Ulrich Kleine ist seit 2013 Vorstand des badischen Regionalversorgers E-Werk Mittelbaden.

Ulrich Kleine ist seit 2013 Vorstand des badischen Regionalversorgers E-Werk Mittelbaden.

Bild: © E-Werk Mittelbaden

Der süddeutsche Versorger E-Werk Mittelbaden trennt sich von älteren Erzeugungsanlagen, um sich frische Liquidität für neue Photovoltaik- und Windprojekte in der Region zu sichern.

So hat das Unternehmen mit Sitz in Lahr (Baden-Württemberg) mittlerweile seine Anteile am Trianel-Offshore-Windpark Borkum West II in der Nordsee verkauft, wie Vorstand Ulrich Kleine der ZfK bestätigte. E-Werk Mittelbaden hatte sich zu 2,2 Prozent an dem Projekt beteiligt.

Wasserkraftwerke veräußert

Auch der Großteil der eigenen Wasserkraftwerke sei inzwischen veräußert, sagte er, darunter auch die Wasserkraftanlage Gengenbach. Deren Betrieb hatte aus Sicht des Unternehmens die Erwartungen nicht erfüllt, weil sich die Zahl trockener Jahre gehäuft habe und Genehmigungsbehörden bei der beabsichtigten Wiederherstellung der ursprünglichen Fallhöhe der Anlagen unzureichend entgegengekommen seien.

Ausbauen will E-Werk Mittelbaden unter anderem sein Windkraftportfolio. Auf den von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck versprochenen Erneuerbaren-Turbo will Kleine dabei nicht warten. "Wir bemühen uns, dass wir mit den Behörden vor Ort zügig vorankommen", sagt er. "Da brauchen wir Berlin nicht."

"Haarsträubend und beklagenswert"

Derzeit betreibt E-Werk Mittelbaden an vier Standorten insgesamt zehn Windenergieanlagen – ein Vorteil in Zeiten üppiger Stromerzeugungspreise. "Das erlaubt uns, das stark gewachsene Vertriebsrisiko teilweise zu kompensieren", erklärt Kleine. Kritisch sieht er Pläne der Bundesregierung, bereits rückwirkend zum März dieses Jahres Erlöse aus erneuerbaren Energien abzuschöpfen. "Das halte ich nicht nur für haarsträubend, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes für beklagenswert."

Um sich besser für Turbulenzen an den Märkten zu wappnen, habe E-Werk Mittelbaden im Sommer seine Beschaffungsstrategie geändert. "Wir kaufen nun wesentlich weniger auf Vorrat und agieren deutlich näher am Markt", sagt Kleine. Das hat auch Auswirkungen für Stadtwerke- und Industriekunden des Unternehmens. "Unsere neuen Verträge haben deutlich mehr Spotmarktelemente als früher."

Fall Schutterwald

Das bekamen auch die Gemeindewerke Schutterwald zu spüren, die seit 2009 vom E-Werk Mittelbaden beliefert werden. Ihnen wurde zum Jahresende der Altvertrag gekündigt und ein neuer, deutlich marktnäherer Kontrakt angeboten.

Strittig ist, ob E-Werk Mittelbaden auf Grundlage des alten Vertrags trotzdem bereits 82 Prozent der zugesicherten Menge für das Jahr 2023 für Schutterwald einkaufen müsste. Aus Schutterwald hieß es, dass für das Folgejahr keine Energie für die Gemeindewerke beschafft wurde. Inzwischen haben die Schutterwalder angekündigt, ihren Stromvertrieb zum Jahresende einzustellen. (Die ZfK berichtete.) Zudem beauftragten sie ein Anwaltsbüro, den Sachverhalt zu prüfen.

"Erfüllen alle laufenden Lieferverträge"

Kleine bestätigt, dass der Altvertrag mit den Gemeindewerken Schutterwald nicht verlängert worden sei. Zugleich betont er: "Wir erfüllen alle laufenden Lieferverträge, auch wenn wir dort nicht nur schwarze Zahlen schreiben."

Mit Blick auf mögliche Zahlungsausfälle von Endkunden im Zuge neuer Preiserhöhungen hat E-Werk Mittelbaden Kleine zufolge zusätzliche fünf Mio. Euro an Liquidität zurückgelegt. „Im Einzelfall werden wir Ratenzahlungen zur Überbrückung finanzieller Engpässe mit den Kunden vereinbaren“, sagt er. Derzeit sei die Zahl der Stromsperrungen "sehr übersichtlich". "Wir hoffen, dass das so bleibt."

"Man muss nicht gleich ein Reisebüro eröffnen"

Wer sich als Versorger erfolgreich im Energiemarkt behaupten wolle, müsse sich breit aufstellen, rät Kleine. "Das heißt aber nicht, dass man gleich ein Reisebüro oder eine Fischzucht eröffnen muss", sagt er. "Ich denke vielmehr an energienahe Bereiche wie Dienstleistungen, erneuerbare Erzeugungsanlagen, Netzbetrieb oder E-Mobilität." (aba)

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