Mit einem Ergebnisanstieg nach Steuern auf 126,7 Mio. Euro glänzt die Enercity AG im ersten Halbjahr – das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 41 Prozent. Eine wesentliche Grundlage für den höheren Gewinn sei der Verkauf des Kohlekraftwerks Mehrum und die dadurch wegfallenden Abschreibungen von 30 bis 35 Mio. Euro pro Jahr. Außerdem würden sich die Umsatzsteigerung um 12,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 auf 1254,3 Mio. Euro sowie Einsparungen positiv auswirken.
Im ersten Halbjahr haben die Beteiligungsergebnisse zum Beispiel von der Thüga AG eine starke Auswirkung auf das Ergebnis des Enercity-Konzerns. Für das gesamte Geschäftsjahr stellte Zapreva ein Ergebnis von rund 110 Mio. Euro in Aussicht. Vorstandmitglied Marc Hansmann hob die stark gestiegenen Investitionen hervor: Nach 31,9 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2017 betrugen sie im letzten Halbjahr 128,1 Mio. Euro. „Wir cashen das Unternehmen nicht aus“, betonte er.
Erstmals Zugewinn von Gaskunden
Erstmals seit der Liberalisierung habe Enercity nicht nur Stromkunden hinzugewonnen, sondern auch Gaskunden. Auf Nachfrage bezifferte Zapreva die Kundenzuwächse auf „mehrere Tausend“. Die Zahl der Endkunden veröffentlicht Enercity nicht mehr.
Beim bundesweiten Strom-Absatz einschließlich Energiehandel legte Enercity auf 6112 GWh zu (plus 6,3 Prozent), bei Erdgas steigerten sich die Mengen sogar um 33,9 Prozent auf 24 536 GWh. Vergleichszahlen zum Vertrieb an Endkunden nennt Enercity nicht mehr. Der Wärmeabsatz (Fernwärme und dezentrale Wärmeerzeugung) blieb mit 1812 GWh fast konstant, beim Wasser stiegen die Abgabemengen im ersten Halbjahr 2018 witterungsbedingt leicht auf 22 Mio. m³.
Erzeugung wird grün
Auf dem geplanten Weg zur regenerativen Energieerzeugung sieht sich Zapreva auf Kurs. Durch den Wegfall der Kohlestrom-Erzeugung im Kraftwerk Mehrum und den Kauf der Windkraftgruppe Ventotec sei der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung von 15,8 Prozent (457 GWh) im letzten Jahr auf 35,4 Prozent gestiegen (578 GWh) – dies reiche um alle SLP-Kunden in Hannover und bundesweit ohne Aufpreis mit Ökostrom zu beliefern.
Insgesamt erzeugten die Kraftwerke von Enercity in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1633 GWh Strom. Das ist im Jahresvergleich ein Rückgang von 43,7 Prozent (1. Hj. 2017: 2899 GWh). Der Anteil der erneuerbaren Wärme lag weiter bei rund 30 Prozent (564 GWh); die insgesamt erzeugte Wärmemenge betrug 1916 MWh.
Endspurt beim Wärmeprojekt mit Aurubis in Hamburg
Den neuen Stadtteil „Hafen City Ost“ in Hamburg wird Enercity ab diesem Jahr mit Wärme aus industrieller Abwärme beliefern. Bis zu 160 GWh Abwärme werden dazu aus dem Produktionsprozess des Kupfer-Herstellers Arubis ausgekoppelt und für die Versorgung von Wohnungen und Büros mit einer Bruttogrundfläche von 1,4 Mio. m² genutzt. Von den dafür notwendigen 2700 Metern Wärmetrasse hat Enercity bereits 2400 Meter realisiert.
Gegenüber einer Wärmeversorgung mit Erdgas verringern sich die CO2-Emissionen um rund 20 000 t jährlich. Auch in Hannover setzt Enercity auf Abwärme im Fernwärme-Netz. Hier beginnen noch in diesem Jahr die Arbeiten für den Anschluss der Müllverbrennungsanlage in Lahe an das bestehende Netz. In Zukunft sollen rund 25 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs Hannovers aus Müll erzeugt. (vos)
