Erik Höhne ist seit 2016 Vorstandssprecher des Hagener Enervie-Gruppe. Er ist seit 2010 in dem Unternehmen tätig. In seinen Anfangsjahren war er Technischer Vorstand, aktuell verantwortet er die Vorstandsressorts Erzeugung, Finanzen, Handel und Vertrieb.

Erik Höhne ist seit 2016 Vorstandssprecher des Hagener Enervie-Gruppe. Er ist seit 2010 in dem Unternehmen tätig. In seinen Anfangsjahren war er Technischer Vorstand, aktuell verantwortet er die Vorstandsressorts Erzeugung, Finanzen, Handel und Vertrieb.

Bild: © Enervie

Es ist ein in dieser Form bislang einzigartiges Modell in der deutschen Stadtwerkelandschaft. Seit Jahresbeginn verpachten die Stadtwerke Plettenberg und Werdohl im Sauerland nicht nur ihr Wasser- und Netzgeschäft, sondern auch ihren Gasvertrieb an den Regionalversorger Enervie. Ein Gespräch mit Enervie-Vorstandssprecher Erik Höhne zu den Vorzügen des Pachtmodells für sein Unternehmen im Besonderen und zur Zukunft von Kooperationen im Allgemeinen.

Herr Höhne, warum pachtet Enervie ausgerechnet jetzt, trotz Energiekrise, fast den gesamten Geschäftsbetrieb der Stadtwerke Plettenberg und Werdohl?

Erst einmal sind Kooperationen mit kleineren Stadtwerken, wie etwa das Pachten von Netzen oder Minderheitsbeteiligungen, für uns nichts Neues. Aber ohne Frage haben wir uns mit dem jetzigen Modell auf eine höhere Ebene begeben.

Im Grunde stehen wir als Energieversorger alle vor denselben Herausforderungen. Wir müssen uns mit sich rasant verändernden Energiemärkten auseinandersetzen und wir – sowie alle Wettbewerber – suchen konstant neue Fachkräfte. Wir als großer Regionalversorger tun uns da jedoch wahrscheinlich etwas leichter als kleinere Stadtwerke, weil wir breiter aufgestellt sind sowie beispielsweise eine eigene große Netzgesellschaft und Handelsabteilung haben. Und weil wir Mitarbeitenden mehr Perspektiven bieten können, was die eigene Karriere, aber auch das Arbeitsumfeld betrifft.

Welche Vorteile ergeben sich für Sie aus dem Pachtmodell?

Wir sind überzeugt davon, dass wir sowohl im Netz- als auch im Vertriebsgeschäft Synergien heben können und somit beide Bereiche noch effizienter betreiben werden. Zudem passt die Übernahme der etwa 10.000 Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Plettenberg und Werdohl gut in unsere Wachstumsstrategie. Aus unserer Sicht ist Größe auch eine mögliche Antwort auf gestiegene Risiken auf den Energiemärkten.

Das müssen Sie erklären.

Wir können Portfolien besser zusammenführen, wenn sie größer sind. Sie gleichen sich in ihren Risikoauswirkungen dann auch zum Teil aus. Größe allein hilft natürlich nicht immer, aber schafft grundsätzlich bessere Ausgangsbedingungen.

Das Pachtmodell zwischen Enervie und den Stadtwerken Plettenberg und Werdohl gilt in diesem Umfang bundesweit bislang als einmalig. Wird es Schule machen?

Generell glaube ich, dass die veränderte Situation auf den Energiemärkten die Stadtwerkelandschaft verändern wird. Ein Weiter so wird es nicht geben, denn die Anforderungen werden komplexer und die Herausforderungen vielfältiger. Der Druck, Kooperationen zu schließen, wird steigen.

Und die Antwort darauf ist Ihr Pachtmodell?

Ich denke, dass wir unterschiedlichste Facetten sehen werden. Das kann die reine Dienstleistung sein oder auch gesellschaftsrechtliche Beteiligungen. Aber ebenfalls Netzpachten sind gut vorstellbar und warum nicht auch umfassende Pachtmodelle nach Plettenberger und Werdohler Vorbild? Wir sind jedenfalls für weitere Kooperationen mit kleineren Stadtwerken in der Region jederzeit gesprächsbereit. Die Erfahrung aber zeigt: Am Ende muss der Wille zu diesem Schritt vom kleinen Partner selbst kommen.

Das Interview führte Andreas Baumer

Mehr zum Pachtmodell zwischen den Stadtwerken Plettenberg, Werdohl und Enervie finden Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK hier auf Seite 19. Hier geht's zum Abonnement.

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