Der größte ostdeutsche Regionalversorger Envia M sieht nach den Worten des seit dem Herbst im Amt befindlichen Vorstandsvorsitzenden Stephan Lowis die Digitalisierung als strategische Kernfrage der weiteren Unternehmensentwicklung. Die sei "nicht zuerst eine Frage der Technik, sondern des prinzipiellen Herangehens, der persönlichen Haltung eines jeden Mitarbeiters", so Lowis. Dabei spiele die Zusammenarbeit mit den kommunalen Stadtwerken eine wichtige Rolle, so unter anderem bei dem jetzt unmittelbar bevorstehenden Einbau der ersten intelligenten Messsysteme.
Seit mehr als 15 Jahren gibt es bei der envia M-Tochter Mitnetz Strom einen Gesprächskreis zum Thema Zählerwesen, der sich zunächst unregelmäßig zu Fachgesprächen traf.
Herausforderung Smart Metering lässt zusammenrücken
Im November 2015, als der Smart Metering Roll Out auf die Agenda gerückt wurde und vorbereitet werden musste, entstand daraus die Anwendergemeinschaft (AWG) für Smart Meter in Ostdeutschland. Ihr gehören aktuell 62 Netzbetreiber, darunter mehrheitlich ostdeutsche Stadtwerke an. Die Mitgliedsunternehmen sind für rund 3,3 Mio. Zähler zuständig. Das sind rund 30 Prozent (33 Prozent) der Zähler in Ostdeutschland. "Hauptmotive für die Gründung der AWG waren, dass die Netzbetreiber als grundzuständige Messstellenbetreiber mit den komplexen gesetzlichen und technischen Anforderungen des Roll Out auf sich allein gestellt personell überfordert und überlastet sind", sagt Mirko Vogel, der bei Mitnetzstrom für das Zählerwesen zuständig ist. Dies gelte insbesondere für kleinere Stadtwerke.
Die AWG befasst sich inhaltlich mit allen relevanten Aufgaben zum Smart Metering. Der Bogen spannt sich von der Technik über die Prozesse und Systeme bis hin zu den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen sowie der Abrechnung. Sämtliche Mitglieder haben im Gremium das gleiche Stimmrecht bei der Themenwahl, wobei die Stadtwerke vor allem vom weitreichenden Zugang durch die Envia M zu Gremien oder dem Netzwerk des Mehrheitsgesellschafters Innogy profitieren könnten.
Mitnetz Strom bündelt Administrator-Aufgaben
Inzwischen haben sich 48 Mitglieder entschlossen, Mitnetz Strom als Gateway-Administrator zu beauftragen, also dort die Aufgaben der Einrichtung und Steuerung der Messsysteme zu bündeln. "Wir haben die Anwendergemeinschaft nicht als Verkaufsveranstaltung gegründet, aber natürlich bringt eine solche geschäftliche Kooperation auch Synergien und nutzt allen Beteiligten“, meint Vogel. Denn mit der Einführung der Systeme, die voraussichtlich ab dem späten Frühjahr in Fahrt kommen dürfte, werden dafür aufwändige IT-Systeme und auch Bedienpersonal erforderlich. Die Zertifizierung verlange schließlich das Vier-Augen-Prinzip, was bedeutet, dass inklusive der Reserven für Urlaub und Krankheit jeder Administrator wenigstens vier dafür qualifizierte Mitarbeiter vorhalten müsste. Auffallend ist jedoch, dass nicht nur die kleinen Stadtwerke das Angebot aufgegriffen haben, sondern auch die Stadtwerke aus Halle und Leipzig mit dabei sind. (masch)



