Weniger Besucher wegen der Corona-Pandemie, viel mehr Aufwand wegen Kontrollen und Hygienekonzepten und stark steigende Energiepreise: Die Hallenbäder in Hessen stehen im zweiten Jahr der Pandemie vor großen Herausforderungen. «Es sind alle nicht wirklich begeistert und wünschen sich ein Ende der Pandemie», sagte die Vorsitzende des hessischen Landesverbandes der Deutschen Schwimmmeister, Michaela Fisseler-Weinrich, der Deutschen Presse-Agentur über die nach ihren Angaben rund 100 reinen Hallenbäder im Land.
Die nicht kommunal unterstützen Bäder seien sicher schlechter dran, vermutet Fisseler-Weinrich. Zunächst sei man aber erstmal froh, dass man die Bäder öffnen darf. Bäderbetriebe in großen Städten ziehen teils eine gemischte Bilanz angesichts der Probleme. Weniger Gäste gibt es aber fast überall.
Wenig Corona-Risiko beim Schwimmen
In Frankfurt sind sechs Hallenbäder offen. «Wir haben zum Glück nach wie vor die Schwimmbäder geöffnet, das ist ja nicht überall in der Republik so», sagte Boris Zielinski, Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe. Der Aufwand sei aber schon enorm. So kämen zu den Hygienemaßnahmen nun auch die 2G-Kontrollen hinzu. Aber es sei wichtig, den Menschen solch ein Sport- und Freizeitangebot zu machen, gerade in einer Zeit, in der vieles geschlossen sei.
Die Besucherzahlen sind laut Zielinski geringer als in Vor-Corona-Zeiten, aber immer noch recht gut. «Die Leute haben erkannt, dass das kein Ort des Risikos ist. Das reine Schwimmen ist ja auch ein Individualsport.» Problematisch seien die enormen Energiepreise. «Die gestiegenen Betriebskosten werden unsere Kosten deutlich erhöhen.» Es sei aber nicht geplant, deshalb die Eintrittsgelder anzugleichen.
Sehr unterschiedliche Besucherzahlen
Auch die Hallenbädern der Stadt Kassel verzeichnen eine geringere Besucherzahl, die mit einem spürbar geringeren Energiebedarf einhergehe. «Hinzu kommt, dass die Bäder den Strom von den Städtischen Werken beziehen, also von sich selbst», erläuterte Pressesprecher Ingo Pijanka. Der Versorger beschaffe den absehbaren Bedarf bis zu drei Jahre im Voraus und könne dadurch Preisextreme deutlich glätten.
In den drei Hallenbädern in Darmstadt konnte das Nordbad mit seiner großen Wasserfläche die Besucherzahlen trotz Pandemie im Vergleich zu 2019 sogar steigern. Die Schwimmbäder in Gießen verzeichnen indes im Vergleich zu den Zeiten vor der Pandemie «drastische Rückgänge». «Die Besucher sind generell vorsichtig und wir bemerken aufgrund der Nachrichtenlage eine steigende Unsicherheit», erläuterte ein Sprecher. «Das führt dazu, dass die aufgrund der Einschränkungen vorgegebenen maximalen Besucherzahlen meistens nicht erreicht werden.»
Keine Gegenfinanzierung
Ein Problem sind die steigenden Energiekosten: Diese belasteten den Bäderbetrieb zusätzlich, da ein hoher Aufwand betrieben werde, um die Wasser- und Raumtemperatur für die Gäste angenehm zu gestalten. «Durch die geringere Besucherzahl steigen die Kosten pro Besucher sehr stark an, was wir nicht über die Eintrittspreise gegenfinanzieren können.» (dpa/hp)
