Gute Geschäfte im Energiehandel und bei der Stromerzeugung aus Braunkohle und Kernenergie haben dem Energiekonzern RWE in den ersten drei Quartalen höhere Gewinne beschert. Trotz eines wetterbedingten Verlustes von 400 Mio. Euro im Frühjahr in Texas konnte das Unternehmen bis Ende September über eine Milliarde Euro Reingewinn verbuchen - 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. RWE bestätigte seine Prognosen für das Gesamtjahr 2021. Demnach soll der bereinigte Nettogewinn zwischen 1,05 und 1,4 Milliarden Euro liegen. Weiterhin werde eine Dividende von 90 Cent je RWE-Aktie angestrebt, teilte die RWE AG am Donnerstag in Essen mit.
Im Kerngeschäft, zu dem RWE die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Gas sowie den Energiehandel zählt, ging das Ergebnis allerdings etwas zurück. Laut RWE ist hier vor allem das Extremwetter in Texas zu Jahresanfang verantwortlich. Eine außergewöhnliche Kältewelle hatte im Februar dafür gesorgt, dass einige RWE-Windparks in Texas für mehrere Tage außer Betrieb waren. Die Stromerzeugung für diesen Zeitraum hatte RWE allerdings schon verkauft. Um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen, musste das Unternehmen teuren Strom zukaufen.
Fast vier Gigawatt Windkraft- und Solaranlagen im Bau
Der Konzern profitierte unterdessen von einer verbesserten Marge in der Erzeugung von Strom aus Kohle und Kernenergie. Dieses Segment zählt nicht zum Kerngeschäft von RWE und machte in den ersten neun Monaten rund 30 Prozent des operativen Ergebnisses aus.
Die Errichtung neuer Windkraft- und Solaranlagen kommt laut RWE zügig voran. Derzeit seien 3,8 Gigawatt an Windkraft- und Solaranlagen sowie Speicher im Bau, sagte RWE-Finanzvorstand Michael Müller. Er bekräftigte das Ziel, die Kapazität von aktuell 9,5 Gigawatt auf mehr als 13 Gigawatt bis Ende 2022 auszubauen.
Kohleausstieg: Für Spekulationen noch zu früh
Finanzchef Michael Müller wollte sich in einer Telefonkonferenz mit Analysten nicht zu den Auswirkungen eines möglichen früheren Kohleausstiegs äußern, wie in den vergangenen Wochen immer wieder in der Politik diskutiert wurde. Man müsse die weitere Entwicklung abwarten, dann werde es Gespräche geben, sagte er. Es sei noch zu früh für Spekulationen.
Unter anderem hatte NRW-Regierungschef Hendrik Wüst gesagt, dass sein Bundesland zu einem Ausstieg aus der Kohle auch schon 2030 bereit sei. Er wolle "alles dafür tun, dass uns das gelingt". Der bisher geltende Kohlekompromiss sieht einen Ausstieg erst bis zum Jahr 2038 vor.
Erwartungen "durch die Bank übertroffen"
Aus Sicht von Jefferies-Analyst Ahmed Farman hat der Konzern die Erwartungen im dritten Quartal "durch die Bank übertroffen". Das zeigte sich auch im Aktienkurs. Zum Handelsstart legten die Papiere bis zu knapp drei Prozent zu. Das Niveau konnte die Aktie aber nicht lange halten, der Kurs rutschte zwischenzeitlich ins Minus. Zuletzt stand er mit 0,82 Prozent im Plus bei 32,33 Euro.
Der RWE-Kurs bewegt sich seit einiger Zeit in einer Spanne zwischen 30 und 35 Euro, nachdem er im Januar noch auf ein Mehrjahreshoch von 38,65 Euro geklettert war. Mit einem Kursverlust von knapp sieben Prozent seit Ende 2020 zählt die Aktie im bisherigen Jahresverlauf zu den größten Verlierern im Dax, der seitdem rund 17 Prozent zugelegt hat. 2020 hatte das Papier mit einem Plus von 26 Prozent den Leitindex und die meisten anderen Standardwerte übertroffen.
Kapitalmarkt-Tag an diesem Montag im Blick
Für John Musk von der kanadischen Bank RBC steht nun der Kapitalmarkt-Tag des Konzerns im Blick. Diesen will RWE an diesem Montag (15. November) abhalten und weitere Details zur neuen Strategie vorlegen. Experten erwarten die Bekanntgabe längerfristiger Finanzziele sowie Prognosen für das Wachstum der Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien.
Adam Dickens von der britischen Investmentbank HSBC sieht den Kapitalmarkttag als Gelegenheit für das RWE-Management, eine Wachstumsstory basierend auf finanzieller Stärke und Disziplin aufzuzeigen. Dies könnte seiner Meinung nach auch die Stimmung gegenüber der Aktie aufhellen. (dpa/hil)
