Die Gasag ist Gasgrundversorger in Berlin, der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands.

Die Gasag ist Gasgrundversorger in Berlin, der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands.

Bild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Es sind Ausnahmezeiten für deutsche Energieversorger. Das gilt auch für die Gasag. Musste das Unternehmen zu Jahresbeginn seine Grundversorgungspreise in Berlin noch fast verdoppeln, halbieren sich diese im Mai wieder nahezu. (Die ZfK berichtete.)

Dann zahlen grundversorgte Gaskunden in der Hauptstadt zwischen 11,27 und 11,80 Cent pro kWh. Damit liegt die Gasag nicht nur wieder deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt, sondern auch unter dem staatlichen Preisbremsenniveau von zwölf Cent pro kWh.

Mammutaufgabe Preisbremsen

Noch aber greift die Preisbremse in der Gasag-Grundversorgung, noch verursacht die Umsetzung des Instruments enormen Arbeitsaufwand. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in einer eigens eingerichteten Task Force mit dem Thema beschäftigt, sagte Vertriebsvorstand Matthias Trunk in einem Pressegespräch.

Allein im ersten Quartal würden für die Umsetzung 1800 Arbeitstage aufgewandt und 400.000 Euro für Dienstleistungen ausgegeben. Insgesamt beliefen sich die staatlichen Ausgleichszahlungen im Rahmen der Preisbremsen an die gesamte Gasag-Gruppe auf etwas weniger als 150 Mio. Euro.

Bis zu 5000 Anrufe pro Tag

Angespannt sei die Situation auch im Kundenservice, erzählte Trunk. "In der Spitze erhalten wir pro Tag mehr als 5000 Anrufe. Waren wir früher im Schnitt innerhalb von einer Minute erreichbar, beträgt die Wartezeit jetzt durchschnittlich 38 Minuten und manchmal sogar bis zu einer Stunde."

Was die Anpassung von Abschlägen betrifft, bittet der Vertriebschef um Nachsicht, sollte nicht alles auf Anhieb gelingen. "Wir können versprechen, dass wir am Ende richtig abrechnen werden. Keiner unserer Kunden wird zu viel zahlen müssen."

"Wettbewerbsintensität ist hoch"

Inzwischen wirbt die Gasag auf Vergleichsportalen auch wieder um Neukunden. "Die Wettbewerbsintensität ist hoch", sagt Trunk. "Dabei sind nicht etablierte Versorger die aggressivsten Konkurrenten, sondern vielmehr eher kleine Unternehmen, die nicht Grundversorger sind, und mal in den Markt rein- und dann wieder rausgehen."

Versorgern wie der Gasag komme zurzeit aber zugute, dass sie ihre Kunden auch in schwierigen Zeiten nicht fallengelassen hätten. "Wir sehen, dass sich der Treuetrend verstärkt hat. Klar ist aber auch, dass wir als Grundversorger merken, wenn der Wettbewerb anzieht. Deshalb sind wir froh, dass wir unsere Preise wieder so schnell und deutlich senken können."

Beschaffungsstrategie angepasst

Angesichts historischer Preisschwankungen auf den Großhandelsmärkten seit Herbst 2021 hat die Gasag ihre Beschaffungsstrategie angepasst. "Im volatilen Markt hat es Sinn, sich nicht zu weit vom Marktgeschehen zu entfernen", erläuterte Gasag-Chef Georg Friedrichs.

"Wir beginnen nicht mehr starr bis zu zweieinhalb Jahre im Voraus mit der Eindeckung, sondern setzen auf flexiblere Modelle. Insgesamt beschaffen wir aber weiterhin konservativ."

Neue Beschaffungswege

Derzeit kauf die Gasag an der Börse sowie außerbörslich über direkte Handelspartner ein. "Wir prüfen aber auch, ob wir uns noch anderweitig mit Mengen eindecken können – beispielsweise über den Bezug von Flüssigerdgas oder die EU-Beschaffungsplattform, die gerade aufgebaut wird", sagte Sascha Bühring, der bei der Gasag den Bereich Energiebeschaffung leitet.

"Denn im vergangenen Jahr haben wir ja bemerkt, dass es nicht zu jeder Zeit möglich war, unbegrenzt Mengen einzukaufen. Klar ist deshalb: Als Grundversorger brauchen wir verschiedene Beschaffungswege, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können."

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