Die Umsetzung einer klaren und konsequenten Digitalisierungsstrategie war eine der zentralen Maßnahmen in der fast sechs Jahre dauernden Amtszeit von Heike Heim als Sprecherin der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21). „Der digitale Reifegrad unseres Unternehmens hat sich in allen Bereichen deutlich verbessert und die Anzahl an IT-Projekten und Digitalisierungsvorhaben ist weiterhin groß. Wir sprechen von rund 100 IT-Projekten pro Jahr“, bilanzierte Heim auf Anfrage der ZfK.
Ab heute übernimmt die bekannte Energiemanagerin den Vorstandsvorsitz beim Mutterkonzern der DEW21, der Dortmunder Stadtwerke AG. Den Vorsitz der Geschäftsführung der DEW21 wird interimistisch der technische Geschäftsführer Peter Flosbach übernehmen, der ehemalige Gasag-Chef Gerhard Holtmeier übernimmt für eine Übergangszeit die kaufmännische Geschäftsführung bei dem Energieversorger.
Eines der ressourcenintensivsten Großprojekte sei verursacht durch das SAP-End-of-life-Szenario, wovon bis Ende 2027 alle SAP-Systeme und die durch Schnittstellen angebundenen Systeme bei DEW21 betroffen seien.
Wir haben entsprechende Fähigkeiten im Sinne von Cloud- und Enterprise-Architekt*innen aufgebaut.
„Bei der Ablösung setzt DEW21 auf Standard- statt Individuallösungen. So wird entweder mit einem Template-Ansatz im SAP ein neuer Standard geschaffen oder es werden bereits standardisierte Cloudlösungen genutzt“, erklärte die scheidende DEW21-Chefin.
Wichtig sei, dass diese zu den Architekturvorgaben des Unternehmens passten und sich somit effizient integrieren ließen. Entsprechende Fähigkeiten im Sinne von Cloud- und Enterprise-Architekt*innen haben man im Unternehmen aufgebaut. Ein Beispiel ist die zukünftige Nutzung der Powercloud als SaaS-Lösung (Software as a Service) für die Vertriebs-, Abwicklungs- und Abrechnungsprozesse, wodurch das SAP-IS-U Lieferantensystem abgelöst werde.
Auf Seiten des VNB erfolgt die Ablösung bis Ende Q3 2023 über ein fertiges Template auf SAP-HANA. Gerade wurde nach über zwei Jahren intensiver Projektarbeit der erfolgreiche Go-Live des SAP4Finance gemeinsam von DSW21 und DEW21 erreicht.
Wir haben eine optimierte Steuerung des Projektportfolios und ein Enterprise Architektur Management eingeführt.
„Um den zahlreichen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir ein Demand Management, eine optimierte Steuerung des Projektportfolios und ein Enterprise Architektur Management eingeführt und aufgebaut“, so Heim weiter.
Letzteres helfe insbesondere dabei, die Systemlandschaft mit all ihren Schnittstellen zwischen den Systemen gezielter und effizienter zu bespielen, doppelte Arbeiten zu verhindern und die Systeme miteinander zu verbinden. D
Das bringe vor allem Geschwindigkeit in die Projektumsetzung und senkt die Kosten.
Auch DEW21 plant die Einführung der Powercloud
Vorreiter in Sachen Einsatz neuer IT-Lösungen sei für die DEW21 weiterhin die digitale Vertriebstochter Stadtenergie. DEW21 werde ebenfalls die Powercloud einführen und könne dabei auf den Erfahrungen der Stadtenergie aufsetzen.
Digitale Vertriebstochter Stadtenergie "wächst planmäßig"
Die Energiekrise sei für das junge, schnell wachsende Unternehmen mit Start-up-Charakter eine echte Bewährungsprobe gewesen, die man erfolgreich gemeistert habe. Die Stadtenergie wachse planmäßig im Umsatz und habe das Geschäftsjahr 2022 mit einem knapp 2 Mio. Euro über Plan liegenden Ergebnis abschließen können.
Zum Jahresabschluss 2022 habe das Tochterunternehmen einen mittleren fünfstelligen Kund*innenbestand verzeichnet. „In der Krise hat sich gezeigt, wie wertvoll der digitale Geschäftsaufbau ist, da er Reaktionen auf Marktentwicklungen mit hoher Flexibilität und kurzer Umsetzungsdauer ermöglicht“, versichert Heim.
