Ausgerechnet das Zukunftsgeschäft Erneuerbaren-Erzeugung macht Energiekonzern EnBW zu schaffen.
Zum einen führten schlechtere Windverhältnisse als üblich an Land sowie auf hoher See dazu, dass der Gewinn im operativen Geschäft (adjusted Ebitda) im Bereich "Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur" sank. In den ersten neun Monaten waren es gegenüber dem Vorjahreszeitraum sieben Prozent weniger.
Umsatz steigt, Ergebnis sinkt
Zum anderen blieben Erträge aus dem Bereich thermische Erzeugung und Handel, bedingt vor allem durch Bewertungseffekte bei Absicherungsgeschäften, deutlich unter den Erwartungen. Hier verzeichnete der Konzern einen Rückgang von 18 Prozent. Allerdings rechnet der Konzern damit, dass diese Bewertungseffekte zum Jahresende weiter zurückgehen, dadurch dass die Absicherungsgeschäfte in Belieferung gehen.
Insgesamt vermeldete EnBW für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Umsatz von 18,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 13,7 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis schmolz von 2,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 2,0 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von vier Prozent.
EnBW hält an Prognose fest
Nach Konzernangaben hatte die andauernde Corona-Krise keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Geschäft. Zudem bleibt EnBW zuversichtlich, die Ergebnisprognose für das laufende Gesamtjahr halten zu können. Dann soll der operative Gewinn rund 2,8 bis 3,0 Milliarden Euro betragen. Das wäre eine Steigerung von zwei bis sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zur aktuellen Gaskrise äußerte sich EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer nur allgemein. Auch sein Konzern sei betroffen, sagte er.
Keine konkreten Angaben zu Preiserhöhung
Zugleich verwies er auf die langfristige Beschaffungsstrategie seines Unternehmens, wodurch insbesondere für Bestandskunden starke Preisausschläge im Großhandel abgefedert werden könnten.
Konkrete Angaben zu möglichen Preiserhöhungen insbesondere für Gaskunden machte er nicht.
Fossiler Kraftwerkpark im Umbau
Mitten im Umbau befindet sich EnBWs fossiler Kraftwerkspark. Das Unternehmen hat Block 7 seines Karlsruher Kohlekraftwerks bis spätestens Mitte 2022 zur Stilllegung angemeldet. Noch ist nicht entschieden, ob es als Reservekraftwerk weiter am Netz bleiben muss.
Das EnBW-Kohlekraftwerk in Altbach (Baden-Württemberg) wiederum soll zu einem Gaskraftwerk umfunktioniert werden. Bis 2026 soll es vollständig kohlefrei sein. Perspektivisch sollen am Standort nur noch grüne Gase wie regenerativ erzeugter Wasserstoff eingesetzt werden. (Die ZfK berichtete.)
E-Mobilität als "langfristiges Geschäftsfeld"
Große Fortschritte macht EnBW nach eigenen Angaben beim Ausbau der Elektromobilität. Pro Tag komme eine Schnellladestation, pro Woche ein Ladepark mit durchschnittlich 20 Ladepunkten dazu, sagte Kusterer.
Gewinn wirft das Geschäftsfeld aber noch nicht ab. So weit dürfte es nach Kusterers Einschätzung erst ab Mitte der Dekade sein.
Stromspeicher-Tochter als Gewinnbringer
Zufrieden zeigte sich der EnBW-Manager mit der Entwicklung der Stromspeicher-Tochter Senec. Vergangenes Jahr habe das Unternehmen 20.000 Heimspeicher verkauft, berichtete er. Dieses Jahr dürften es voraussichtlich doppelt so viele werden.
Senec trug damit seinen Teil dazu bei, dass das ihr übergeordnete Segment "Intelligente Infrastruktur für Kund*innen" in den ersten neun Monaten um 37 Prozent stieg. Zudem habe sich das Strom- und Gasgeschäft bei allen Vertriebsgesellschaften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum positiv entwickelt, sagte Kusterer. (aba)
