EWE-Konzernchef Stefan Dohler

EWE-Konzernchef Stefan Dohler

Bild: © Mohssen Assanimoghaddam/EWE

Die Energiekrise hat deutliche Auswirkungen auf das Oldenburger Energieversorgungsunternehmen EWE. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel im ersten Halbjahr aufgrund hoher Energiebeschaffungskosten um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr: von 286,8 Millionen Euro auf 136,7 Millionen Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Allein im klassischen Energievertrieb und -handel verzeichnet EWE einen operativen Verlust in Höhe von 176,2 Millionen Euro. Von dem Ebit konnte das Windkraftunternehmen Alterric mit Sitz in Aurich (Niedersachsen), an dem EWE zur Hälfte beteiligt ist, etwa zwei Drittel erwirtschaften.

«Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt deutliche Auswirkungen und belastet auch unser Geschäft im besonderen Maße», sagte EWE-Finanzvorstand Mücher. Das operative Ergebnis mache deutlich, wie sehr das Alltagsgeschäft von EWE unter Druck stehe. «Wir können die sehr hohen Energiebeschaffungskosten nicht direkt an unsere Kunden weiterreichen, daher erzielen wir in unserem eigentlichen Hauptgeschäft in diesen Zeiten Verluste», erläuterte Mücher.

Das Ergebnis des Konzerns hat sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt: von 284,5 Millionen Euro auf 712,4 Millionen Euro. Dabei handelt es sich aber um reine Bewertungseffekte, die nicht kassenwirksam sind, wie ein Unternehmenssprecher auf ZfK-Anfrage ausführte. Der Konzern hat entsprechende Energiemengen bereits im Voraus eingekauft, die per Ende Juni entsprechend höher bewertet waren. Der positive Bewertungseffekt habe hier bei rund einer Mrd. Euro gelegen, heißt es.

Deutliche Umsatzsteigerung

Diese Mengen werden gemäß IFRS zu bestimmten Zeitpunkten nach aktuellem Marktpreis bewertet und gehen als Derivate in die Bilanz ein. Diese Volumina seien bereits zu einem festgelegten Preis an Kunden versprochen, stellt der Sprecher klar. An der hohen Bewertung der Derivate lasse sich also in diesem Jahr schlicht der Anstieg der Energiepreise ablesen.

Den Umsatz konnte EWE auch aufgrund der hohen Energiepreise in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent steigern: von etwa drei Milliarden Euro auf nahezu vier Milliarden Euro.

Dohler: "Wir stehen vor zwei harten Jahren"

Nach eigenen Angaben wird EWE seine Bemühungen im zweiten Halbjahr auf die Versorgungssicherheit lenken. Dazu gehörten Investitionen in erneuerbare Energien, der Bau einer LNG-Pipeline, um Speicher anzubinden, sowie das Füllen der Gasdepots. Die von EWE genutzten eigenen Gasspeicher sind dem Unternehmen zufolge zu mehr als 99 Prozent gefüllt.

«Mit diesen gut gefüllten Speichern leisten wir einen Beitrag, um auch bei weiter ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland eine Gasversorgung im Winter zu gewährleisten», sagte EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler in der Mitteilung.

Der EWE-Chef betonte, dass sich das Unternehmen durchaus bewusst ist, was die sehr hohen Energiepreise von den Menschen und Unternehmen abverlangen. Der Regionalversorger beteiligt sich am geplanten Härtefallfonds des Landes Niedersachsen. „Wir stehen vor zwei sehr harten Jahren. Für diesen Winter sind wir einigermaßen gerüstet. Der Winter des kommenden Jahres stellt uns aber schon jetzt vor große Herausforderungen. Die Menschen in unserer Region konnten sich Jahrzehnte darauf verlassen, dass wir sie zum einen zuverlässig mit Energie versorgen und dass wir zum anderen die Region finanziell unterstützen. Daran halten wir fest. Wir gehen den Weg in eine nachhaltige Energieversorgung konsequent weiter“, so Stefan Dohler.

(hoe/dpa)
 

 

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