Die vom britischen Regulierer im vergangenen Jahr eingeführten Preisobergrenzen belasten die Gewinnentwicklung bei Eon.

Die vom britischen Regulierer im vergangenen Jahr eingeführten Preisobergrenzen belasten die Gewinnentwicklung bei Eon.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Deutschlands größter Stromversorger Eon will seine Probleme in Großbritannien angehen und hat Stellenstreichungen angekündigt. Neben dem eigenen britischen Vertriebsgeschäft hat der Konzern nach der Innogy-Übernahme nun auch deren Tochter NPower auf der Insel dazubekommen, deren Geschäft genauso leidet. Großbritannien bleibe ein schwieriger Markt, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen am Freitag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Bereits zum Halbjahr hatte der Vorstand angekündigt, dass man auf Dauer kein Geschäft in der Gruppe wolle, das nicht profitabel sei. "Jetzt lassen wir Taten folgen", sagte Teyssen.

Um im Vereinigten Königreich aus den Verlusten herauszukommen, will Eon dort einen Großteil der derzeit 5800 Stellen bei der neuen Tochter NPower streichen, erklärte der Vorstand in einer Telefonkonferenz. Außerdem gehöre zu der Neuordnung in Großbritannien, dass sich der Konzern dort digital schlanker aufstelle: Die Haushalts- und kleineren Gewerbekunden von NPower werden demnach künftig über Eon UK auf einer gemeinsamen Plattform betreut. Die Restrukturierungen sollen dazu führen, dass Eon mit dem kombinierten Großbritannien-Geschäft bis 2022 ein deutlich positives Ergebnis erreicht.

Hohe Wechselraten, geringe Margen

Die britische Vertriebstochter von Innogy befinde sich in einer "kritischen und untragbaren wirtschaftlichen Situation", hieß es am Freitag von Innogy selbst kurz nach der Bekanntgabe der Eon-Zahlen. Auch für Eon läuft es in Großbritannien schon länger schlecht. Insgesamt 400.000 Kunden hat der Konzern dort in den ersten neun Monaten des Jahres verloren. Bei NPower sei der Verlust ähnlich hoch gewesen, hieß es. Eon betreut in Großbritannien 5,6 Millionen Kunden, NPower 3,6 Millionen.

Der Markt auf der Insel ist stark reguliert, die im vergangenen Jahr eingeführten Preisobergrenzen führen dort zu deutlichen Einbußen. Das bereinigte operative Ergebnis in dieser Sparte sei in den ersten neun Monaten zum Vorjahr deutlich gesunken, hieß es von Eon. "Die Wechselraten sind sehr hoch, die Margen gering, und die in diesem Jahr eingeführten Preisobergrenzen haben die Situation noch einmal verschärft", sagte Konzernchef Teyssen.

Jahresprognose erhöht, Nettoschulden steigen

Unterdessen laufe die Integration von Innogy planmäßig. Im Zuge der Übernahme hat Eon auch seine Jahresprognose erhöht und erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) von 3,1 bis 3,3 Mrd. Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss soll nun auf 1,45 bis 1,65 Mrd. Euro steigen. Ohne Innogy hat Eon bisher ein bereinigtes Ebit von 2,9 bis 3,1 Mrd. erwartet und einen Konzernüberschuss von 1,4 bis 1,6 Mrd. Den Dividendenvorschlag von 0,46 Euro je Aktie bestätigte das Management.

Nach der Übernahme von Innogy steigen bei Eon erst mal die Schulden. Diese Entwicklung sei auf die Neukonsolidierung zurückzuführen, hieß es. Sie sei daher auch wenig überraschend. Zum großen Teil gleiche sich dieser Effekt wieder aus, sobald der Teil der erneuerbaren Energien an RWEabgegeben werde. Der Nettoschuldenstand stieg im Vergleich zum Jahresanfang um 23 auf 39,6 Mrd. Euro. Analysten hatte sogar noch etwas mehr erwartet. Der Zusammenschluss soll bis 2022 dann Synergien bringen: Das Management sei fest entschlossen, bis dahin 600 bis 800 Mio. Euro einzusparen, erklärte Finanzchef Spieker.

Neunmonatszahlen teilweise "völlig verzerrt"

Die Neunmonatszahlen seien natürlich an vielen Stellen "völlig verzerrt", sagte Teyssen. Die Zahlen aus dem Vorjahr wurden nicht angepasst und durch die Innogy-Übernahme und den RWE-Deal kommen auf der einen Seite Geschäftsteile dazu, auf der anderen Seite fallen Teile weg. Das macht einen Vergleich zum Vorjahr schwierig. Das bereinigte Ebit lag in den ersten neun Monaten bei 2,2 Mrd. Euro, der Umsatz bei 23,6 Mrd. Euro. Der Konzern erreichte einen bereinigten Überschuss von 1,2 Mrd. Euro. Die Zahlen liegen laut Konzern allerdings im Rahmen der Erwartungen.

Für Innogy allein sind die Zahlen jedoch nachvollziehbar: Der Beitrag von Innogy zum bereinigten Ebit der Eon-Neunmonatszahlen lag bei 4 Mio. Euro, beim Umsatz waren es 940 Mio. Euro. Eon hatte Innogy von RWE am 17. September im Rahmen eines lange geplanten Deals übernommen. Somit beziehen sich die Neunmonatszahlen auf Eon und 13 Tage Innogy. Im Rahmen der Transaktion teilen die beiden Ex-Rivalen die Geschäftsfelder untereinander auf: An RWE gehen alle erneuerbaren Energien von Eon und Innogy, Eon übernimmt dafür das komplette Geschäft mit Netzen und Vertrieb.

Noch kein strategischer Ausblick

Bis die Transaktion komplett abgeschlossen sei, stehe dem Management noch ein Marathon bevor, so Teyssen. Zwischendurch werde es Sprints geben und es werde auch mal bergauf gehen. Daher gebe der Konzern jetzt auch noch keinen strategischen Ausblick. "Dafür braucht es noch etwas Zeit." (dpa/hil)

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