Erschließung neuer Einnahmequellen ist Pflicht
Dank „einem leistungsstarken Team einer soliden Unternehmensstrategie“ sieht sie DEW21 auch für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Durch die beiden Megatrends Elektrifizierung und Dekarbonisierung sowie den damit einhergehenden Veränderungen in der Energieerzeugung und dem -verbrauch über alle Kund*innengruppen hinweg, breche das bestehende Geschäftsmodell der Stadtwerke in den kommenden 15 Jahren zur Hälfte weg.
Die Branche müsse deshalb neue Umsatzquellen erschließen und in neue Technologien sowie Fähigkeiten investieren, um in einem dezentralen und elektrifizierten Energiesystem der Zukunft eine Rolle zu spielen.
"Vom Anlagen- und Infrastrukturbetreiber zum Kund*innendienstleister"
„Darüber hinaus wird bis 2030 die die EE-Kapazität mehr als doppelt so hoch sein wie die aktuelle Spitzenlast“. Das Management von Kund*innen-Assets, kund*innenscharfe Lastgangprognosen sowie die Steuerung von (Be-)Lieferung werden als zukünftige Dienstleistungen eine Stadtwerks essenziell sein.
Der Trend gehe weg von der verkauften KWh zur „managed KWh“. Energieversorger müssen sich im Bereich der Wärme- und der Stromerzeugung vom Anlagen- und Infrastrukturbetreiber zum Kund*innendienstleister entwickeln.
„Nach fast sechs Jahren als Vorsitzende der DEW21-Geschäftsführung ziehe ich eine positive Bilanz und bin stolz auf das, was wir als Mannschaft in den letzten sechs Jahren erreicht haben“, resümierte Heim.
"Gezielt in Nachhaltigkeit und neue Technologien investiert"
Die vergangenen drei Krisenjahre habe sie als beispiellos in ihrer Zeit in der Energiewirtschaft wahrgenommen. „Bei dem erfolgreichen Krisenmanagement hat uns geholfen, dass wir mit der klaren strategischen Ausrichtung in der Vergangenheit wichtige Weichen für die Zukunft gestellt und gezielt in Nachhaltigkeit, digitale Fähigkeiten und neue Technologien investiert haben“.
Auch die Wärme- und Energiewende haben man unter anderem durch die Nutzung industrieller Abwärme im Innenstadtbereich erfolgreich vorangetrieben.
"Gemeinsam mit der gesamten Mannschaft haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte und Initiativen erfolgreich umgesetzt und uns als Unternehmen weiterentwickelt, neue Geschäftsfelder erschlossen und neue Tochterunternehmen gegründet".
"Vision des nachhaltigen Lebensversorgers"
So habe man im Herbst 2019 mit der DOdata GmbH einen DataHub und Dienstleister für die zukünftige SmartCity Dortmund gegründet. Darüber hinaus dürfe DEW21 die Stadt Dortmund in beratender Funktion bei der Erstellung des Energienutzungsplans (ENP) unterstützen und könne so die Energiezukunft Dortmunds aktiv mitgestalten.
Der ENP sei auch ein wichtiges Instrument für die Erreichung der Klimaneutralität. Sowohl die Stadt Dortmund als auch DEW21 möchten dieses Ziel bereits 2035 erreichen. Um klimaneutral zu werden, müssen Nachhaltigkeit und Digitalisierung bzw. Datensouveränität gleichermaßen berücksichtigt werden.
"Fähigkeitsorientierung hilft bei der Transformation hin zu einer digitalen Organisation"
„Wir als DEW21 haben uns mit der Vision des „nachhaltigen Lebensversorgers“ genau diese Aspekte als Kernfähigkeiten zum Ziel gesetzt". Denn über die digitale Organisation könnten positive Effekte der Digitalisierung kurz- aber auch mittelfristig gehoben werden.
Sie sei überzeugt davon, dass eine Fähigkeitsorientierung bei der Transformation zu einer digitalen Organisation helfe. Denn wenn datenbasierte Erkenntnisse in Unternehmensentscheidungen einbezogen würden, erhielten Entscheidungsträger*innen eine fundiertere Basis.
Ohne die notwendigen Fähigkeiten, wie Data Science, Data Engineering sowie die Echtzeit-Verfügbarkeit von Daten, seien diese datenbasierten Erkenntnisse allerdings kaum zu heben. Daher verfolge DEW21 den Ansatz, die Organisation und ihre Mitarbeiter*innen fähigkeitsorientiert zu entwickeln. (hoe)
