EWE-Chef Stefan Dohler hat eine massive Verringerung der L-Gas-Abnahmemengen aus Groningen angekündigt.

EWE-Chef Stefan Dohler hat eine massive Verringerung der L-Gas-Abnahmemengen aus Groningen angekündigt.

Bild: © Jeanette Hägglund/Vattenfall

Der Oldenburger Energieversorger EWE will den Bereich Telekommunikation und dabei den Ausbau des Glasfasernetzes in den kommenden Jahren weiter stark ausbauen. "Für uns ist das Glasfasernetz heute eine genauso wichtige Infrastruktur wie vor 30 Jahren die Strom- und Gasnetze", sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler auf dem Energie-Gipfel des "Handelsblatts" am Mittwoch in Berlin. EWE werde deshalb in den kommenden Jahren rund 1 Mrd. Euro in das Glasfasernetz investieren.

Gerade im Firmenkundengeschäft erweise es sich als entscheidender Vorteil, Komplettpakete aus Telekommunikation sowie Strom und Gas anbieten zu können. Derzeit umfasst das EWE-Glasfasernetz rund 40.000 km, der Marktanteil bei der Telekommunikation liege in der Region bei rund 20 Prozent, erklärte Dohler.

"Überwinterungsprozess" wenn Verkauf platzt

Bei der angeschobenen Veräußerung des Türkei-Geschäfts werde sich EWE nicht unter Druck setzen lassen, sagte der Konzernchef weiter. "Ein Verkauf wird nur stattfinden, wenn wir eine fairen Wert dafür erhalten", so Dohler. Ansonsten werde es für dieses Auslandsgeschäft einen "Überwinterungsprozess" ohne weitere Investitionen geben.

Vor Wochen war der Öl- und Gaskonzern Socar aus Aserbaidschan als Interessent gehandelt worden. Socar wolle 140 Mio. US-Dollar für die EWE Turkey Holding und die dazugehörigen Tochtergesellschaften bieten, hieß es in Medienberichten. Nach dem veränderten politischen Kurs der türkischen Regierung und der aktuell nicht gegebenen EU-Beitrittsperspektive habe sich das EWE-Management für diesen Schritt entschieden, betonte Dohler. EWE hat in der Türkei rund 1 Mio. Gaskunden.

Großaktionär kann aus dem Ausland kommen

Die Suche nach einem neuen Großaktionär will EWE noch in diesem Jahr mit dem geplanten Verkauf einer Minderheitsbeteiligung abschließen. "Wir werden den Prozess im ersten Quartal beginnen und wollen die Transaktion im zweiten Halbjahr über die Bühne bringen", sagte Dohler der Nachrichtenagentur Reuters. EWE will 26 Prozent seiner Anteile veräußern. Das Unternehmen gehört mehrheitlich 21 Städten und Landkreisen aus der Region Ems-Weser-Elbe, die sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen haben. EWE sei auch für Investoren aus dem Ausland offen.

"Entscheidend ist, dass es sich um einen langfristig interessierten Partner handelt, der die Strategie des Unternehmens und die Werte unterstützt", so Dohler zu der Agentur. Brancheninsider taxieren den Wert des Pakets Reuters zufolge auf 1,5 bis 1,6 Mrd. Euro. Als mögliche Interessenten für den EWE-Minderheitsanteil werden bereits seit längerem der Versicherungskonzern Allianz mit seiner Tochter Allianz Capital Partners (ACP), der Öl- und Gaskonzern Shell sowie der australische Infrastrukturinvestor Macquarie genannt. Interesse sollen zudem die Pensionsfonds Omers aus Kanada und PGGM aus den Niederlanden haben (hil)

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