetriebnahme des Gaskraftwerkes Reick werden einige Spitzenlastkessel überflüssig, zudem werde auch eine der Turbinen an der Nossener Brücke im Sommerbetrieb nicht mehr benötigt. Das spare jährlich rund 80.000 Tonnen CO2 ein, versichert Dolze. Künftig werde das Gesamtsystem nach Effizienz gesteuert, dadurch käme das neue Kraftwerk nach jetzigen Kalkulationen auf rund 5000 Betriebsstunden – auch weil es die günstigste Kostenstruktur habe. Zugleich könne es aber auch zeitweilig vom Netz gehen, die Fernwärme kann mehrere Stunden aus den Speichern erfolgen.

Drewag-Chef Brinkmann mahnte die Bundesregierung an, die KWK-Förderung auf langfristig sichere Füße zu stellen. Der Bau des neuen Kraftwerkes sei heute betriebswirtschaftlich tragbar und für den mittelfristigen Ersatz von anderen Energiequellen unverzichtbar, um die immer stärker werdende Fluktuation bei der Einspeisung aus Wind und Sonne kompensieren zu können. Am Tag der Vertragsunterzeichnung lag der Strompreis beispielsweise bei rund 50 Euro je MW. In der Nacht davor allerdings waren es minus 15 Euro gewesen. Dieser Trend werde sich mit dem weiteren Fortgang der Energiewende noch beschleunigen. (masch)

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