Mit Spannung wartet die Branche auf den kommenden Montag. Dann will die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission ein Konzept zur geplanten Gaspreisbremse vorstellen. Mit welchen Kosten und prozessualem Aufwand deren Einführung verbunden sein wird, ist offen.
„Wir erwarten bei der Gaspreisbremse eine schnelle, pragmatische und vor allem unbürokratische Lösung, um den organisatorischen Aufwand so gering wie möglich zu halten“, schreibt Thomas Kästner, Geschäftsführer der Stadtwerke Schweinfurt auf ZfK-Anfrage.
Die prozessualen Herausforderungen und Kosten hielten sich dann im überschaubaren Rahmen, wenn die Möglichkeit eines „pragmatischen“ Vorgehens bestehe. Das bedeute, wenn „wir Preisanpassungen rückwirkend korrigieren respektive rückabwickeln können". Dies würde beispielsweise eine weitere gesonderte briefliche Information und amtliche Veröffentlichung unnötig machen, die mit nicht unerheblichen organisatorischen sowie finanziellen Aufwendungen verbunden wäre.
"Bei regulärer Preisänderung wären die Kosten erheblich"
„Sollten wir hingegen eine reguläre Preisänderung durchführen müssen, ist mit erheblichem Arbeitsaufwand und Kosten zu rechnen“, prognostiziert Kästner. Die größte Herausforderung und Unwägbarkeit bestehe aktuell darin, wie mit bereits erhöhten Abschlägen verfahren werden könne.
Sollte angesichts der aktuellen Ausnahmesituation die übliche Sechs-Wochen-Frist, innerhalb derer eine Preisanpassung im Voraus kommuniziert werden muss, ausgesetzt bzw. angepasst werden, sehe man eine Umsetzung zum 1. Januar 2023 als denkbar und machbar an. Auch hier sei man aber letztlich auf konkrete Vorgaben des Gesetzgebers angewiesen.
"Einige Kunden sind verärgert und überfordert"
Aufgrund der sich ständig ändernden politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie einer Berichterstattung mit teilweise widersprüchlichen Einordnungen stelle man in Schweinfurt eine deutliche Verunsicherung der Kunden fest. Einige zeigten sich „nachvollziehbarerweise auch verärgert und überfordert“. Das Beratungsaufkommen habe sich stark erhöht. Die meisten Kunden erwarteten aktuell ein Absinken des Abschlags oder der Kosten. Die zahlreichen Unbekannten und Unvorhersehbarkeiten gestalteten die Kundenkommunikation allerdings äußerst herausfordernd, da Prognosen oder eindeutige Handlungsanweisungen kaum mit Sicherheit gegeben werden könnten.
Normalerweise wird in der Branche einmal im Jahr im Jahr ein Preisanpassungsschreiben versandt. In diesem Jahr mussten viele Energieversorger, darunter auch die Stadtwerke Schweinfurt, bereits mehrfach Preisanpassungen mit allen damit verbundenen Prozessen durchführen. „Diese Aufgabe bindet sowohl Arbeitskraft und -zeit und macht eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit notwendig. Inzwischen hat sich hierbei eine gewisse Routine in den notwendigen Abläufen etabliert“, sagt Kästner.
"Richten Tagesgeschäft noch stärker an aktueller Situation am Energiemarkt aus"
Ergänzend zu diesen Weiterentwicklungen der internen kommunikativen und organisatorischen Prozesse habe man die Standardisierung der entsprechenden Dokumente sowie den Automatisierungsgrad in der Verarbeitung deutlich erhöht. Zudem richte man das Tagesgeschäft noch stärker an der aktuelle Situation an den Energiemärkten aus und priorisiere anstehende Aufgaben, um immer so zeitnah wie möglich auf Entwicklungen reagieren zu können.
EWE: "Wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen"
Auch bei EWE nimmt man eine deutlich spürbare Verunsicherung der Kunden im Kundenservice wahr. „Das hat mit der Komplexität der energiewirtschaftlichen und geopolitischen Zusammenhänge zu tun, aber auch mit den eng getakteten Veränderungen und Anpassungen sowie den wechselnden Entscheidungen der Bundesregierung bei der Gasumlage“, sagt ein EWE-Sprecher. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden Veränderungen gefühlt ab der Bekanntgabe in einer Pressekonferenz gelten. Die Kunden stellten vor allem Fragen zur Gasumlage, zur Mehrwertsteuersenkung und zu der allgemeinen Preisentwicklung. „Wir stoßen hier an unsere Kapazitätsgrenzen und werden hauptsächlich mit Fragen konfrontiert, deren Antwort die Politik zu liefern hat“, so der EWE-Sprecher.
Verluste aus Wegfall russischer Mengen liegen aktuell bei EWE bei 60 Mio. Euro
Die Abschaffung der Gasumlage wird aber unter anderem aufgrund grober handwerklicher Mängel in der Umsetzung und einer zu großen Komplexität auch von EWE befürwortet. „Dass die Bundesregierung die großen Gasimporteure nun direkt stützt, ist eine richtige Entscheidung“. Die Verluste, die EWE aus der Ersatzbeschaffung von weggefallenen Gasmengen aus Russland entstanden seien, werde das Unternehmen in voller Höhe selber tragen. Aktuell würden diese Verluste 60 Mio. Euro betragen. Das Unternehmen hatte ursprünglich 30 Mio. Euro aus der Gasumlage beantragt, die ja mittlerweile Geschichte ist. (hoe)



