Frankreich will für die vollständige Übernahme des Energieriesen EDF 9,7 Mrd. Euro hinlegen. Wie das Wirtschaftsministerium in Paris bestätigte, will es pro Aktie zwölf Euro zahlen. Der französische Staat hält bereits rund 84 Prozent der Anteile.
Bei dem Kaufangebot geht es demnach um die verbleibenden 15,9 Prozent der Aktien sowie 60 Prozent der Schuldverschreibungen. Wenn die Nationalversammlung die zusätzlich benötigten Haushaltsmittel billigt, will der Staat das Angebot Anfang September bei der französischen Finanzmarktaufsicht einreichen.
Milliardenschwere Projekte
Wenn nötig soll es auch ein Squeeze-Out geben. Heißt: Der Kauf kann dann auch gegen den Willen der Aktionäre geschehen. Allerdings erhalten diese eine angemessene Barabfindung.
Dass Frankreich EDF wieder komplett verstaatlichen will, war schon länger bekannt. Präsident Emmanuel Macron hatte dies bereits vor seiner Wiederwahl im Frühjahr angekündigt. Er will damit sicherstellen, dass der Konzern die notwendigen finanziellen Mittel erhält, um sechs neue Atomkraftwerke zu errichten und den Erneuerbaren-Park auszubauen.
Preishoch in Frankreich
Derzeit betreibt EDF 56 Kernkraftwerke. Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts produzierten bislang im Juli nur 32 der Anlagen Strom. Die anderen Kraftwerke befinden sich wegen Wartungsarbeiten und Reparaturen teils schon seit Monaten im Stillstand.
Allein im ersten Halbjahr erzeugten Frankreichs Kernkraftwerke 15 Prozent weniger Strom als im Vorjahreszeitraum. Zugleich stiegen die Börsenstrompreise im Land auf historisch hohe Werte. Aktuell wird 1 MWh Strom am Spotmarkt für mehr als 600 Euro gehandelt. Für das erste Quartal 2023 werden sogar Preise von mehr als 850 Euro pro MWh aufgerufen. (dpa/aba)
