Der Essener Energiekonzern Eon sieht sich bei der Übernahme von Innogy trotz der vor etwa einer Woche durch die EU-Kommission eingeleiteten vertieften Prüfung voll im Zeitplan. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die erforderlichen Genehmigungen in der zweiten Jahreshälfte erhalten werden", sagte Konzernchef Johannes Teyssen am Mittwoch bei der Vorlage der Jahresbilanz in Essen. Auch bei der internen Vorbereitung der geplanten Integration komme Eon gut voran. Brüssel hat Bedenken, dass das Vorhaben den Wettbewerb im Strom- und Gaseinzelhandel beeinträchtigen könnte. "Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager.
Angesichts der sich abzeichnenden gestärkten Marktposition von Eon in Deutschland bei den Verteilnetzen und im Vertrieb haben nach ZfK-Informationen auch 22 Stadtwerke und Regionalversorger ihre Bedenken angemeldet und sind beim vertieften Prüfverfahren beteiligt.
Teyssen: "Mit vielen Bürgermeistern im Gespräch"
Eon-Chef Teyssen erklärte auf der Pressekonferenz, die Vorwürfe der Kritiker an der geplanten Innogy-Übernahme hielten "einer näheren Betrachtung nicht Stand". Der Wettbewerb sei "in keiner Weise gefährdet". Energienetze seien natürliche Monopole, die einer staatlichen Regulierung unterlägen. Der Vertriebsmarkt sei und bleibe hart umkämpft. Die Kunden könnten bundesweit in der Regel "unter mehr als 90 Angeboten wählen, die nicht von Eon oder Innogy kommen". "Im Übrigen finde ich es sehr bemerkenswert, dass Kritik bisher kaum von privaten oder industriellen Kunden, Verbraucherschützern oder Wettbewerbsexperten kam, sondern in erster Linie von Wettbewerbern", sagte Teyssen weiter.
Zu möglichen Auflagen im Zuge der Innogy-Übernahme – etwa dem Verkauf von Beteiligungen an Regionalversorgern – wollte sich Teyssen nicht näher äußern. "Wir haben noch keinen Status, der uns dazu verführt, zu spekulieren", so der Vorstandschef. Auch mit Blick auf die Konzessionsverträge mit Kommunen gab sich Teyssen entspannt. Eon sei ein "sehr effizienter Netzbetreiber, der am Ende auch niedrige Kosten" liefert. "Warum soll eine Kommune schauen, wo es noch etwas Schöneres gibt?" Eon sei mit vielen Bürgermeistern im Gespräch und wolle "mit Leistung und nicht mit Macht" argumentieren.
Verteilnetzgeschäft als Wachstumsmotor
Im Verteilnetzgeschäft erhofft sich Eon künftig "krachende Wachstumsraten" von fünf bis zehn Prozent pro Jahr, wie Finanzvorstand Marc Spieker erläuterte. Der Motor für die ambitionierten Umsatzsteigerungen sollen Ausbau und Digitalisierung sein. Es gehe um intelligente Verteilnetze, die "eine wirksame Verzahnung von Strom, Wärme und Verkehr ermöglichen", sagte Teyssen.
Auch im Haushaltskundengeschäft sehen die Essener trotz anhaltenden Margendrucks Chancen für profitables Wachstum. Eon hatte vor kurzem vermeldet, 2018 im deutschen Markt ein Nettowachstum von deutlich über 100.000 Kunden erreicht zu haben. Die Masse der Kunden sei dabei unter der Kernmarke Eon und nicht mit der Discountermarke E-wie-einfach gewonnen worden, sagte Teyssen bei der Bilanzvorlage. Auch werde beim Kundenwachstum nicht "draufgelegt". "Kundenakquise ist wie eine Investition. Das machen wir nicht, wenn es unwirtschaftlich ist", erklärte Finanzvorstand Spieker.
Dividende soll weiter steigen
Eon beliefert allein in Deutschland 5,1 Mio. Verbraucher mit Strom. Mit der Übernahme von Innogy kämen weitere 6,6 Mio. Kunden hinzu. Bei Gas haben beide Unternehmen zusammen 2,2 Mio. Kunden. Zudem sollen nach dem Innogy-Zukauf europaweit rund 50 Mio. Verbraucher an Netze von Eon angeschlossen sein. Weitere Expansionspläne stehen bei Eon zunächst nicht auf der Agenda. "Wir fühlen uns grundsätzlich sehr komfortabel mit dem Portfolio, das wir nach der Übernahme haben werden. Der Konzernumbau ist abgeschlossen", sagte Teyssen.
Für das vergangene Geschäftsjahr hat Eon seine Ziele erreicht und will seinen Aktionären mehr Dividende zahlen. Zudem kündigte der Konzern eine höhere feste Ausschüttung für 2019 an. So sollen Aktionäre für 2018 0,43 Euro je Aktie erhalten, nach 0,30 Euro im Vorjahr. Für das neue Geschäftsjahr will Eon eine fixe Dividende von 0,46 Euro ausschütten.
Für 2019 Ergebnis auf Vorjahresniveau erwartet
2018 sorgten geringere Ergebnisbeiträge aus dem Netz- sowie dem Vertriebsgeschäft für einen leichten operativen Ergebnisrückgang. Das bereinigte Ebit sank leicht um drei Prozent auf knapp 3 Mrd. Euro. Dabei erreichte Eon wie angekündigt das obere Ende seiner Prognosespanne. Das bereinigte Nettoergebnis stieg hingegen dank geringerer Zins- und Steuerbelastung um fünf Prozent auf 1,5 Mrd. Euro.
Für das neue Geschäftsjahr erwartet Eon in etwa ein Ergebnis auf Vorjahresniveau in der Mitte der prognostizierten Spanne. So geht der Konzern für 2019 von einem bereinigten Ebit von 2,9 bis 3,1 Mrd. Euro aus, der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 1,4 und 1,6 Mrd. Euro liegen. (hil)
