Viele Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen setzen im Zug der Energiewende auf die Einbindung ihrer Kunden und der Bevölkerung vor Ort. Die finanzielle Bürgerbeteiligung ist ein Kernelement dieser Unternehmensstrategie.
"Meist geht es dabei gar nicht so sehr um Akzeptanz oder das Einwerben von Kapital", sagt Josef Baur, Geschäftsführer des auf digitale Bürgerbeteiligung spezialisierten Beratungsunternehmens Eueco. Sondern Stadtwerke nutzten Bürgerbeteiligung, "um Kunden an sich zu binden oder sich von Wettbewerbern abzusetzen" – und ihre Sichtbarkeit über plattformbasierte Angebote zu erhöhen.
Mehrwert für das Kerngeschäft generieren
Ein neuer Leitfaden von Eueco möchte aufzeigen, "wie finanzielle Bürgerbeteiligungen in der Praxis einfach und gezielt mit Mehrwerten für das Kerngeschäft etabliert werden können". Bei erneuerbaren Energien bieten sich demnach eine Vielzahl von Beteiligungsmöglichkeiten an, sei es im Rahmen der Energieerzeugung, -einsparung, -verteilung oder auch der -nutzung.
Interessant sind Beteiligungsprojekte für Stadtwerke vor allem im Hinblick auf Endkunden. So bietet es sich beispielsweise an, Photovoltaik-Projekte mit einem passenden Stromtarif im Rahmen der Bürgerbeteiligung zu verknüpfen.
Schwarmfinanzierung bietet Vorteile
Aufgrund geringer Komplexität, niedriger Emissions- und Vertriebskosten sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen biete es sich an, die Schwarmfinanzierung auf Basis von qualifizierten Nachrangdarlehen für die finanzielle Bürgerbeteiligung zu nutzen, empfiehlt der Leitfaden.
Der Vorteil hierbei sei, dass bei Schwarmfinanzierungen laut dem Vermögensanlagengesetz unter Beachtung bestimmter Vorgaben kein aufwendiger Verkaufsprospekt erstellt werden muss; nämlich dann, wenn das Angebot einer Bürgerbeteiligung über eine Internet-Dienstleistungsplattform und der Vertrieb im Wege der Anlagenvermittlung erfolgt. Zudem müssen die Beitragsgrenzen von maximal 6 Mio. Euro pro Emittent und Jahr und 25.000 Euro pro Privatinvestor eingehalten werden.
Bürgerbeteiligungsplattform mit eigenem Branding
Zur Kundenbindung könnten beispielsweise Bestands- oder anderen Kundengruppen Vorzeichnungsrechte oder gesonderte Zins- oder Bonusvarianten eingeräumt werden. Dies könne auch mit individuellen Angeboten zur Generierung von Neukunden verzahnt werden, empfiehlt der Leitfaden.
Mittlerweile sei ein 100-prozentiger Digitalisierungsgrad über Plattformen bei Beteiligungsprozessen gängige Praxis, so Eueco. Um die eigene Marke zu stärken böten sich hierfür Bürgerbeteiligungsplattformen unter eigener "Flagge" an, wozu auch White-Label-Lösungen angeboten würden. (hcn)
Den Leitfaden gibt es hier als Download.



