Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) baut eine Anlage zur thermochemischen Behandlung von Klärschlämmen. "Ein rechtsverbindlicher Genehmigungsbescheid liegt uns seit Januar vor", berichtete der EVO-Vorstandsvorsitzende Christoph Meier bei der Bilanzpressekonferenz. "Mit den ersten Bauarbeiten wollen wir im April beginnen."
In der neuen Anlage sollen künftig 80.000 Tonnen Rohklärschlämme im Jahr angenommen und nach einem Trocknungsprozess verbrannt werden. Bisher wurden diese Klärschlämme als Dünger auf den Feldern ausgebracht. Die Folge: eine wachsende Belastung der Böden und des Grundwassers mit Nitraten und Schwermetallen. Durch die Verbrennung wird es möglich sein, die heimischen Trinkwasserressourcen zu schonen.
Inbetriebnahme ist für Herbst 2020 vorgesehen
Während der Revisionsphase des Müllheizkraftwerks von April an sollen zunächst die Verbrennungs-Kessel für die neuen Anschlüsse der Klärschlamm-Anlage vorbereitet werden. Zeitgleich wird die EVO die Ausschreibung für den Neubau der Annahmehalle für die Klärschlamm-Anlieferungen vorantreiben. Dem Zeitplan zufolge soll die Annahmehalle am Müllheizkraftwerk bis Mitte 2020 fertig sein. Die Inbetriebnahme der gesamten Anlage ist für Herbst 2020 geplant. "Unsere Anlage hält auch die strengsten Emissions-Grenzwerte sicher ein."
Die EVO hat das Müllheizkraftwerk Stück für Stück modernisiert. In den vergangenen Jahren baute das Unternehmen eine neue Rauchgasreinigung ein, dann eine hocheffiziente Turbine und jetzt die thermochemische Behandlung von Klärschlämmen. Die Investitionskosten für das gesamte Modernisierungsprojekt belaufen sich aktuellen Planzahlen zufolge auf rund 40 Mio. Euro.
EBIT erhöht sich um 5 Mio. Euro
Zu den Geschäftszahlen: Die EVO konnte im Geschäftsjahr 2018 (Oktober 2017 bis September 2018) das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Mio. Euro auf 27,5 Mio. Euro steigern. Das entspricht einem Plus von rund 22 Prozent. Der Jahresüberschuss der AG ist nahezu unverändert und beläuft sich abermals auf 11,2 Mio. Euro.
Die Bilanzsumme der EVO-Gruppe ist leicht auf 556 Mio. Euro gestiegen. Die Umsatzerlöse bezifferte der EVO-Manager auf 366,5 Mio. Euro (Vorjahr: 374,1 Mio. Euro). Die Aktionäre erhalten für das Geschäftsjahr 2018 eine unveränderte Dividende von 61 Cent je Aktie. Das heißt: Rund 5,5 Mio. Euro fließen jeweils an die beiden Hauptaktionäre – die MVV Energie AG und die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH. Rund 360.000 Euro werden an die Anteilseigner aus dem Kreis der Belegschaft ausgeschüttet.
"Mobilheat" treibt den Gewinn
Die Ergebnisverbesserung resultiert aus einer Reihe von Faktoren, wie der EVO-Chef berichtete. Erstens seien höhere Erträge im Geschäft mit der Windkraft und mit der EVO-Tochter "Mobilheat" erzielt worden. "Mobilheat" hat beispielsweise innerhalb von drei Jahren den Umsatz verdreifacht und das Geschäftsergebnis auf mehr als 2 Mio. Euro gesteigert.
Zweitens trage das stringente Kostenmanagement erste Früchte. Schließlich hatte der EVO-Manager dem Regionalversorger nach seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren ein Programm zur Effizienzsteigerung ("Aufwind") verordnet. Dabei wurden Geschäftsabläufe optimiert, die Organisation vereinfacht und die Führungsstruktur verschlankt. Hinzu kommt, dass die gemeinsamen Tochterfirmen für IT-Service, Messwesen und Abrechnung im Verbund der Energieversorger aus Mannheim, Kiel und Offenbach effizienter strukturiert worden sind. (al)



