Dank der stark gestiegenen Großhandelspreise für Strom hat der zum Verkauf stehende Steag-Konzern im ersten Halbjahr seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und den Gewinn vor Zinsen und Steuern verfünffacht auf 386,1 Mio. Euro. Der Konzernumsatz hat sich in dem Zeitraum mehr als verdoppelt auf 2,4 Mrd. Euro. Dazu hat insbesondere die Entwicklung der Kraftwerkssparte maßgeblich beigetragen.
Die Kraftwerke kamen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 11.500 Betriebsstunden. „Rund zwei Drittel davon entfielen auf unsere Kraftwerke im Ruhrgebiet mit den Standorten Duisburg-Walsum, Herne und Bergkamen“, so ein Steag- Sprecher. Die inländischen Kraftwerke, am Netz sind auch noch zwei Blöcke im saarländischen Völklingen-Fenne, verdienten seit September 2021 Geld.
„Wir liegen bei allen relevanten Kennzahlen deutlich über Plan und auch deutlich über den Werten des gesamten Vorjahres“, betonte Andreas Reichel, der Vorsitzende der Steag-Geschäftsführung. Auf eine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr verzichtete der Steinkohleverstromer aber.
Weiterbetrieb von vier Steinkohleblöcken bis zum Frühjahr 2024
Sicher ist aber, dass auch die mittelfristigen Perspektiven für die Steag gut sind. Das hängt mit dem kürzlich in Kraft getretenen Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG) zusammen. Mit diesem will die Bundesregierung die Abhängigkeit von russischen Energieimporten verringern und Erdgas in der Stromerzeugung durch Steinkohle ersetzen. Der Steag eröffnet nach eigenen Angaben die Aussicht auf den Weiterbetrieb von vier Steinkohleblöcken am Markt bis zum Frühjahr 2024.
„Steag wird in der aktuellen Energiekrise gebraucht“, so Reichel. Insgesamt seien insgesamt 2.300 Megawatt Kraftwerksleistung spätestens ab November einsatzbereit und am Markt verfügbar. „Kein anderer Kraftwerksbetreiber kann einen so hohen Beitrag zur Gesamtersparnis leisten“, sagte Reichel.
Weiher und Bexbach sollen ab November am Markt teilnehmen
Die Blöcke in Völklingen-Fenne und Bergkamen werden gemäß EKBG über das ursprünglich festgeschriebene Stilllegungsdatum weiterbetrieben. „In Fenne wird es aber wegen des Fehlens von hochqualifiziertem Personal ab November nicht mehr möglich sein, beide Blöcke gleichzeitig zu fahren“, erklärt der Steag-Sprecher. Ab dann gelte „Einblockbetrieb“.
Ab November sollen dann auch die in der Netzreserve befindlichen saarländischen Kraftwerke Weiher und Bexbach am Marktgeschehen teilnehmen.
Auch die Bilanz profitiert von der verbesserten operativen Performance der Steag. Die Nettofinanzverschuldung sank im ersten Halbjahr auf 303 Mio. Euro, Ende 2021 hatte sie noch rund 485 Mio. Euro betragen. „Unser Nettoverschuldungsgrad liegt deutlich unter eins, das ist ein grundsolider Wert“, wird Ralf Schmitz, Chief Transformation Officer und Finanzgeschäftsführer der Steag, zitiert.
Market Sounding soll bis September abgeschlossen sein
Die aktuelle, deutliche Aufhellung der Geschäftsperspektive ändert aber nichts an den Verkaufsabsichten der sechs kommunalen Eigentümer des Energiekonzerns. Bereits vor einigen Wochen wurde bekannt, dass der Verkaufsprozess vorgezogen wird. Das sogenannte Market Sounding, quasi das Sondieren des Kaufinteresses im Markt, soll im September abgeschlossen sein. Die interne Aufspaltung in einen grünen und einen schwarzen Bereich werde unabhängig davon bis zur Umsetzungsreife vorangetrieben, heißt es.
„Unsere Aufgabe als Steag-Geschäftsführung lautet, unseren Eigentümern im Jahr 2023 eine Veräußerung ihrer Anteile zu einem angemessenen Preis zu ermöglichen“, betont CTO Ralf Schmitz. Der eigentliche Verkaufsprozess wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres starten. (hoe)



