Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva richtet Enercity auf die digitale Zukunft aus.

Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva richtet Enercity auf die digitale Zukunft aus.

©Jens Voshage

Susanna Zapreva ist sich sicher: Die Zukunft ist digital und agil. Daher hat die Vorstandsvorsitzende der Enercity AG das Ziel ausgegeben, alle Geschäftsbereiche digital aufzustellen. Im Testmarkt Berlin lässt sich seit Anfang des Jahres erahnen, was das bedeutet. Dort bietet der Regionalversorger aus Hannover Strom und Erdgas über eine digitale Plattform an; die Produkte richten sich besonders an Menschen die jünger als 35 Jahre alt sind. Vertriebswege sind eine Website, eine App sowie Social-Media-Kanäle. Um die Bekanntheit zu steigern, werden aktuell lokale Influencer eingesetzt. Einen Produktnamen gibt es nicht – genutzt wird der Hashtag #KannsteDirSparen.

Zapreva berichtete beim Quartalspressegespräch am Donnerstag von ersten Erfolgen in Berlin ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die werde man erst liefern, wenn mindestens 10 000 Kunden gewonnen wurden. Im Sommer werde das Angebot auf ganz Deutschland ausgeweitet. Die Marketingaktivitäten hätten als Fokusfelder jedoch nur die Städte. Das Produkt werde nicht auf Vergleichsportalen wie Verivox gelistet. Und in der Heimatregion Hannover ist es nicht verfügbar. "Wir werden aber Tools aus unserem digitalen Produkt auch in Hannover einführen", sagt Zapreva.

"Digitale End-to-End-Kundenabwicklung in Realtime"

Unter anderem können die Kunden selbst wählen ob und welche Abschlagssummen sie zahlen wollen und sie können sich jederzeit Rechnungen erstellen lassen. "Wir machen eine digitale End-to-End-Kundenabwicklung in Realtime", berichtet die Enercity-Chefin stolz. Möglich sei dies, weil es keine Trennung mehr zwischen Marketing und IT gebe und mit agilen Methoden gearbeitet würde. "Wir entwickeln uns zu einem Plattform-Anbieter; wir passen unsere Systeme dabei sofort an die Bedürfnisse unserer Kunden an", berichtet Zapreva. Vorbild sei dabei Amazon.

Auch im Netz stehen bei Enercity Veränderungen an. Der Aufsichtsrat ist dem Vorschlag des Vorstands gefolgt, rund die Hälfte der Mitarbeiter in die Netzgesellschaft auszugliedern und auch die Assets von der Enercity AG in die Enercity Netzgesellschaft mbH zu überführen. Die Mitarbeiterzahl der Netzgesellschaft wächst damit von 2 auf rund 1200. Im Kern handelt es sich dabei um eine wirtschaftliche Optimierung, die eine bessere regulatorische Aufstellung ermöglicht. "Wir erwarten durch die Umorganisation eine Ergebnisverbesserung in unterer zweistelliger Millionenhöhe", berichtet Enercity-Vorstandsmitglied Marc Hansmann.

"Bessere regulatorische Aufstellung"

Personaldirektor Kai-Uwe Weitz betont dabei, dass es keinen Ergebnisverbesserungsbeitrag durch Personalabbau oder andere Verträge gebe. Der Enercity-Tarifvertrag und die Betriebsvereinbarungen würden eins zu eins für die Netzgesellschaft umgesetzt. Auch die Mitarbeiter der nicht-regulierten Bereiche Wasser, Wärme und Daten werden in die neue Gesellschaft überführt.

"Die bessere regulatorischen Aufstellung soll zu weniger Kürzungen durch die Bundesnetzagentur führen", hebt Hansmann hervor. Obwohl die wirtschaftlichen Überlegungen den Ausschlag für die große Netzgesellschaft gegeben hätten, sieht Zapreva auch eine strategische Komponente. "Wir haben dann zwei ungefähr gleichgroße Gesellschaften – Enercity mit den Wettbewerbsteilen und die Netzgesellschaft, bei der Sicherheit und Infrastruktur im Vordergrund stehen." Hansmann ergänzte: "Im Wettbewerb muss man aus Fehlern lernen, beim Netz darf man sich keine Fehler erlauben." (jvo)

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