Stephan Lowis wechselt im Sommer von Innogy an die Spitze von EnviaM in Chemnitz.

Stephan Lowis wechselt im Sommer von Innogy an die Spitze von EnviaM in Chemnitz.

Bild: © Envia-M

Die EnviaM-Gruppe aus Chemnitz hat im vergangenen Jahr trotz deutlicher Umsatzeinbußen den Ertrag mit 324,8 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil halten können. Obwohl der größte ostdeutsche Regionalversorger beim Absatz von Strom und Gas Rückgänge verzeichnen musste, gibt sich Vorstandschef Stephan Lowis zuversichtlich für das laufende Jahr.

Der Regionalversorger, der aus dem Gewinn an die 650 ostdeutschen kommunalen Anteilseigner (41,4 Prozent) sowie an den Mehrheitsgesellschafter Innogy eine Dividendensumme von 173 Mio. Euro ausschüttet, will mit einer großangelegten Investitionsoffensive vor allem auf die Digitalisierung setzen. In den kommenden fünf Jahren werden etwa 250 Mio. Euro in Projekte fließen, zu denen der Ausbau der Glasfasernetze (100 Mio.), intelligente Mess-Systeme und neue Produkte der digitalen Zukunft gehören. Als Beispiele dafür nannte Lowis eine Plattform zur Vermarktung von Strom aus Wind- und Sonnenanlagen, die ab dem nächsten Jahr aus der Förderung nach dem EEG fallen. Neu kommen auch eine digitale Heizungssteuerung und ein Web-Shop für Elektromobilität hinzu, an dem auch Autohändler beteiligt sind.

Zähler werden ein bisschen smart

Zudem sollen die digitalen Zähler, ähnlich wie beim Smart Metering, durch eine eigens für die Chemnitzer entwickelte Zusatzbox mit einem eigenen Kommunikations-Gate ausgestattet werden. Diese kann per Internet Daten im Sekundentakt via App an den Verbraucher und wahlweise auch an den Netzbetreiber senden. Damit könne dann der Verbrauch optimiert werden. EnviaM will das System zunächst kostenlos anbieten und habe bereits 1000 Vorbestellungen vorliegen. "Wir wollen mit solchen Lösungen die Akzeptanz der Kunden für die Energiewende erhöhen, die inzwischen von vielen eher als Last und nicht als Lust empfunden wird", sagt Lowis.

Millionen für Netzausbau und Glasfaser

Doch auch in den Netzausbau und neue Erzeugungsanlagen will das Unternehmen weiter investieren. 178 Mio. Euro flossen im vergangenen Jahr in neue Windparks, die Zahl der eigenen Anlagen aus dem Bereich erneuerbare Energien stieg damit auf nunmehr 64. Der Netzausbau bleibe ein Schwerpunkt, weil im Netzgebiet bereits ein rechnerischer Anteil von 108 Prozent aus Wind, Sonne und Biomasse erreicht wurde. An einigen Tagen habe die Einspeisung bereits das Dreifache der Netzlast überschritten. Das bereits 7000 km lange Glasfasernetz wird mit einer "neuen Investitionsoffensive" weiter vergrößert, so dass unter anderem 350 Geschäfts-und Gewerbekunden bis 2023 ans Breitbandnetz angeschlossen werden.

Deutlich gesunken ist der Absatz von Strom, wo nach 21,2 GWh im Jahr 2017 nur noch 19,9 GWh am Markt verkauft werden konnten und auch beim Gas. Hier wurden 12,8 GWh abgesetzt, im Jahr zuvor waren es 13,5 GWh. Der Rückgang habe alle Kundensegmente betroffen, Ursachen konnte Lowis nicht nennen. Der Umsatz brach sogar von 4,96 auf nunmehr 3,34 Mrd. Euro ein, was neben dem schwächeren Absatz aber vor allem auf eine neue Bilanzierungsregel zurück zu führen sei.

Zu den Folgen der angestrebten Übernahme von der Muttergesellschaft Innogy durch Eon wollte Lowis keine Stellung nehmen. "Das interessiert Sie sicher sehr, uns übrigens auch", hieß es dazu lakonisch. Allerdings wurde bereits im vergangenen Jahr darauf verwiesen, dass die kommunalen Mitgesellschafter eine Zerschlagung der enviaM durchaus verhindern können und wohl auch werden. (masch)                                         

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