Stefan Grützmacher, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Gasag und seit September 2018 bis voraussichtlich Sommer 2019 Interimschef bei den Stadtwerken Münster.

Stefan Grützmacher, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Gasag und seit September 2018 bis voraussichtlich Sommer 2019 Interimschef bei den Stadtwerken Münster.

Bild: © Stadtwerke Münster

Offenere Unternehmenskulturen und eine höhere Fehlertoleranz - das sind für den scheidenden Interimsgeschäftsführer der Stadtwerke Münster, Stefan Grützmacher, wesentliche Voraussetzungen bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. "Wir müssen mehr Flexibilität und eine Trial-und-Error-Kultur etablieren, weil wir ja gar nicht wissen, welches Geschäftsmodell fliegt und welches nicht", sagte der 54-Jährige im Interview mit den "Westfälischen Nachrichten". Das bestehende Energieversorgungsgeschäft als Basis gebe kommunalen Unternehmen ausreichend Zeit, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. "Die Veränderungen in unserem Geschäft sind planbarer als in anderen Industrien", so Grützmacher.

"SW Münster haben eine hohe Schlagkraft"

Die Stadtwerke Münster investieren beispielsweise in den Breitbandausbau und den Aufbau eines LoRaWAN-Funknetzes. Das Ziel ist dabei auch die Entwicklung von Smart-City-Anwendungen. "Ob das trägt, wird die Zukunft zeigen", erklärte der ehemalige Gasag-Chef. Den Stadtwerken Münster stellt er operativ ein gutes Zeugnis aus. "Das Unternehmen ist eigentlich kerngesund und hat eine hohe Schlagkraft", bekräftigte der kommunale Energiemanager. Grützmacher hatte im September vergangenen Jahres die Leitung des Kommunalversorgers übernommen, nachdem ein öffentlich ausgetragener Streit der damalige Führungsspitze das Unternehmen gelähmt hatte. In der Folge verließen sowohl der Kaufmännische als auch der Technische Geschäftsführer das Unternehmen.

"Es muss einen Vorsitzenden geben"

Aufgrund der Führungskrise habe er damals ein "aufgewühltes, stark verunsichertes Unternehmen" vorgefunden, so Grützmacher. Viele Projekte und Themen seien vorgearbeitet gewesen, seien aber im "Flaschenhals der widerstreitenden Geschäftsführer stecken geblieben". Die schwierige Konstellation sei auch durch strukturelle Faktoren begünstigt worden. Die ehemaligen Geschäftsführer waren gleichberechtigt, ebenso die Führungsorgane. "Es muss eigentlich einen Vorsitzenden geben. Sonst musst du dich darauf verlassen, dass das Miteinander der Menschen funktioniert." Auch für einzelne Geschäftsfelder habe es letztlich keine klaren Verantwortlichkeiten gegeben, in vielen Bereichen existierten zwei Zuständige.

Wie diese Struktur das Unternehmen gelähmt hat, verdeutlichen die Planungen zur Zukunft des Kraftwerkstandorts am Münsteraner Hafen. Hier geht es letztlich um die Frage eines Neubaus einer bestehenden GuD-Anlage oder deren Ertüchtigung. "Das ist zwei Jahre hier im Unternehmen diskutiert worden. Aber spätestens als bei den Geschäftsführern angekommen ist, ging es nicht weiter. Weil es das Projekt des einen war, war es für den anderen Teufelszeug", verdeutlichte Grützmacher. Die Entscheidung in Sachen Kraftwerk soll nun im Sommer kommenden Jahres fallen. Künftig wird es einen eindeutigen Vorsitz in der Unternehmensleitung geben, den der Geschäftsführer der Energiesparte einnimmt.

"Schnittstelle Politik/Verwaltung könnte besser sein"

Als "nicht einfach" bezeichnet der scheidende Stadtwerke-Chef zudem das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung in Münster. "Wir verstehen uns als Teil des Konzerns Stadt. Ich meine die Schnittstelle Politik/Verwaltung könnte besser sein", stellte er klar. Weiteren Handlungsbedarf sieht er aber auch bei den Stadtwerken. Dem künftigen Führungsduo Sebastian Jurczyk (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Frank Gäfgen legt er deshalb die Ausarbeitung einer Strategie für die nächsten zehn Jahre ans Herz. "Das ist ganzheitlich nie passiert. Es wurden immer nur Teilbereiche betrachtet wie erneuerbare Energien oder Breitband. Aber das muss in ein Gesamtkonzept hinein. (hoe)

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