Eigentlich gingen die Dortmunder Stadtwerke DSW21 zuversichtlich ins Jahr 2020. 2,7 Millionen Passagiere hatten sie das Jahr zuvor auf dem Flughafen gezählt, an dem sie zusammen mit der Stadt beteiligt sind. Ein neuer Rekord. Das Betriebsergebnis betrug am Ende lediglich 380.000 Euro. Die schwarze Null schien zum Greifen nah. Dann kam Corona und mit ihm der Einbruch des Flugverkehrs, auch in Dortmund.
Inzwischen geht der Kommunalversorger davon aus, dass sein Flughafen dieses Jahr 15 bis 20 Millionen Euro Verlust machen wird. Dabei habe es den Airport weniger stark getroffen als andere Städte, erklärt DSW2-Sprecher Frank Fligge.
"Wir sind weder ein reiner Ferien- noch ein reiner Berufsflughafen", sagt er. "Wir bieten viele Verbindungen nach Osteuropa an, die etwa Saisonarbeiter gern nutzen. Diese Routen waren auch dieses Jahr vergleichsweise gut ausgelastet." Deshalb falle das Defizit nicht gar so hoch aus wie anderswo.
Hoffnung auf Rettungsschirm
Trotzdem habe gerade der erste Lockdown im Frühjahr den Stadtwerken finanziell schwer geschadet, sagt Fligge. Einer der Hauptgründe dafür: Flughafen sind selbst in flugarmen Zeiten verpflichtet, einen 24-Stunden-Betrieb aufrechtzuerhalten.
In Dortmund fielen allein dadurch monatlich 1,4 Millionen Euro an, erläutert der Sprecher. Der Kommunalversorger hofft jetzt auf einen Rettungsschirm, der zumindest diese Einbußen auffängt.
"Guter Wille allein reicht nicht"
Ähnlich dürfte das Ludger van Bebber, Hauptgeschäftsführer des Dortmund Airport, sehen. Das am Freitag bekräftigte Bekenntnis von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), das dezentrale Luftverkehrssystem zu erhalten, und die Ankündigung, Flughäfen finanziell zu unterstützen, begrüßte er.
Er sagte aber auch: "Der gute Wille alleine reicht nicht aus, um eine Branche, die gerade während des Lockdowns bewiesen hat, dass sie unverzichtbar für die öffentliche Daseinsvorsorge ist, zu unterstützen. Der längst überfällige Nachteilsausgleich von über 1,5 Millionen Euro pro Jahr für unseren Airport, der in der Corona-Krise wichtiger denn je ist, wird uns weiterhin vorenthalten." Tatsächlich wurde eine endgültige Entscheidung über finanzielle Lösungen beim extra einberufenen "Luftverkehrsgipfel" vertagt.
Problemfall ÖPNV
Zu schaffen macht den Stadtwerken auch der öffentliche Nahverkehr. Schon vor Corona erwirtschafteten sie in dieser Sparte jährlich ein Minus von 50 bis 55 Millionen Euro. Jetzt befürchtet das Kommunalunternehmen zusätzliche Verluste von etwa 20 Millionen Euro.
Und das, obwohl nach eigenen Angaben bis Ende Oktober wieder fast so viele Passagiere gezählt wurden wie vor Corona. Auch hier wünscht sich Fligge die Unterstützung des Bundes: "Wir hoffen, dass wir einen Großteil der zusätzlichen Verluste durch den Rettungsschirm wieder ausgleichen können." (ab)
