Steht seit Anfang 2018 an der Spitze von EWE: Stefan Dohler

Steht seit Anfang 2018 an der Spitze von EWE: Stefan Dohler

Bild: © EWE

ZfK: Die Corona-Pandemie bestimmt weiterhin die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Wie sieht die jüngste Entwicklung bei EWE aus?
Dohler: Wir sehen einen Rückgang im Stromverbrauch, das ist jetzt nachhaltig für die vergangenen drei Monate messbar in unserem System. Wir haben zum Glück bisher wenig echte Ausfälle durch Insolvenzen. Das hat aber vielleicht damit zu tun, dass die entsprechenden Gesetze derzeit eine Insolvenzanmeldung nicht so dringlich machen. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn wir im dritten Quartal noch eine echte Welle erleben. Durch die Verwerfungen am Strom- und Gasmarkt haben wir das Thema der Absicherung von Handelsgeschäften zu lösen. Schließlich steht noch das Zahlungsmoratorium durch betroffene Privat- und Kleingewerbekunden auf der Agenda. Das ist aber zum Glück bisher erst in noch sehr überschaubaren Maßstab geschehen.

ZfK: In welchem Umfang bewegt sich der Rückgang des Stromverbrauchs genau?
Dohler: Da sprechen wir für eine EWE von fünf Prozent. In den Städten, wo wir viel Industrie haben, liegen wir zum Teil mehr als doppelt so hoch.

ZfK: Corona, Home-Office, alle rechnen mit einem beschleunigten Digitalisierungstrend durch die Krise. Was bedeutet das für ihr Telekommunikationsgeschäft?
Dohler: Wir haben ja heute schon 700.000 Telekommunikationskunden. Und wir haben in den vergangenen Monaten wahrgenommen, dass es bei den Internetanschlüssen einen gestiegenen Bandbreitenbedarf gibt. Das betrifft die bestehenden VDSL-Anschlüsse, wo Kunden jetzt etwa von 50 MBit/s auf 100 MBit/s hochgehen wollen. Oder wenn Kunden bei FTTH-Anschlüssen von Anfang an eher 300 oder 500 MBit/s verlangen. Das bestärkt unsere Glasfaserstrategie, wo wir ja mit unserem Joint Venture konsequent auf Ausbau setzen. Auch haben wir sehr renommierte Festnetztests, die mitten in den Homeoffice-Zeiten durchgeführt wurden, gewonnen und jeweils mit „sehr gut“ abgeschnitten. Unsere Netze können schon heute den erhöhten Bedarf locker abdecken.



ZfK: Im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets pumpt die Bundesregierung noch mal mächtig viel Geld in die Elektromobilität, gerade auch in den Ausbau der Infrastruktur. Was erhoffen Sie sich als EWE davon?
Dohler: Zunächst einmal finde ich es richtig, dass die Ladeinfrastruktur weiterhin gefördert wird, denn das Henne-Ei-Problem bleibt uns ja bei der Elektromobilität erhalten. Wenn ich Infrastruktur hinstelle bevor die E-Fahrzeuge da sind, verliere ich damit Geld. Wenn ich Fahrzeuge verkaufen will und die Lademöglichkeiten fehlen, sagen die Kunden, das ist mir zu riskant, das will ich nicht. Von daher halte ich dieses parallele Vorgehen für sinnvoll. Auch angesichts der Fördermilliarden die Elektromobilität nicht aus den Augen zu verlieren finde ich richtig. Worauf wir aber achten sollten ist, dass der Ladenetz-Ausbau intelligent gestaltet wird.

ZfK: Was meinen Sie damit konkret?
Dohler: Wir haben mal eine Simulation rechnen lassen, was es kostet, wenn man die Netze einfach stumpf so ausbaut, dass immer jede Ladesäule, die irgendjemand irgendwohin setzt, jederzeit voll nutzbar ist. Danach kamen für Deutschland zusätzliche Kosten von 34 Milliarden Euro zusammen. Wenn man aber die Vorgabe macht, dass derjenige, der die Ladesäule aufstellt, betreibt und das Netz dahinter bereitstellt, auch Informationen von den Autos bekommt, sieht die Sache schon anders aus. Der Ladesäulenbetreiber erhält dann Daten darüber, wo sich das Auto gerade aufhält, wie das Fahrverhalten ist, wie es sich mit dem Ladezustand und der Ladeleistung der Fahrzeuge verhält. Daraus kann ich sehr gut Prognosen ableiten und ein Stück weit den Ausbaubedarf steuern. Wenn ich das umsetze, kann ich die Kosten für den Netzausbau um die Hälfte auf 17 Milliarden Euro reduzieren. Das ist mein dringender Appell an die Politik, dass der Aufbau der Ladeinfrastruktur sich nicht einfach dem Motto vollzieht, der Netznutzer bezahlt das schon über die Netzentgelte. Für einen intelligenten Ausbau benötigen diejenigen, die diese Netze ausbauen und betreiben, den Zugang zu den Daten.

Das Interview führte Klaus Hinkel
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