Nach Deutschlands größtem Gasimporteur könnte der deutschen Bundesrepublik bald auch die Nummer zwei auf des Importeur-Rankings gehören. Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, soll das frühere Gazprom Germania, jetzt Sefe, in Staatsbesitz übergehen. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des russischen Staatskonzerns Gazprom und seit April unter Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur.
Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte am Donnerstag auf Anfrage, innerhalb der Bundesregierung liefen die Gespräche über die Zukunft von Sefe. Nähere Details könne sie aktuell nicht nennen.
Zusammenhang mit VNG
Wie der "Spiegel" schreibt, steht der geplante Einstieg des Bundes bei Sefe im Zusammenhang mit der Rettung des Energiekonzerns VNG. Das Leipziger Unternehmen ist Deutschlands drittgrößter Gasimporteur.
VNG hatte Hilfe vom Staat beantragt, wie das Unternehmen und der Mehrheitseigner EnBW mitgeteilt hatten. Das Land Baden-Württemberg als EnBW-Miteigentümer solle sich finanziell bei VNG beteiligen. Dasselbe gelte anteilig auch für ostdeutsche Kommunen als VNG-Mitbesitzer.
Konflikt mit Sefe-Tochter WIEH
Nach eigener Aussage war der Leipziger Gashändler vor allem deswegen in Schieflage geraten, weil er von einem inländischen Vorlieferanten seit Juni nicht mehr durchgängig bedient worden sei und vertraglich vereinbarte Mengen nachkaufen hätte müssen. Nach ZfK-Informationen handelt es sich bei dem Vorlieferanten um die Sefe-Tochter WIEH. (Hier mehr zu den Hintergründen.)
Die Bundesregierung sieht Sefe als Schlüsselunternehmen für die Gasversorgung in Deutschland. Sie stoppte Anfang April den geplanten Verkauf und eine mögliche Zerschlagung der Gruppe durch den Gazprom-Konzern und stellte sie unter Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur. Zudem gewährte die Regierung Sefe Kredithilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro. In der Zwischenzeit hatte Russland Sanktionen gegen die Unternehmensgruppe verhängt, was zum Ende der Gaslieferungen führte.
Wingas und Astora
Zur Gazprom-Germania-Gruppe zählt unter anderem der Kasseler Gashändler Wingas. Allein im Jahr 2020 setzte er europaweit an Industriekunden und Weiterverteiler wie Stadtwerke gut 190 TWh Gas ab. Ein großer Teil davon kam über Lieferverträge vom russischen Energieriesen Gazprom Export. Wingas hat neben WIEH und die Muttergesellschaft Sefe selbst Geld aus der Gasbeschaffungsumlage beantragt.
Auch Gasspeicherbetreiber Astora gehört zur Sefe-Gruppe. Ihm gehört neben einem Speicher in Jemgum auch Deutschlands größter Speicher in Rehden. Ferner ist Sefe am Gastransportunternehmen Gascade beteiligt. (aba/dpa)



