Unter anderem mit einem CO2-Rechner will der Energiedienstleister Gasag andere Unternehmen unterstützen, klimaneutral zu wirtschaften.

Unter anderem mit einem CO2-Rechner will der Energiedienstleister Gasag andere Unternehmen unterstützen, klimaneutral zu wirtschaften.

Bild: © Gasag

Die Gasag-Gruppe blickt zufrieden auf das Geschäftsjahr 2021. Trotz eines angespannten Marktumfeldes im letzten Quartal habe man mit einem guten Ergebnis abschließen können, führt Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag, bei einer Pressekonferenz aus. Man sei etwas unter Plan, sei aber dennoch stolz auf das Erreichte. Schließlich habe es auch die Gasag mit Preisentwicklungen zu tun gehabt, die die Branche so noch nicht gesehen habe. Auch in Zukunft rechnet Friedrichs nicht mit einer Entspannung. Er gehe davon aus, dass die Preise für Erdgas nachhaltig auf einem Niveau bleiben, das rund viermal so hoch ist, wie vor einem Jahr. Das gelte auch mit Blick auf die Einkaufspreise für 2023. Die Gasag wolle die Preise für die Kunden im laufenden Jahr aber erstmal stabil halten. Ende Oktober werde über mögliche weitere Preisschritte entschieden. Eines der Ziele der Gasag sei es, weitere Gassperren zu vermeiden.

Trotz des auf 21.385 GWh gesunkenen Gasabsatzes (25.302 GWh in 2020) fiel der Umsatz der Gasag mit 1357 Mio. Euro höher als im Vorjahr (1223 Mio. Euro in 2020) aus. Ursächlich seien die kalten Temperaturen im Frühjahr, die Einführung des CO2-Preises, aber eben auch die hohen Marktpreise für Erdgas ab Ende des Jahres. Das im Wesentlichen um Witterungseffekte bereinigte EBIT bewegt sich mit 116 Mio. Euro wiederum auf Vorjahresniveau (115 Mio. Euro in 2020).

Gasag als Energiedienstleister

Auch im vergangenen Jahr habe man intensiv investiert (2021: 130 Mio. Euro, 2020: 172 Mio. Euro) – in die Wartung und den Ausbau der Netze, aber auch in den Bereich Energiedienstleistungen (2021: 13 Mio. Euro, 2020: 11 Mio. Euro). Beispielhaft nannte Vertriebsvorstand Matthias Trunk hier das Bauprojekt Das Neue Gartenfeld in Berlin-Spandau, ein Gemeinschaftsprojekt der Gasag und ENGIE Deutschland. Auf dem 31 Hektar großen Grundstück wird Wohn- und Gewerberaum für rund 10.000 Menschen geschaffen. „Mit dem Energiekonzept für Das Neue Gartenfeld werden wir nicht nur 1100 t CO2 pro Jahr einsparen. Wir denken das Quartier auch ganzheitlich. Mit unserem Angebot gehen wir weit über die Rolle eines Energieversorgers hinaus, denn wir bieten Lösungen für Energie, Mobilität und soziale Vernetzung beispielsweise über eine Quartiers-App“, erläuterte Trunk.

Im Sommer 2021 hat die Gasag zudem den Solarvertrieb an Privatpersonen gestartet. Mit aktuell Mitarbeitern sollen 2022 ein paar Hundert PV-Anlagen auf Haus- und Gewerbedächer in der Region installiert werden. „Das Geschäft boomt“, ist Trunk überzeugt. Generell wolle die Gasag versuchen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und die Energiedienstleitungen weiter auszubauen. „Der Kunde, den wir möglicherweise bald beim Erdgas verlieren, kauft dann eben eine PV-Anlage bei uns“, ergänzte Friedrichs. Es sei klar, dass der Kunde auch mit Blick auf die Dekarbonisierung wandere. „Aber er wandert nicht zwingend von uns weg.“

Nicht nur Freude über Kundenzuwachs

Im vergangenen Jahr war die Kundenzahl gestiegen, auch weil wegen Pleiten anderer Anbieter Verbraucher in die Grundversorgung rutschten. Das Unternehmen zählte 512.000 Gaskunden in Berlin und Brandenburg (Vorjahr: 490.000) sowie 300.000 Stromkunden (Vorjahr: 275.000). Wegen des Andrangs verlangte die Gasag von Dezember bis April höhere Preise von Neukunden als von Bestandskunden. Verbraucherschützer bereiten deshalb eine Klage vor.

Einmal mehr machte der Gasag-Chef klar, dass die Energieversorgung der Zukunft neben den Erneuerbaren auch Wasserstoff und andere grüne Gase als zweite Säule brauche. Einen kompletten Verzicht auf die Gasinfrastruktur werde es nicht geben. Statt des Erdgases von heute würden künftig grüne Gase eingesetzt: vor allem grüner Wasserstoff, aber auch Biogas und ggf. synthetische Kraftstoffe. Es müssten vorhandene Leitungen umgewidmet und neue Leitungen gebaut werden. Friedrichs Vision: Bis 2045 müssten alle erforderlichen Netze im Berliner Stadtgebiet auf grüne Gase umgestellt sein. Sollte es gelingen, bis spätestens 2035 alle größeren Verbraucher mit mehr als 30 MW Kapazität umzustellen, hätte man ca. 60 Prozent des zu transportierenden Gases „vergrünt“.

Fachkräftemangel als große Herausforderung

Als herausfordernd, aber machbar beschreibt Friedrichs die Wärmewende im Bestand. Bauchschmerzen bereitet ihm hier vor allem der Fachkräftemangel. Die Gasag habe die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich erhöht. „Aber wir haben viel zu wenige Bewerber.“

Gut gerüstet sieht sich die Gasag für den Fall eines Gasengpasses oder kompletten Lieferstopps. „Die Wohnungen in Berlin und Brandenburg würden voraussichtlich nicht kalt, auch wenn wir mit weniger Gas umgehen müssten.“ Die Versorgung von Unternehmen würde nach dem Notfallplan im Zweifelsfall abgeschaltet.

Wasserstoff im Blick

Eine detaillierte Prognose für das laufende Geschäftsjahr wollen Friedrichs und Trunk nicht wagen. Man habe ambitionierte Ziele, u.a. mit einem bereinigten Ebit von 132 Mio. Euro für das laufende Geschäftsjahr. „Aber ob wir das alles so auch werden liefern können, weiß ich nicht“, so Friedrichs. Die Rahmenbedingungen seien nach wie vor schwierig, die Lage volatil. Fest stehe, dass man auch weiterhin das Ziel verfolge, bis 2040 alle Tarife und Leistungen ausschließlich klimaneutral anzubieten. „Energiedienstleistungen für Neubauquartiere werden nur noch so konzipiert, dass diese zu mindestens zwei Drittel CO2- neutral sind.“ Trotz des fehlenden bzw. unzureichenden Regulierungsrahmens baue man H2-ready, um für die Umrüstung auf Wasserstoff vorbereitet zu sein. (amo)

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