Bild: © Bernd Thissen/dpa

Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen rechnet bei der geplanten Übernahme der RWE-Tochter Innogy mit einer längeren Prüfung durch die EU-Kommission. Brüssel werde voraussichtlich eine vertiefte Prüfung einleiten, sagte Teyssen vor Journalisten in Essen. Bei Vorhaben dieser Größenordnung sei das nicht ungewöhnlich. Die Kommission müsse die Auswirkungen der Transaktion auf zahlreiche Märkte prüfen. Die Frist für die erste Prüfphase läuft am 7. März ab.

Ein zweite Phase sei so sicher wie das Amen in der Kirche, sagte Teyssen laut der Nachrichtenagentur Reuters. "Das heißt nicht, dass es automatisch schwieriger für uns wird", betonte Teyssen. Die Gespräche mit der Kommission seien "extrem offen und konstruktiv". Eon sei stets davon ausgegangen, dass die erforderlichen Freigaben durch die Kartellbehörden nicht vor Mitte des Jahres vorlägen.

"Netze sind komplett reguliert"

Eon und RWE haben einen umfangreichen Austausch von Geschäftsfeldern vereinbart. Eon will die Strom- und Gasnetze sowie das Endkundengeschäft der RWE-Tochter Innogy übernehmen. Im Gegenzug erhält RWE die erneuerbaren Energien von Eon und Innogy und wird zudem mit knapp 16,7 Prozent an Eon beteiligt. Den RWE betreffenden Teil des Geschäfts haben die EU-Kommission und das Bundeskartellamt bereits ohne Auflagen genehmigt. Es gebe keine "wettbewerbsrechtlichen Bedenken", hieß es aus Brüssel.

Teyssen widersprach Befürchtungen, die Übernahme der Netze und des Vertriebs von Innogy gefährde den Wettbewerb auf den Strommärkten in Deutschland. Die Netze seien komplett reguliert, beim Vertrieb komme Eon nach einer Innogy-Übernahme auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Der Wettbewerb um die Stromkunden bleibe hart. Fast überall hätten die Kunden die Auswahl unter rund 100 Anbietern.

Über 100.000 Kunden Nettowachstum

Wie der Eon-Chef weiter erklärte, hat Eon hierzulande weiterhin einen Zulauf neuer Kunden. "Auf dem deutschen Markt hatten wir im letzten Jahr deutlich über 100.000 Kunden Nettowachstum. Und zwar nicht unter der Zweitmarke, sondern unter der Erstmarke", zitiert Reuters den Manager. "Auch dieses Jahr sind wir wieder gestartet mit deutlichen Kundengewinnen", so Teyssen. Eon hat in Deutschland bis dato rund sechs Millionen Strom- und Gaskunden. (hil/dpa)   

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