Eine Stillegung des Kohleblocks des Heizkraftwerks München Nord der Stadtwerke München (SWM) bis Ende 2022 würde sowohl die Versorgungssicherheit mit Strom in Süddeutschland als auch die Fernwärmeversorgung in München gefährden. Eine Abschaltung in den nächsten drei Jahren ist deshalb nicht umsetzbar. Das ist das Fazit eines mit Spannung erwarteten Gutachtens des TÜV Süd, das nun dem Stadtrat vorliegt.
Warmer Standby-Betrieb?
Das Stadtparlament hatte im Juli in seinem Beschluss zum Kohleausstiegskonzept festgestellt, dass der Bürgerentscheid vom 5.11. 2017 zur Stilllegung der Anlage bis Ende 2022 nicht umsetzbar ist. Um den Bürgerwillen dennoch bestmöglich umzusetzen, sollte ein unabhängiges Gutachten klären, wie eine maximale Reduktion der CO2-Emissionen erreicht werden kann. Unter anderem sollte auch geprüft werden, ob der Block in einer Art Minimalbetrieb oder "warmem Standby-Betrieb" gefahren werden kann.
SWM sehen sich bestätigt
Die Stadtwerke München sehen sich durch die Ergebnisse der TÜV-Gutachter jetzt gleich in mehreren Punkten bestätigt, wie sie auf ZfK-Anfrage mitteilen. So sei nochmals bekräftigt worden, dass die Bundesnetzagentur eine Abschaltung Ende 2022 aufgrund der Systemrelevanz des Kohleblocks für die Stromversorgung in Süddeutschland untersagen würde. Zudem hätten auch die SWM bereits eine Versorgungslücke bei der Fernwärme prognostiziert gehabt.
TÜV empfiehlt optimierte Fahrweise bis 2028
Auch die letztlich vom TÜV Süd empfohlene Fahrweise des Kohleblocks mit dem geringstmöglichen CO2-Ausstoß entspricht im Wesentlichen dem von den SWM im Juli im Stadtrat vorgeschlagenen Konzept. Dieses sieht einen reduzierten Betrieb bis 2028 mit einer Auslastung des Kraftwerksblocks von 60 Prozent in der Heizperiode vor. In den Sommermonaten stünde die Anlage zwölf Monate still, in den Übergangsmonaten soll die Auslastung auf rund 24 Prozent reduziert werden. Mit dieser Fahrweise könnten laut TÜV Süd 14,5 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden, gleichzeitig führt dies zu Mindereinnahmen bei den SWM in Höhe von 343 Mio. Euro.
Mehrere Szenarien
Laut SWM wurden im Gutachten noch weitere Szenarien betrachtet. Die Entscheidung, welches der Szenarien umgesetzt werden soll, liege nun beim Stadtrat. Mit den EInschätzungen des TÜV-Süd wird sich bereits am kommenden Dienstag (16. Oktober) der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats befassen. Laut "Süddeutscher Zeitung (SZ)" ist es wahrscheinlich, dass die Stadtratsdebatte zu dem Thema aber in den November verschoben wird.
ÖDP-Chef kündigt Widerstand an
Die Initiatoren des Bürgerentscheids ziehen wesentliche Aussagen des neuen Gutachtens in Zweifel und wollen einige Ergebnisse nochmals unabhängig prüfen lassen. "Das Ergebnis überrascht mich nicht. Falsche Fragen führen zu entsprechenden Antworten", wird Münchens ÖDP-Chef Thomas Prudlo in der "SZ" zitiert. Vor allem über die Frage, ob die Fernwärmeversorgung auch ohne Kohleblock gesichert ist, gehen die Einschätzungen auseinander.
Unterschiedliche Berechnungen zur Fernwärme
Die Organisatoren des Bürgerentscheids haben ausgerechnet, dass auch nach Abschaltung des Kohleblocks noch ein kleiner Puffer von 35 MW thermischer Energie vorhanden sei. Die TÜV-Gutachter kommen zu einem anderen Schluss: Sie haben eine Versorgungslücke von 339 bis 520 MW errechnet. Auch eine Überführung der Anlage in die Netzreserve ist laut Gutachten keine valable Option. Die Hoheit für den Kraftwerksblock läge dann bei der Bundesnetzagentur und damit stünde dieser nicht mehr uneingeschränkt für die Wärmeproduktion zur Verfügung. (hoe)
