Die Energie & Umwelt Niederrhein (Enni) hat im vergangenen Geschäftsjahr den Jahresüberschuss vor Steuern um drei Prozent auf 19,3 Mio. Euro erhöht. Der Anstieg ist gleichbedeutend mit dem siebten Rekordergebnis in Folge des im Jahr 2000 gegründeten Energieversorgers mit Sitz in Moers. Auch die Umsatzerllöse legten im Vergleich zum Vorjahr nochmals auf 195,1 Mio. Euro zu – das entspricht einem Plus von rund vier Prozent. Die neuerliche Erfolgsbilanz ist laut Enni-Geschäftsführer Stefan Krämer vor allem der Diversifizierung des Unternehmens zu verdanken. "Es gab nicht den einen großen Effekt, der das Ergebnis weiter nach oben trieb. Wir stehen breiter denn je da und konnten bei nahezu allen Aktivitäten zulegen", freute sich der Diplom-Kaufmann, der seit 2003 an der Spitze des Unternehms steht.
Das Ergebnis lastet mittlerweile nicht mehr nur auf dem Geschäft mit Energie und Wasser. "Rund ein Drittel des Ergebnisses trägt mittlerweile die Sparte Handel, Beteiligungen und Dienstleistungen, die sich enorm entwickelt hat", bekräftigte Krämer. Die Dienstleistungserlöse aus technischer und kaufmännischer Betriebsführung summieren sich mittlerweile auf knapp fünf Mio. Euro, zusätzlich generieren die zwölf Beteiligungen – unter anderem an der Enni Solar oder der Fernwärme Niederrhein – weitere knapp zwei Mio. Euro. Über die Hälfte des Gewinns wird aber nach wie vor im Kerngeschäft Energie erwirtschaftet. Hier konnte Enni bundesweit unterm Strich 11.500 Strom- und Gaslieferverträge neu akquirieren. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Gassparte, die den Absatz erstmals auf mehr als eine Mrd. kWh Gas gesteigert hat.
Neuer Großkunde aus dem Bereich Wohnungsbau
Als besonderen Erfolg streicht der mehrheitlich kommunale Energiedienstleister vom Niederrhein dabei die Akquisition des börsennotierten Wohnungsbauunternehmens LEG Immobilien heraus. Dessen Gebäudebestand wird bundesweit mit Gas zur Beheizung und Warmwasserversorgung beliefert, die Schwerpunkt der Versorgung liegt bei den Immobilien der LEG in Nordrhein-Westfalen. Der Stromabsatz stabilisierte sich nach einem Rekordanstieg im Vorjahr auf einem hohen Niveau bei 529 Mio. kWh. In der Wassersparte stieg der Absatz um 0,7 Prozent auf 7,1 Mio. cbm, der Wärmeabsatz bewegte sich mit rund 54 Mio. kWh in etwa auf dem Vorjahresniveau. Viel verspricht sich Krämer künftig auch vom neuen Geschäftsfeld Telekommunikation, hier konzentriert sich Enni auf Gewerbegebiete in Moers und Neukirchen-Vluyn. Die Investitionen lagen bei 37 Mio. Euro, davon flossen über 13 Mio. Euro in die Netze. Der Jahresüberschuss fließt zu großen Teilen in die Kassen der kommunalen Gesellschafter, der Städte Moers und Neukirchen-Vluyn. Neben den Städten zählen auch Innogy und seit kurzem auch Gelsenwasser zum Gesellschafterkreis von Enni.
Durch die Beteiligung von Gelsenwasser im vergangenen Jahr konnte Enni die Gasnetze in Uedem und Rheinberg übernehmen und schuf sich dadurch weitere Wachstumsperspektiven. Ziel ist es, sich künftig zum Regionalversorger zu entwickeln. Wachsen will das Unternehmen weiter im Vertrieb und über regenerative Projekte, aber auch durch die Akquisition weiterer Dienstleistungsaufgaben und weiterer Netze. Flankiert werden soll diese Strategie durch eine interne "Frischzellenkur" im Form des "Enni-Zukunftsprogramms 2022". Teil davon ist eine neue, moderne Verwaltung am Jostenhof, für die der Aufsichtsrat erst vor einigen Tagen grünes Licht gegeben hat. Dies ist gleichbedeutend mit einem Umuzug aus der Innenstadt, im Gegenzug errichtet Enni in Moers und bald auch in Rheinberg neue Kundenzentren.
Arbeitgebermarketing wird verstärkt
Das Zukunftsprogramm umfasst aber auch ein umfassendes Digitalisierungskonzept. "Wir wollen nach unserem Umzug in unsere neue Heimat weitestgehend papierlos sein", kündigt Stefan Krämer an. Auch die Attraktivität als Arbeitgeber will er weiter steigern: mit einem Personalentwicklungskonzept, aber auch mit Projekten zur Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur. (hoe)



