Eon-Chef Leonhard Birnbaum (l.) und Finanzvorstand Marc Spieker bei der Bilanzpressekonferenz in Essen

Eon-Chef Leonhard Birnbaum (l.) und Finanzvorstand Marc Spieker bei der Bilanzpressekonferenz in Essen

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Auf dem Endkundenmarkt für Strom und Gas sollten nach Absicht von Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum auch für kleinere Anbieter klare Regeln und Standards gelten, um wie im vergangenen Jahr aufgetretene Verwerfungen zu verhindern. Es könne nicht sein, dass einzelne Unternehmen mit ihren Angeboten lediglich Marktvolatilitäten ausnutzten und Windfallprofits mitnähmen, erklärte Birnbaum auf der Bilanzpressekonferenz des Energiekonzerns am Mittwoch.

Wer in diesem Markt agiere, müsse Mindeststandards einhalten und „eine ordentliche Bilanz mitbringen“, betonte der Konzernchef. Die jüngste US-Bankenkrise habe erneut gezeigt, dass Krisen vor allem von kleineren, nicht ausreichend kapitalisierten Unternehmen ausgingen.

„Nur knapp ein Drittel der Preissteigerungen weitergegeben“

Der Essener Energiekonzern schloss weitere Preiserhöhungen nicht aus. „Wir müssen auf Dauer die Großhandelspreise an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben“, erklärte Birnbaum. Im vergangenen Jahr habe Eon lediglich 30 Prozent „der zum Teil extremen Preissteigerungen“ eingearbeitet. „Aber das können wir nicht ewig durchhalten“, so der Konzernchef.

Die Situation sei aber nicht für alle Kundengruppen einheitlich. So könnten sich für Haushalte auf der Suche nach einem neuen Vertrag etwa im Zuge eines Umzugs durchaus Preissenkungen ergeben, speziell beim Gas. Umgekehrt müssten sich Kunden mit einem noch vergleichsweise niedrigen Preisniveau auf Erhöhungen einstellen. „Das gilt für Gas und Strom, und das gilt quer über die gesamte deutsche Branche, nicht nur für Eon“, so Birnbaum. Eon hat nach eigenen Angaben rund 14 Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland.

Verbraucherzentrale kündigt Fernwärme-Klage an

Hinsichtlich der von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) angekündigten Musterklage gegen Preiserhöhungen von Eon bei der Fernwärme zwischen 2020 und 2022 äußerte sich Birnbaum zurückhaltend. Entscheidend sei die „vertragliche Ausgestaltung von Ort zu Ort“. Der Konzernchef räumte aber ein, dass die Preisgleitklauseln zu Ergebnissen führen, die für „die Kunden schwer verdaulich sind“.  

„Märkte bleiben nervös, Krise ist noch nicht vorbei“

Auf dem Großhandelsmarkt deuteten die Forward-Notierungen auf eine Entspannung und Normalisierung der Situation ab dem Jahr 2026 hin. Bis dahin sei aber weiterhin mit hohen Preisen zu rechnen. „Die Märkte bleiben nervös, die Krise ist noch nicht vorbei“, sagte der Eon-Chef. Gerade beim Gas werde aber das Vorkrisenniveau nicht mehr erreicht. Das insgesamt höhere Preislevel beim verflüssigten Erdgas (LNG) werde sich auf Dauer durchsetzen.

Sein Investitionsprogramm will Eon um sechs Milliarden auf insgesamt 33 Milliarden Euro bis 2027 ausweiten. Dafür sei aber ein „angemessenes Investitionsumfeld“ notwendig. Entscheidende Stichpunkte für den Ausbau der Verteilnetze seien das veränderte Zinsumfeld sowie die Planungs- und Genehmigungsverfahren. Angesichts massiv gestiegener Fremdkapitalzinsen müsse die Politik reagieren. „Wir können nicht das Zinsniveau von 2021 bis zum Jahr 2028 bestehen lassen“, betonte Birnbaum. Auch der festgelegte Produktivitätsfaktor gehöre auf den Prüfstand.

Erneuerbaren-Boom in Osteuropa

Bei den Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Verteilnetze brauche es einen „komplett anderen Ansatz“, ansonsten „wird das nichts mit dem Erneuerbaren-Ausbau“, warnte der Eon-Vorstandschef. Es gebe Regionen, in denen bis 2023 mehrere hundert Genehmigungen erteilt werden müssten, Eon jedoch in den vergangenen fünf Jahren keine einzige bekommen habe.

Diese Probleme stünden im starken Kontrast zum steigenden Bedarf für Anschlüsse von Erneuerbaren-Anlagen sowie für den Ausbau und die Verstärkung der Stromverteilnetze. Dies betreffe nicht nur den Heimatmarkt, sondern auch Aufträge in Osteuropa. So gingen etwa in Tschechien die Anschlussbegehren für Erneuerbare „durch die Decke“.

Kritik an endgültigem Aus für Isar 2

Mit Blick auf das von Eon mehrheitlich betriebene Kernkraftwerk Isar 2 geht Eon von einem Ende des Betriebs am 15. April aus. „Wir haben keine Indikation, dass die Politik ihre Abschaltentscheidung überdenkt“, sagte Birnbaum. Der Energiemanager wiederholte seine Kritik an der Entscheidung: „Wir berauben Deutschland einer wichtigen Option, obwohl die Energiekrise noch nicht vorbei ist, und hoffen, dass die französische Kernkraft läuft. Das verstehe, wer will; ich nicht. Aber am Ende ist es das Primat der Politik, solche Entscheidungen zu treffen.“

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Eon-Vorstand mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 7,8 bis 8 Milliarden Euro. Dabei soll das Kerngeschäft, also der Betrieb der Verteilernetze und der Energievertrieb, einen Rückgang der Einnahmen mit Kernenergie abfedern. Den bereinigten Konzernüberschuss erwartet Eon bei 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro.

Spieker: „Wir sind keine Krisengewinnler“

Von der Gewinnabschöpfung war Eon im vergangenen Jahr im Umfang eines „mittleren zweistelligen Millionenbetrags“ betroffen, wie Finanzvorstand Marc Spieker erläuterte. Die Abgabe resultiere ausschließlich aus dem verbliebenen Kernenergiegeschäft. „Wir sind keine Krisengewinnler“, sagte Spieker. Die hohen, volatilen Preise an den Großhandelsmärkten bereiteten dem Dax-Konzern „vor allem große Probleme“. Eon hat - wie bereits bekannt - 2022 einen bereinigten Nettogewinn von 2,7 Milliarden Euro (plus 9 Prozent) erzielt. Der bereinigte operative Gewinn legte um zwei Prozent auf knapp 8,1 Milliarden Euro zu. (hil)    

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