Die Frankfurter Mainova hat im Geschäftsjahr 2023 mehr Gewinn erwirtschaftet. Obwohl die Nachfrage nach Strom und vor allem Gas gesunken ist. Der Vorstandsvorsitzende Michael Maxelon führte dies anlässlich der Bilanzpräsentation am 25. April auch auf ein "breit gefächertes Geschäftsportfolio" seines Unternehmens zurück.
Dadurch habe die Mainova "Marktchancen" nutzen und die spürbaren Folgen der Energiekrise auffangen können, erklärte Maxelon. Demnach erzielte der Kommunalversorger im vergangenen Jahr ein bereinigtes Ergebnis vor Ertragsteuern in Höhe von 148,2 Millionen (Mio.) Euro. 2022 waren es noch 125,4 Mio. Euro.
Gasgeschäft eingebrochen
Obwohl sich etwa das Ergebnis der Gasversorgung gegenüber dem Jahr davor deutlich um minus 29,3 Mio. Euro auf nur 2 Mio. Euro verringerte. Auch das Stromergebnis lag um immerhin 2,6 Mio. Euro niedriger bei 39,3 Mio. Euro. Das Segment Erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen lag bei 8,8 Mio. Euro – ein Minus von 24,1 Mio. Euro.
Vor allem zwei Effekte waren für das unter dem Strich dennoch positive Ergebnis maßgeblich: die laut Uwe Kettner, Prokurist und interimsweise Vorstandsmitglied, "hohen Marktpreise an der Börse". Zudem erzielte die Mainova höhere Ergebnisse in anderen Segmenten. Allein Erzeugung und Fernwärme legten um plus 43,4 Mio. auf 48,8 Mio. Euro zu.
Ebit wieder schwarz
Wieder in der Gewinnzone ist darüber hinaus das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), wie der Geschäftsbericht zeigt. Nach einem Minus von 284,2 Mio. Euro im Jahr davor, betrug das Ebit 2023 plus 208,7 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse gingen dagegen stark zurück. Von 7,2 Milliarden (Mrd.) Euro 2022 sanken sie auf jetzt 4,6 Mrd. Euro.
Steigende Investitionen
Zugleich steht die Mainova wie die meisten Versorger vor großen Aufgaben mit einem hohen Investitionsbedarf – Stichwort Wärmewende: Der Fernwärmeanteil von heute 25 Prozent solle deutlich wachsen. Finanzieren will sie das unter anderem durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1 Mrd. Euro. Der hatten die Aktionäre im August 2023 zugestimmt.
2022 lag die Investitionssumme bei 340 Mio. Euro. Ein Jahr später bereits bei 488 Mio. Euro. Nun soll nochmals deutlich mehr Geld investiert werden. Bis einschließlich 2028 sollen mindestens 500 Mio. Euro jährlich in Erzeugungsanlagen, Technologien und Netze fließen. Bis 2040 will die Mainova klimaneutral sein.
Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet stünden vor großen Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende, betonte Maxelon weiter. Der erst seit dem 1. April amtierende Vorstandschef verwies auf den hohen Strombedarf der verbreiteten Rechenzentren sowie die Zunahme von E-Autos oder Wärmepumpen in der Region.
Stromnetz soll wachsen
Geplant ist beispielsweise, die Leistung des Stromnetzes in den nächsten Jahren um die Hälfte zu erweitern. Auf die ZfK-Nachfrage, ob das angesichts des steigenden Bedarfs ausreiche, unterstrich Maxelon, der Netzausbau werde sehr ernst genommen. Die geplante Erweiterung um 50 Prozent entspreche dem Bedarf der Stadt Hannover.
Dass – wie in Oranienburg – keine Netzanschlüsse mehr durchgeführt werden, bezeichnete er als Einzelfall. Dennoch könne weder die Mainova noch ein anderer Versorger punktuell auftretende Verzögerungen etwa in bestimmten Straßen mit vielen Photovoltaikanlagen vollständig ausschließen.
Für 2024 erwartet die Mainova ein bereinigtes Ergebnis vor Ertragsteuern "in etwa auf dem Niveau des Vorjahres". Vorständin Diana Rauhut kündigte darüber hinaus an, die sinkenden Großhandelspreise an die Endkundinnen und -kunden weiterzugeben. Aufgrund der langfristigen Beschaffungsstrategie erfolge das zeitversetzt. (dz)



