Ein leichter Anstieg beim Zahlungsverzug ist bereits spürbar, die Zahl der Forderungsausfälle bei den Stadtwerken hat sich aber in den letzten Monaten noch nicht wesentlich verändert, teilt der Zahlungsdienstleister Creditreform auf ZfK-Anfrage mit. Wie seine Mitbewerber, wie Arvato Financial Solutions oder die zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörende Bad Homburger Inkasso GmbH, verzeichnet Creditreform aktuell einen starken Zulauf aus der Energiebranche
„Bei uns gehen bereits vermehrt Rückfragen zur Risikobewertung ein, auch Brancheninformationen zu B2B-Kunden werden verstärkt nachgefragt“, sagt Anne Waterkamp, geschäftsführende Gesellschafterin von Creditreform Essen Stenmans & Waterkamp KG. Als Problem erweise sich jetzt, dass Privatpersonen bei einigen Energieversorgern im Vorfeld nicht ausreichend geprüft würden.
"Häufig haben Energieversorger keine Kenntnisse von laufenden Insolvenzen"
"Das rächt sich jetzt. Die Stadtwerke müssen wissen, wer ihr Kunde ist und mit wem sie es zu tun haben“, stellt sie klar. Im Falle einer Insolvenz müsse die Kommunikation mit Insolvenzverwaltern sichergestellt werden, damit dieser die neuen Abschläge ausgleicht, sofern das Geschäft weiterbetrieben werde. „Häufig hätten Energieversorger aber keine Kenntnisse von laufenden Insolvenzen“, so Waterkamp weiter.
Die finanzielle Überforderung der Verbraucher durch die rapide steigenden Energiekosten sei vor allem in den Anlaufstellen der Stadtwerke extrem spürbar und werde weiter zunehmen, sagt Roland Wedding, Mitglied in der Geschäftsleitung im Verband Vereine Creditreform. „Das Forderungsmanagement der Stadtwerke wird mit den klassischen Maßnahmen künftig nicht mehr greifen, wenn immer mehr Unternehmen und Privatpersonen ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können, auch solche, die bisher völlig unauffällig gewesen sind.“
Auch der Sperrprozess sollte von Stadtwerken wieder mehr in den Fokus genommen werden, hier fehlten aber oft die personellen Ressourcen.
"Staatliche Unterstützungsmaßnahmen haben nur dämpfende Wirkung"
Auch Creditreform geht von hohen Ausfallraten in den kommenden Monaten aus. Die Risiken seien dabei unterschiedlich. Jedes Stadtwerk habe ein anderes Grundversorgungsgebiet, gerade strukturschwache Regionen seien besonders betroffen.
„Staatliche Unterstützungsmaßnahmen werden für Entlastung sorgen, aber sicherlich nur mit dämpfender Wirkung“, sagt Michael Hartmann, Leiter Kommunale und Institutionelle Kunden bei der Bad Homburger Inkasso GmbH.
Effiziensteigerungen und eine Entlastung des Forderungsmanagementprozesse durch eine weitergehende Digitalisierung des Mahnwesens empfiehlt Arvato Financial Solutions. Dabei gehe es insbesondere um Themen wie Zahlungsaufforderung (Aktivierung), digitalen Self-Service und Paymentoptionen und die Erkennung und automatisierte Bearbeitung von Kundenanliegen. (hoe)
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