Preisturbulenzen nicht ausgeschlossen: Der Kohleausstieg wird zum Stresstest für Regierung und Energieversorger.

Preisturbulenzen nicht ausgeschlossen: Der Kohleausstieg wird zum Stresstest für Regierung und Energieversorger.

Bild: © EEX

Die EEX hat im vergangenen Geschäftsjahr ihre Geschäfte deutlich ausbauen können und ein Rekordergebnis erzielt. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 267,7 Mio. Euro, der Überschuss erreichte mit 66,7 Mio. Euro einen Zuwachs von 24 Prozent. Die Dividende will die in Leipzig angesiedelte Börse bei 16 Mio. Euro konstant halten.

Der EEX-Vorstandsvorsitzende Peter Reitz wertete die Entwicklung folgerichtig als äußerst erfolgreich, zumal mit Ausnahme des Terminmarktes Gas nahezu alle anderen Segmente kräftig zulegen konnten und auch die im Vorjahr übernommene US-Börse Nodal Rekordzahlen erreichte. "Wir haben inzwischen den Sprung zu einem Global Player geschafft, sind beim Stromhandel klar die Nummer eins und im Emissionshandel die Nummer zwei", freute sich Reitz. Auch die weiter wachsenden Zahlen aus dem ersten Quartal 2018 bestätigten den Kurs des Handelshauses.

EEX ist global, wichtigster Markt bleibt Deutschland

Das bislang wichtige Wort "European", aus dem sich auch der erste Buchstabe von EEX herleitet, benutzt Reitz nicht mehr, dafür spricht er um so häufiger von "global". Immerhin ist der Konzern mit seinem US-Ableger dort auch schon mit einem Anteil beim Stromhandel von 32 Prozent eine Größe, dazu kommen die rasch wachsenden Aktivitäten in Asien, auch bei Warentermingeschäften, Agrarprodukten und Herkunftsnachweisen. Dennoch spricht Reitz noch nicht von einer Namensänderung, es bleibt, zumindest vorerst bei der EEX-Group.

Künftiges Wachstum soll es jedoch auch im volumenmäßig wichtigsten Markt geben. "Wir haben zwar im Strom-Terminmarkt inzwischen in Deutschland einen Marktanteil von 43 Prozent erreicht, wollen aber noch mehr Volumen aus dem ungeregelten Handel auf unsere Plattform ziehen", sagte Reitz. Länder wie Italien mit einem Börsenanteil von 90 Prozent zeigten, dass hier noch reichlich Luft nach oben sei. Die EEX biete dabei durch das Clearing einen attraktiven Zusatzservice, weil damit die Erfüllung der Verträge auch über Jahre gesichert werde. Allerdings müssen dazu die mittlerweile 600 Marktteilnehmer Sicherheitsleistungen hinterlegen.

Finanzmarkt-Richtlinie hat verunsichert

Die Unsicherheiten aus den regulatorischen Veränderungen konnte die EEX zumindest hinsichtlich der Martgebietsteilung zwischen Deutschland und Österreich beim Stromhandel gut wegstecken. Der neu eingeführte Phelix-DE Future habe sich etabliert und sei inzwischen Benchmark für den Handel in ganz Europa. Problematisch allerdings habe sich die Umsetzung der neuen EU-Finanzmarkt-Richtlinie für Börsengeschäfte im Gashandel erwiesen. Einige wichtige Händler hätten sich daraufhin vom Börsenhandel zurückgezogen, was im Terminhandel einen Volumen-Rückgang von 1153 auf 851 TWh zur Folge hatte. Ähnlich hatten allerdings bereits die Stromterminmärkte im Vorjahr reagiert – allerdings nur kurzzeitig. Zudem wurde das rückläufige Börsengeschäft im Terminbereich durch ein zeitgleiches starkes Wachstum bei den Spotmärkten um 34 Prozent auf 1111 TWh überkompensiert.

Einstieg in die Futures für LNG und in Südosteuropa

Spektakuläre neue Projekte kündigte Reitz für 2019 nicht an, allerdings werde das Wachstum in drei Dimensionen – den Regionen, Produkten und neuen Geschäftsfeldern – ausgebaut und die globale Marktführerschaft gestärkt. Dazu gehöre der Einstieg in das LNG-Geschäft mit ersten Futures für Japan/Korea, Trucking Freight Futures in Amerika und neue Stromfutures für Bulgarien, Slowenien und Serbien. Deutliche Rückgänge dürften sich hingegen bei den Auktionen von Emissionszertifikaten ergeben, weil das Volumen aus politischen Gründen deutlich und wohl auch dauerhaft reduziert wird. Die EEX will dennoch in diesem Segment mindestens stabil bleiben, weil zugleich der Handel am Zweitmarkt deutlich wachsen werde. Dort hatte sich beispielsweise der Handel mit Futures und Optionen binnen des Jahres 2018 mehr als verdreifacht, auch 2019 begann stark. (masch)                         

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