Die Gasag will in den kommenden Jahren die Früchte des 2018 gestarteten Umbauprogramms "GASAG 2025" ernten und ihre Gewinne kontinuierlich steigern. "Wir wollen in Zukunft schlankere Prozesse, unternehmensübergreifende Strukturen und noch größere Wettbewerbsfähigkeit", sagte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Holtmeier auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Dies erfordere auch eine Kultur mit flacheren Hierarchien und modernen Formen der Zusammenarbeit. Die im vergangenen Jahr erreichte leichte Steigerung des bereinigten Ergebnisniveaus solle in den kommenden Jahren kontinuierlich fortgesetzt und ausgebaut werden, erklärte Finanzvorstand Michael Kamsteeg. "Wir antizipieren die Ergebnissteigerungen für die folgenden Jahre", sagte der Finanzvorstand, ohne konkrete Zahlen zu nennen.
Im vergangenen Jahr stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 105 Mio. von zuvor 102 Mio. Euro. Unterm Strich blieb ein Jahresüberschuss von 38 Mio. Euro. Merklich belastet wurde das Ergebnis von Rückstellungen in Höhe von 23 Mio. Euro für das Restrukturierungsprogramm und von rund 7 Mio. Euro für den Konzessionsabgabenstreit. Der Umsatz der Gasag-Gruppe kletterte um acht Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Die Netto-Finanzverschuldung wurde auf 437 von 455 Mio. Euro zurückgeführt. Die Gasag hatte bereits im vergangenen Herbst einen Abbau von 250 bis 300 Stellen bis zum Jahr 2026 bestätigt. Betriebsbedingte Kündigungen soll es dabei nicht geben. Die Zahl der Mitarbeiter wird durch dem Umbau mittelfristig auf rund 1.500 Beschäftigte sinken.
"Strom ist unser wichtigster Wachstumstreiber"
Aufwärts ging es für die Berliner beim Gas- und Stromabsatz – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Aufgrund eines gestiegenen Absatzes bei den Weiterverteilern im Vergleich zu den Vorjahren erhöhte sich der Gasabsatz um 13 Prozent auf 25,5 Terawattstunden (TWh). Im Geschäft mit den Endkunden war durch die Temperaturentwicklung eine gegenläufige Entwicklung zu spüren. "Es ist schlichtweg zu warm, und das schon seit 2013", erklärte Finanzvorstand Kamsteeg. Die Jahresmitteltemperatur lag 2018 mit 11,1 Grad Celsius um 1 Grad über 2017 und schmälerte das Geschäft. Insgesamt macht das Gasgeschäft bei der Gasag immer noch 65 Prozent des Umsatzes aus.
Ein deutliches Plus verzeichnete der Stromabsatz, der um 26 Prozent auf 1.303 Gigawattstunden (GWh) kletterte. Im vergangenen Jahr habe die Gasag rund 40.000 Ökostromkunden gewonnen, sagte Vertriebsvorstand Matthias Trunk. Insgesamt hat der Versorger, der seit 2014 Stromprodukte vertreibt, inzwischen knapp 240.000 Stromkunden in der Metropolregion. "Strom ist unser wichtigster Wachstumstreiber", erklärte Trunk. Im äußerst heftig umkämpften Berliner Haushaltskundenmarkt bemüht sich die Gasag, das Kundenwachstum zu verstetigen. Mit einem wöchentlichen "Churn-Score" würden mögliche Abwanderungstendenzen der Kunden genau verfolgt, so der Vertriebsvorstand.
"Relativ entspannt" im Streit um die Gaskonzession
Im seit Jahren andauernden Streit um die Gaskonzession in der Hauptstadt zeigte sich Gasag-Chef Holtmeier "relativ entspannt". Man sei nach wie vor davon überzeugt, das beste Angebot abgegeben zu haben. Das Thema stehe aber aktuell nicht auf der Agenda, auch würden derzeit keine Gespräche mit dem Berliner Senat geführt, betonte Holtmeier.
Das Berliner Kammergericht hatte im April dieses Jahres die Berufung gegen ein Urteil aus dem Jahr 2014 zurückgewiesen. Darin untersagte das Gericht, die Gaskonzession an das landeseigene Unternehmen Berlin Energie zu vergeben. Wer das Berliner Gasnetz künftig betreibt, bleibt jedoch weiterhin unklar. Denn auch die Berufung der klagenden Gasag wies das Kammergericht zurück. Die Gasag als Berliner Netzbetreiber hatte versucht, gerichtlich zu erwirken, dass der Senat einen Konzessionsvertrag mit ihr abschließt. Auch das hatten die Richter zurückgewiesen. Beide Parteien legten damals Berufung ein, der Erfolg vor Gericht blieb jedoch aus. (hil)
