Der südhessische Kommunalversorger GGEW AG erweitert sein Kerngeschäft zunehmend um komplexe Dienstleistungen rund um das Thema Energie. "Mit unseren neuen Geschäftsfeldern – Immobilienwirtschaft und Quartiersentwicklung – sowie mit unserem Glasfaserausbau forcieren wir die zunehmende Fokussierung zum regionalen Infrastrukturanbieter", betonte Vorstand Carsten Hoffmann bei der Jahresbilanz für das Geschäftsfjahr 2019.
Pilot mit Neubauprojekt
Wohin die Richtung dabei geht, zeigt ein unlängst gestartetes Pilotprojekt des Unternehmens von der Bergstraße: das Neubaugebiet Bensheim-Fehlheim "Im Langgewann". Die GGEW möchte die Bauherren hier bei ihrem Traum vom Eigenheim unterstützen und bietet neben der klassischen Versorgungsinfrastruktur ein breites Portfolio an: Nahwärme, Photovoltaik, Glasfaser-Internet, E-CarSharing und, wenn gewünscht, private Wallboxen zum Laden der E-Autos.
Klare Zukunftsvision
"Wir werden uns Zug um Zug zum Anbieter von Energie-, Telekommunikations- und Mobilitätslösungen auf Basis einer zukunftsfähigen regionalen Infrastruktur weiterentwickeln, der Klimaschutz sektorübergreifend vorantreibt, mit vernetzten Lösungen für regenerative Elektrizität, Mobilität und Wärme", so umreißt Hoffmann seine Vision von der mittel- bis langfristigen Weiterentwicklung des Energiedienstleisters.
Profitables Kerngeschäft
Die Basis hierfür bildet ein noch profitables Kerngeschäft, mit dem klassischen Energie- und Netzgeschäft als robuste Grundlage. Hier wurde die bereits 2018 begonnene Fokussierung auf werthaltige Kundenbeziehungen weitergeführt, insbesondere bei den Industrie- und Gewerbekunden in der Strom- und Gassparte.
Absätze gehen deutlich zurück
In der Folge sind die Umsätze planmäßig deutlich zurückgegangen auf 197,5 Mio. Euro (Vorjahr: 230,9 Mio. Euro). Auch die Stromabgabe ging deutlich von 832 Mio. kWh im Vorjahr auf nunmehr 592 Mio. kWh zurück. Auch die Gasabgabe war mit 1,25 Mrd. kWh (Vorjahr: 1,52 Mrd. kWh) deutlich rückläufig. Der Jahresüberschuss konnte hingegen leicht gesteigert werden auf 3,0 Mio. Euro (Vorjahr: 2,8 Mio. Euro).
Weitere PV-Freiflächenprojekte
Seinen Erzeugungsanteil von Photovoltaikanlagen will das Unternehmen durch weitere Freiflächenprojekte erhöhen. In Erbach-Lauerbach soll künftig ein Solarpark mit ca. 1.235 kWp rechnerisch rund 400 Haushalte mit regenerativem Strom versorgen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2020 geplant. Darüber hinaus ist ein weiterer Ausbau des Projekts „Am Burggut Nord“ in Heppenheim um weitere rund 720 kWp für September 2020 vorgesehen.
Beim Windparkprojekt Gahrenberg ist die technische Planung mit zehn Anlagen abgeschlossen. Dieses Projekt wartet aktuell auf die Grundsatzentscheidung der zuständigen Ministerien respektive Behörden.
Corona-Krise hinterlässt Spuren
"Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ertragslage können derzeit noch nicht vollends abgeschätzt werden. Wir erwarten aber, dass aufgrund des krisenbedingten Rückgangs des Stromabsatzes unserer Industrie- und Gewerbekunden sowie wegen der zwischenzeitlichen Schließung unserer Bäder die Corona-Krise auch bei der GGEW im operativen Geschäft in den Ergebnissen 2020 und eventuell 2021 Auswirkungen hinterlassen wird", prognostizierte Carsten Hoffmann.
Glasfaserausbau geht weiter
Das geplante Investitionsvolumen für 2020 in die Versorgungsanlagen beträgt 18,3 Mio. Euro. Auf die gesamten Strom-, Gas-, Wärme- und Wassernetze entfallen rund 8,0 Mio. Euro zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit. Weiterhin beabsichtigt die GGEW AG, rund 4,2 Mio. Euro in den Ausbau der Glasfasernetze zu investieren. (hoe)
