"Wir können jetzt mit LoRAWAN sehr einfach unsere Anlagen überwachen": Erik Höhne ist seit 2016 Vorstandssprecher der Enervie-Gruppe.

"Wir können jetzt mit LoRAWAN sehr einfach unsere Anlagen überwachen": Erik Höhne ist seit 2016 Vorstandssprecher der Enervie-Gruppe.

Bild: © Enervie

Herr Höhne, Enervie besetzt verschiedene Wachstumsfelder und geht auch im Vertrieb neue Wege. Ein Beispiel ist der digitale Tarif in Kooperation mit Fresh Energy. Wie hat sich das Angebot entwickelt?

Höhne: Innovative Tarife sind Teil unserer Strategie.  Wir waren die ersten, die mit Fresh Energy, das Produkt Digitalstrom aufgelegt haben und haben wahrscheinlich bundesweit die meisten Kunden in diesem Produkt. Aktuell sind es rund 2500. Wir halten das Produkt nach wie vor für extrem clever.

Wie bewerten Sie, dass Fresh Energy vor einigen Monaten von EWE übernommen wurde?

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. EWE ist nach uns in dieses Produkt eingestiegen und hat das Potenzial auch erkannt. EWE ist ein innovatives Unternehmen und wird da viel frischen Wind und viel von der Kundensicht einbringen. Insofern bin ich froh, dass diese Lösung für Fresh Energy gefunden wurde.

"Werden mit EWE weitere Mehrwerte entwickeln"

Wie groß ist das vertriebliche Potenzial des digitalen Tarifs?

Das Angebot hilft, sich bei der austauschbaren Commodity Strom vom Wettbewerb zu differenzieren. Wir machen es nicht, wie die Discounter über den Preis, sondern wir wollen das Produkt Strom mit einer hohen Kundenbindung, mit viel Mehrwert hier in der Region aufladen. Insofern war der Schritt mit Fresh Energy nur konsequent. Es wird eine ganze Reihe Kunden geben, die hohes Interesse an so einem Produkt haben.

Da geht es darum, dass  die Zuordnung der einzelnen Verbraucher ohne weitere Untermessung funktioniert. Da kann man sich Benchmarks vorstellen, etwa wie günstig der Kühlschrank ist oder, ob ich durch den Austausch sparen kann. Wir gehendavon aus, dass wir hier in nächster Zeit auch zusammen mit EWE weitere Mehrwerte entwickeln können, weil das Produkt Informationen bereitstellt, die wir in einer Vielzahl weiterer Produkte nutzen können.

Wie ist das Thema Innovation organisatorisch bei Ihnen im Haus verankert, wie gehen Sie diese an?

Nach der Restrukturierung befinden wir uns hier in einem Prozess des Neuaufbaus. Wir haben ein Innovationsradar. Dort beschäftigen wir uns mit neuen Entwicklungen und bewerten diese mit Blick auf Enervie. Wir wollen hier noch mehr Schlagkraft gewinnen. Ich habe keine Sorge, dass große Innovationen komplett an uns vorbeigehen. Die zentrale Frage ist  aber, wie schnell sind wir mit einem Produkt wirklich marktreif. Hier wollen wir in der Time to Market besser werden, die Produktentwicklung dauert bei uns noch zu lange.

"LoRAWAN ist ein Effizienz- und ein Wachstumsthema"

Enervie hat ja in seinem Netzgebiet mittlerweile eine komplett ausgebaute LoRAWAN-Infrastruktur. Wie bewerten Sie hier künftige Innovations- und Geschäftspotenziale?

Höhne: LoRAWAN ist einerseits ein großes Effizienzthema nach innen für die eigenen Prozesse und zum anderen ein Wachstumsthema für Themen rund um die Smart City.

Wo setzen Sie LoRAWAN konkret ein?

Wir haben in der Vergangenheit oft unberechtigte Zutritte auf unsere Anlagen nicht mitbekommen, weil diese nicht alarmgesichert sind. Das können wir jetzt mit LoRAWAN sehr einfach überwachen. Das ist wesentlich günstiger als überall komplette Überwachungssysteme zu installieren. Zum anderen haben wir an unseren Ortsnetzstationen Kurzschlussanzeiger eingebaut, deren Werte über LoRAWAN übertragen werden. So können wir viel gezielter die einzelnen Stationen anfahren und Fehler einfacher entdecken. Das führt zu deutlich kürzeren Störungszeiten.

"Konkrete Einsatzfelder in der Industrie"

Und sehen Sie auch konkrete Anwendungsfelder in der Stadt oder bei anderen Branchen und Unternehmen?

Wir sehen sehr viele Anwendungsbeispiele. Da werden sich sicher einige sinnvolle Sachen durchsetzen. Wir besprechen das aktuell mit den Kommunen in unserer Region und glauben, dass wir das kurzfristig realisieren können. Es gibt viele relativ einfache Anwendungen, die nicht in einem Massenprodukt gipfeln müssen, wie zum Beispiel die Sauerstoffüberwachung in städtischen Gewässern. Auch bei der Industrie sehen wir einige konkrete Einsatzfelder, gerade bei der Überwachung und der Übermittlung von Messwerten in schwer zugänglichen Bereichen. Das wird kommen.

Und wie bewerten Sie das Potenzial mit Blick auf das Thema Smart City?

Das steht und fällt mit den greifbaren Anwendungsfeldern. Das Thema Smart City hat extremes Potenzial, etwa bei der Übertragung von Luftqualitätswerten. Die Anforderungen werden aber aus der Kommune kommen müssen. Dann haben wir mit  LoRAWAN ein sehr einfaches System. Konkrete Anwendungen werden sich dann umsetzen lassen, wenn klar ist, was der Bürger will.

(Die Fragen stelle Hans-Peter Hoeren)

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Ein ausführliches Porträt über die Enervie-Gruppe lesen Sie in der Februarausgabe der ZfK, die am Montag (8. Februar) erschienen ist. Zum Abo geht es hier. Im ersten Teil des Online-Interviews ging es um die erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens und den Geschäftsgang im Coronajahr 2020. Das Interview finden Sie hier.

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