Der EWE-Aufsichtsrat hatte im Februar 2017 entschieden, den damaligen Vorstandschef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Der EWE-Aufsichtsrat hatte im Februar 2017 entschieden, den damaligen Vorstandschef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Bild: © EWE AG

Der Energie- und Telekommunikationsdienstleister EWE hat im ersten Halbjahr  seinen Konzernumsatz um 7,8 Prozent auf knapp 2,95 Mrd. Euro (Vorjahreszeitraum: 2,735 Mrd. Euro) gesteigert. Der zentrale Leistungsindikator, das operative Ebit, stieg im selben Zeitraum um 4,6 Prozent auf 271,8 Mio. Euro (259,9 Mio. Euro) an. Das Periodenergebnis des Konzerns verringerte sich im Vorjahresvergleich aufgrund von Bewertungseffekten von 149,7 Mio. Euro auf 115,1 Mio. Euro. Die deutlichsten Ergebnissteigerungen beim operativen Ergebnis verzeichneten die Segmente Vertrieb, Dienstleistungen, Handel mit 73,8 Mio. Euro (40,6 Mio. Euro)  sowie die Bremer EWE-Tochter SWB mit 41,7 Mio Euro (6,0 Mio. Euro).

Allein die Liraabwertung sorgte für hohe Wertanpassungen

Hauptgrund für die Zuwächse im Bereich Vertrieb, Dienstleistungen und Handel ist die Marktpreisentwicklung beim Gas sowie Einmaleffekte, die SWB profitierten hingegen vor allem von höheren Erlösobergrenzen im Netzbereich sowie geringeren Aufwendungen für Instandhaltungen. Abgeschlossen hat der Regionalversorger im ersten Halbjahr die Veräußerung seiner türkischen Gesellschaften. Die Bilanz fällt dabei gemischt aus. Man habe zwar nach zwölf Jahren rund 290 Mio. Euro weniger eingenommen, als "seinerzeit für den Erwerb der Gesellschaften aufgewendet worden ist", resümierte Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Allerdings betrage allein der rechnerische Gesamteffekt durch die Abwertung der türkischen Lira 330 Mio. Euro, diese Wertanpassungen sind bereits in den Bilanzen der Vorjahre berücksichtigt worden.

Durch den Verkauf habe man letztlich die Risiken um insgesamt 220 Mio. Euro reduzieren können. Dies sei entscheidend, so Mücher. Die Risiken bestanden vor allem in Form von Garantien und Verpflichtungen, die die EWE AG übernommen hatte. Die türkischen Gesellschaften hätten sich während der Zeit im EWE-Konzern insgesamt gut entwickelt betonte der Finanzvostand: "Wir haben kontinuierlich Kunden hinzugewonnen, eine leistungsfähige Infrastruktur aufgebaut und das Gasnetz mit in der Türkei erwirtschafteten Investitionsmitteln in angrenzende Gebiete rund um Bursa und Kayseri erweitert." Heute hätten dadurch deutlich mehr Menschen Zugang zu einem sicheren Erdgasanschluss und profitierten von einer stark verbesserten Luftqualität in den zuvor von Kohleheizungen dominierten Gebieten.

Mücher: "Verkauf war der richtige Schritt"

All dies dürfe man bei der rückblickenden Bewertung dieses Engagements ebenso wenig vergessen, wie die Tatsache, dass die Türkei im Jahr 2007 für internationale Investoren sehr attraktiv gewesen sei. Mit dem Putschversuch im Sommer 2016 habe sich das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld des Investments dann jedoch unerwartet verändert. "Die türkische Lira hat seitdem im Vergleich zu Euro und Dollar so stark an Wert verloren, dass unsere Beteiligungen in einem Maß beeinträchtigt wurden, die auch mit Absicherungsgeschäften nicht aufzufangen waren", schildert Mücher. Der Verkauf sei daher der richtige Schritt gewesen und mit Socar habe man für die türkischen Gesellschaften vor Ort den richtigen Partner gefunden, um weiter erfolgreich zu wachsen.

Entscheidung über neuen Investor noch in diesem Jahr

Die Suche nach einem neuen strategischen Investor für die Weiterveräußerung eines Anteilspakets von 26 Prozent an der EWE AG sieht sich das Unternehmen nach wie vor gut im Zeitplan. "Wir haben die Gespräche mit den verschiedenen Interessenten weitgehend abgeschlossen und erwarten in den kommenden Wochen die verbindlichen Angebote", erläutert EWE-Chef Stefan Dohler. Er sei daher zuversichtlich, dass man gemeinsam mit den Anteilseignern noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung kommen könne. 

Glasfaser-Kooperation: Freigabe im Herbst erwartet

In Sachen Glasfaser-Kooperation mit der Telekom wird die Freigabe des Bundeskartellamts im Herbst erwartet. Im März diesen Jahres hatten die beiden Unternehmen einen Vertrag zur Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Glasfaser Nordwest unterzeichnet. Auch bei der Umsetzung der neuen Konzernstrategie sieht sich EWE auf Kurs. "Aktuell sind wir dabei, uns konzernweit nach Geschäftsfeldern zu organisieren, um unsere Aktivitäten effizienter über verschiedene Konzerngesellschaften hinweg steuern zu können", sagt Dohler. Die Steuerung nach Geschäftsfeldern soll im kommenden Jahr konzernweit etabliert sein. (hoe)

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