Eine unerwartete Nachricht des französischen Energiekonzerns EDF hat den europäischen Strommarkt weiter verunsichert.

Eine unerwartete Nachricht des französischen Energiekonzerns EDF hat den europäischen Strommarkt weiter verunsichert.

Bild: © Dorian Hurst/Unsplash

Dieses Jahr hätte ein großes werden können für den französischen Energieriesen EDF. Während Länder mit größerer Gas- und Russlandabhängigkeit straucheln, hätte der mehrheitliche Staatskonzern beweisen können, warum er und seine Kernkraftwerke für Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit so wichtig sind. Davon abgesehen dürften Kernkraftwerke angesichts extrem hoher Strompreise generell üppig Geld verdienen, wenn sie denn am Netz sind.

Das Problem der EDF: Etliche seiner Großanlagen fallen seit Monaten aus. Im Juli produzierten bislang lediglich 29 der insgesamt 56 Kernkraftwerke Strom. Im gesamten ersten Halbjahr erzeugten französische Kernkraftwerke gerade einmal 154 TWh Strom – ein Einbruch von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Milliarden für neue Kernkraftwerke

Brisant für EDF: Hatte sie den Strom schon vorher verkauft, musste sie die nun fehlenden Mengen zu historisch hohen Preisen nachbeschaffen. Zudem gilt in Frankreich ein staatlich auferlegter Strompreisdeckel, weshalb der Konzern wohl nur einen Bruchteil seiner Zusatzkosten weiterreichen kann.

Dabei ist der Investitionsbedarf bei EDF gewaltig.Geschätzte 50 Mrd. Euro soll allein die Erneuerung des vorhandenen Kraftwerkparks kosten, wie die Zeitung "Le Monde" berichtet. 50 weitere Milliarden Euro sind für sechs Kernkraftwerke der nächsten Generation vorgesehen. Dazu kommen milliardenschwere Ausgaben für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Konzernchef soll früher gehen

Damit dies gelingt, bekräftigte Premierministerin Élisabeth Borne am Mittwoch in ihrer Regierungserklärung, dass Frankreich die Absicht habe, "100 Prozent des Kapitals von EDF" zu halten. Erst vor zwölf Jahren hatte der Staat seinen Konzern teilprivatisiert, um frische Gelder anzulocken. Derzeit ist Frankreich zu 84 Prozent beteiligt.

Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass Konzernchef Jean-Bernard Lévy früher als bislang geplant seinen Posten räumen könnte – möglicherweise bereits im September.

EDF-Börsenzickzack

Der EDF-Börsenkurs schwankte wild zwischen 8,82 Euro und 9,15 Euro pro Aktie und setzte damit den Zickzackkurs der vergangenen Monate fort. Ruhige Zeiten sehen anders aus. (aba/dpa)

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