Der EWE-Aufsichtsrat hatte im Februar 2017 entschieden, den damaligen Vorstandschef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Der EWE-Aufsichtsrat hatte im Februar 2017 entschieden, den damaligen Vorstandschef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Bild: © EWE AG

Energiewende und Digitalisierung bieten neue Geschäftsfelder, sorgen aber auch für Unsicherheit: Der Oldenburger Energieanbieter EWE dämpft wegen dieser neuen Herausforderungen und wegen der schwierigen Situation im Energie- und Telekommunikationsmarkt die Erwartungen fürs laufende Geschäftsjahr. "Die Branche ist in einem Umbruch", sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch. In diesem Jahr rechnet EWE deshalb mit einem geringeren operativen Gewinn - 15 bis 30 Prozent weniger könnten es im Vergleich zu 2017 sein.

Nach den vorläufigen Zahlen sank das Ergebnis im zurückliegenden Geschäftsjahr unterm Strich um fast ein Viertel auf rund 256 Mio. Euro. Grund dafür war nach Unternehmensangaben, dass der Verkauf von Anteilen am Leipziger Ferngasunternehmen VNG und die Auflösung von Pensionsrückstellungen 2016 viel Geld in die Kasse gespült hatte. Im darauffolgenden Jahr fielen diese Sondereffekte weg.

Endgültiger Geschäftsbericht kommt am 26. April

Der Umsatz stieg 2017 um neun Prozent auf 8,25 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis schrumpfte um fast sechs Prozent auf rund 503 Mio. Euro. Dieses umfasst die Erträge aus dem Geschäft mit Strom, Gas, Wärme und Telekommunikation sowie den Betrieb von Netzen, Windparks und Gasspeichern. "2017 ist eigentlich ein relativ normales Jahr gewesen", erläuterte der Konzernsprecher. Das Jahr davor sei dagegen wegen der Sondereffekte außergewöhnlich gut ausgefallen. Den endgültigen Geschäftsbericht will EWE am 26. April veröffentlichen.

Kein Kommentar zu Rückstellungen wegen des Rechtsstreits mit Brückmann

Zu möglichen Rückstellungen wegen des Rechtsstreits mit dem früheren Vorstandschef Matthias Brückmann um ausstehende Gehälter wollte sich der Sprecher vor der offiziellen Bilanzpressekonferenz nicht äußern. Brückmann fordert rund 6,6 Mio. Euro von seinem ehemaligen Arbeitgeber. Außerdem will er in dem Zivilprozess vor dem Oldenburger Landgericht erreichen, dass seine Kündigung für unwirksam erklärt wird. Eine gütliche Einigung ist gescheitert. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 21. Juni geplant.

Der EWE-Aufsichtsrat hatte Brückmann im vergangenen Februar mit sofortiger Wirkung entlassen, weil er unter anderem bei einer Spende von 253 000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko gegen Unternehmensregeln verstoßen haben soll. Aus EWE-Sicht hätte der Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates die Zahlung genehmigen müssen. Brückmanns Anwalt sieht dagegen kein Fehlverhalten, das einen Rauswurf rechtfertigt. (hil/dpa)

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