Energieeffizienz und Nachhaltigkeit boomen, viele Energieversorger bauen deshalb das Geschäft mit Energiedienstleistungen aus. Der Umfang der Nachfrage ist dabei nicht der limitierende Faktor. „Der Fachkräftemangel ist aktuell das viel größere Thema“, erklärte Barbara Wittenberg, CTO, beim auf Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen spezialisierten Start-up „1Komma5 Grad“ am letzten Tag der Handelsblatt-Tagung Energie.
Genug Platz und Chancen im Markt sieht sie aktuell für jedes Unternehmen, mit einem entsprechenden Vertriebsansatz und einer Spezialisierung. Ein jeder habe da seinen eigenen Sweet Spot. Sprich, jeder könne sein Angebot so ausgestalten, dass er damit bestimmte Kundenbedürfnisse exklusiv bediene. „Bei uns sind das aktuell vor allem Installationslösungen“.
„Es gibt 40 Millionen Haushalte, die die Energiewende mitgestalten wollen. Dass sich die Plattformen dabei im Leistungsspektrum unterscheiden, ist Absicht im neuen Markt“, pflichtete Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand bei. Der Kommunalversorger aus Freiburg arbeitet aktuell an einer eigenen Plattform für Energiedienstleistungen für die Energiewende vor Ort.
Badenova-Chef: "Wir sind nicht die, die die Solarpanels installieren"
„Wir sind nah am Kunden, genießen vor Ort viel Vertrauen. Wir sind aber idealerweise nicht die, die Solarpanels und Wärmepumpen installieren“, so Hellebrand. Hier arbeite man deshalb mit dem lokalen Handwerk zusammen.
Derartige Plattformlösungen könnten auch von anderen Stadtwerken und Energieversorgern genutzt werden. So ließen sich innerhalb der Branche Synergien heben und Strukturen schaffen, bei denen aus einer Produktentwicklung eine Lösung für einen Teil der gesamten Branche werden könne.
Hellebrand zeigt sich offen für Kooperationen
„In Plattform-Modellen muss man partnerschaftlich denken und diskutieren, wer welche Kompetenz hat. Dann können solche Ansätze greifen“, erklärte Hellebrandd. Auch eine Kooperation mit einem „Fulfilmentpartner“ wie 1Komma5 Grad halte er deshalb für möglich.
Zum Portfolio des Hamburger Start-ups gehört auch der smarte Energiemanager „Heartbeat“, der einzelne Technologien miteinander vernetzt. „In Deutschland können wir das noch gar nicht richtig nutzen, in Schweden gibt es hingegen bereits dynamische Tarife. Dort sieht das anders aus“, bekräftigte Barbara Wittenberg. Wenn man Verbrauchsdaten stärker nutzen könne, sei das ein ganz anderer Markt.
"Da können noch viele Flexibilitäten gehoben werden"
Der Preis sei in Schweden ein großer Anreiz für den Kunden, sich für ein solches Tarifmodell zu entscheiden. „Aber er will sich nicht drum kümmern müssen. Es soll funktionieren, ohne dass er es merkt“.
Entsprechende Preissignale seien sicherlich wichtig, ergänzte Hans-Martin Hellebrand. Bei der netzorientierten Steuerung auf Basis des Paragraphen 14 a des Energiewirtschaftsgesetzes müsse noch viel passieren. „Da können noch viele Flexibilitäten gehoben werden.“ Die Vorbereitungen hierzu liefen an ganz vielen Stellen. Wichtig sei es hier einfach auch Dinge weiter voranzubringen und nicht immer auf die nächste Gesetzgebung zu warten. (hoe)



