Christian Basler (l.; Kaufmännischer Vorstand) und Timm Dolezych (r.; Technischer Vorstand)

Christian Basler (l.; Kaufmännischer Vorstand) und Timm Dolezych (r.; Technischer Vorstand)

Bild: © Evo/Köhring

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Energieversorgung Oberhausen (EVO) ein Ergebnis nach Steuern und vor Gewinnabführung in Höhe von 36,1 Mio. Euro erzielt. Im Vorjahr lag diese Kennzahl bei 6,1 Mio. Euro.

Den Anstieg führt das Unternehmen nur teilweise auf das rein operative Ergebnis zurück – die Steigerung um 25 Mio. von insgesamt 30 Mio. Euro stamme aus dem Verkauf der Anteile der Essener Steag. Der Gesamtwert der Steag-Anteile, die an die spanische Beteiligungsgesellschaft Asterion gehen sollen, liegt bei etwa 2,6 Mrd. Euro, teilte das Unternehmen bei der Vorstellung der Jahresbilanz mit.

"Gewinnzweiteilung bei Steag-Anteilen"

Der tatsächliche Verkaufspreis der Steag-Anteile stehe noch nicht fest, erläuterte Timm Dolezych, kaufmännischer Vorstand der EVO, auf ZfK-Anfrage. "Deswegen werden wir die Gewinnrealisierung zweiteilen". Ein Teil des Gewinns fließe in die Bilanz von 2023 und der andere wird im Geschäftsjahr 2024 verbucht.

Aufgrund des erwarteten Verkaufspreises ließe es sich nicht rechtfertigen, den Beteiligungsbuchwert und die Forderungen auf Null zu setzen, sagte Dolezych. "In Zeiten, als die Steag-Anteile quasi kaum etwas Wert waren, wurden sowohl die Beteiligung an der KSGB als auch unsere Darlehen an die KGSB komplett abgeschrieben."

"Im Jahresabschluss mussten wir nun davon ausgehen, dass sowohl die Beteiligung mindestens ihren Buchwert hat als auch die Darlehen wieder zurückgezahlt werden können." Ohne, dass "2023 Cash geflossen ist", habe die Zuschreibung wieder stattgefunden. Wenn im Laufe des Jahres das Closing erfolge, werde der Kaufpreis fließen – dann finde auch der zweite Teil der Gewinnrealisierung statt.

"Eigenkapitalquote ist nicht gut"

"Aufgrund der Erhöhung der Bilanzsumme durch die Zuschreibung Steag und KSBG sowie den Anstieg der Forderungen gegenüber den Kunden" sei die EVO-Eigenkapitalquote im Jahr 2023 von 19,4 auf 18,6 Prozent zurückgegangen. Mit Blick auf die Kreditwürdigkeit brachte es Dolezych auf den Punkt: "Die Eigenkapitalquote ist nicht gut".

Nach Rücksprache mit den Eigentümern, der Stadt Oberhausen und der Westnetz, wolle EVO das Geld aus dem Steag-Verkauf als Anschubfinanzierung für die Investitionsprojekte nutzen. "Wir gehen davon aus, dass wir den Gesamtertrag 2024 thesaurieren können", sagte der EVO-Finanzvorstand der ZfK. Das Geld hat das Unternehmen für seine zukünftigen Projekte dringend nötig. Im letzten Jahr hatte die EVO rund 15 Mio. Euro investiert – etwa 2,5 Mio. Euro mehr als im Jahr davor. Bis 2026 rechnet der Versorger mit einer Verdopplung der Investmens.

Ihren Kundenstamm konnte die EVO auch nach der Hochphase der Energiekrise weitgehend halten und teils auch steigern. Angesichts des verschärften Wettbewerbs im Energievertrieb, insbesondere durch die Marktrückkehr vieler Energiediscounter sei dies besonders erfreulich, so Dolezych. So zählte die EVO Ende 2023 rund 25.300 Gaskunden (2022: 25.100) und etwa 106.100 Stromkunden (2022: 106.300).

EVO kündigt Preissenkungen an

Erst zum 1. April hat die EVO "aufgrund staatlicher Eingriffe" den Strompreis erhöht. Für dieses Jahr kündigt Dolezych aber Preissenkungen an, und zwar sowohl für Neu- als auch für Bestandskunden. Damit wolle das Unternehmen die gesunkenen Beschaffungskosten weitergeben, "vorbehaltlich erhöhter gesetzlicher Preisbestandsteile, ausbleibender Krisen und Preisexplosionen", so Dolezych. Der Anpassungstermin für die Fernwärme stehe mit dem 1. Oktober bereits fest. Details dazu, wie die Senkung konkret ausfallen wird, gebe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. (am)

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