Die EnBW-Tochter Energiedienst (ED) hat unter dem Namen "ED Netz" ein Beteiligungsprogramm für südbadische Kommunen aufgelegt. Diese können Anteile an der ED Kommunal GmbH erwerben und sich dadurch mittelbar am Netzgeschäft der ED Netze GmbH beteiligen. Bereits zum Start haben sich sechs südbadische Unternehmen für einen Anteilskauf entschieden: Albbruck, Bernau, Brigachtal, Laufenburg, Wehr und Wittnau. Nun sollen weitere Gemeinden angesprochen werden. "ED vernetzt" sei keine Antwort auf ein Beteiligungsprogramm der Badenova, versichert ein Unternehmenssprecher auf ZfK-Anfrage. "Wir haben ein eigenständiges Modell entwickelt, dass die Gemeinden in Südbaden und uns als Energieversorger näher zusammenbringen soll. Wir wollen am Stromnetz der Zukunft arbeiten", heißt es.
Rendite von 3,69 Prozent
Das Beteiligungsprogramm unterscheidet sich laut ED in zahlreichen Punkten von dem des Konkurrenten Badenova. Unter anderem passe die den Gemeinden in Aussicht gestellte Dividende von 3,69 Prozent in die heutige Zeit, sei aber dennoch attrakiv. Zudem könnten die Gemeinden und der Energiedienst nach fünf Jahren überprüfen, wie die Zusammenarbeit funktioniere und könnten dann von einer Verkaufs- respektive Kaufoption (Put- oder Call-Option) Gebrauch machen. Zudem sei die Beteiligung nicht an die Vergabe von Konzessionen gebunden. Das Badenova-Modell "Kompas" sieht eine Beteiligung der Kommunen als Badenova-Gesellschafter vor, in den Geschäftsjahren 2016 und 2017 gab es hier jeweils eine Rendite von 6,9 Prozent auf das eingesetzte Kapital.Das Beteiligungsprogramm des Freiburger Energiedienstleisters wird aktuell von den Kartellbehörden überprüft. Die im Raum stehenden Vorwürfe von Mitkonkurrenten, dass die Beteiligung von Kommunen an Badenova über "Kompas" Vergabeentscheidungen negativ beeinflussen könnte, hat das Unternehmen mehrfach zurückgewiesen. Ein Nachfolgeprogramm ist geplant.
Mitgestaltung über Beirat
Das neue Beteiligungsprogramm von ED wurde llaut der EnBW-Tochter mit dem Regierungspräsidium Freiburg, dem Landeskartellamt und der Finanzverwaltung abgestimmt. Die Kommunen können über den Beirat das Stromnetz der Zukunft mitgestalten, das Gremium berät die Geschäftsführung der ED Kommunal GmbH und der ED Netze GmbH vor allem bei der regionalen Netzentwicklung. Außerdem fließen über den Beirat die kommunalen Bedürfnisse und Anforderungen an die Versorgungssicherheit, die Energiewende und die Digitalisierung mit ein. Die Gemeinden können die Beteiligungshöhe individuell gestalten - je nach ihrer Größe. "Wir sind davon überzeugt, dass die Energiewende nur erfolgreich gestaltet werden kann, wenn Kommunen und Energieversorger dies gemeinsam tun", erklärte Martin Steiger, Vorstand der Energiedienst AG. "ED vernetzt" verknüpfe energiewirtschaftliches Fachwissen und kommunalpolitische Anforderungen auf neue Art. An "ED vernetzt" können alle Gemeinden in Südbaden teilnehmen, die mit der Energiedienst-Tochter ED Netze GmbH im Infrastrukturbereich zusammenarbeiten. (hoe)
