Verabschiedet sich zum 1. April nach fast elf Jahren an der Eon-Spitze: Johannes Teyssen

Verabschiedet sich zum 1. April nach fast elf Jahren an der Eon-Spitze: Johannes Teyssen

Bild: © Marcel Kusch/dpa

Der Energiekonzern Eon geht von keinen dauerhaften Belastungen durch die Corona-Pandemie auf sein Ergebnis aus und erwartet für die kommenden Jahre spürbares Wachstum des operativen Geschäfts. Negative Ergebniseffekte seien im vergangenen Jahr auf knapp unter 300 Mio. Euro begrenzt worden und könnten in wenigen Jahren wieder wettgemacht werden, sagte Finanzvorstand Marc Spieker auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. 

Im Bereich Energienetze sank das Ergebnis im Vergleich zu den Pro-Forma-Zahlen für das Jahr 2019 um rund 250 Mio. Euro. Nahezu der gesamte Rückgang, mehr als 200 Mio. Euro, ergebe sich aus wetter- und Covid-bedingten Mengeneffekten, die in den kommenden Jahren vollständig wieder aufgeholt werden dürften, erklärte Spieker. Das Geschäftsfeld Kundenlösungen mit dem Strom- und Gasabsatz liege trotz erheblicher wetterbedingter Effekte mit einem historisch warmen Winter „nur 90 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert“. Am Ende habe man durch Gegenmaßnahmen die Corona-Auswirkungen von in Summe rund 150 Millionen Euro für 2020 überkompensieren können. Beim schwierigen Geschäft in Großbritannien kämen die Ergebnisse der Restrukturierung und der Kundenmigration zum Tragen. 
 

Spürbares Ergebniswachstum im Kerngeschäft erwartet

Insgesamt konnte Eon die im Sommer angepassten Ziele für 2020 erreichen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) kletterte im abgelaufenen Jahr auf knapp 3,8 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es auf Pro-Forma-Basis noch 3,2 Milliarden Euro gewesen. Unterm Strich blieb ein bereinigter Konzernüberschuss von 1,6 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden Euro auf Pro-Forma-Basis in 2019. Dazu habe vor allem auch ein deutlich verbessertes Zinsergebnis beigetragen. Die Zinsausgaben verringerten sich laut Finanzvorstand Spieker um mehr als 200 Mio. Euro, was größtenteils auf die niedrigeren Refinanzierungskonditionen für die Anleihen zurückzuführen sei. 

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Eon konzernweit ein Plus beim bereinigten operativen Ergebnis auf 3,8 bis 4,0 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss soll zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro herauskommen. Zwischen 2021 und 2023 rechnet Finanzvorstand Spieker mit einem Plus des operativen Ergebnisses von 8 bis 10 Prozent pro Jahr. „Wir werden dabei insbesondere ein spürbares Ergebniswachstum im Kerngeschäft von 11 bis 13 Prozent sehen, das die rückläufigen Ergebnisse aus der deutschen Kernenergie mehr als ausgleichen wird“, sagte Spieker.

Teyssen: Geschäft künftig „komplett dezentral und datengetrieben“

Positiv bewertet Eon den am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf zur Änderung des Atomgesetzes, der den finanziellen Ausgleich für die vom Atomausstieg Deutschlands im Jahr 2011 betroffenen Energiekonzerne regelt. „Mit der nun erzielten Vereinbarung können wir alle unsere Produktionsrechte kostenlos nutzen“, sagte Konzernchef Teyssen. „Darüber hinaus können wir weitere rund 13 Terawatt-Stunden, die typische Produktion unserer größten und effizientesten Anlagen, für ein zusätzliches Produktionsjahr zu angemessenen Konditionen nutzen, die uns für alle anderen Schäden aus der vorzeitigen Abschaltung älterer Anlagen im Jahr 2011 nach der Fukushima-Katastrophe entschädigen werden“, erklärte Teyssen, der das Ruder nach fast elf Jahren an der Spitze zum 1. April an Leonhard Birnbaum abgibt. Damit habe der Konzern seine Rechtsposition voll durchsetzen können. 

Die Energiebranche mache derzeit einen grundlegenden Wandel durch und werde in Zukunft „komplett dezentral und datengetrieben sein“, sagte Teyssen auf seiner letzten Pressekonferenz als Eon-Chef. Der sukzessive Abschied von der Welt der konventionellen Großkraftwerke erfolge naturgemäß mit erheblichen Umbrüchen. Die Entwicklung sei genauso radikal wie derzeit in der Autoindustrie, wo der Verbrennungsmotor ausoptimiert sei und „das ganze System nunmehr in unsere Branche rüber migriert“. Auch dort änderten sich die Geschäftsmodelle umfassend. 

Kooperationen mit Microsoft, Google oder SAP

Eon wolle in den kommenden Jahren von den globalen Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung profitieren und massiv wachsen, kündigte der künftige Konzernchef Birnbaum an. Der Konzern werde bei der digitalen Transformation mit Plattformunternehmen wie Microsoft, Google oder SAP zusammenarbeiten. „Unser Ansatz ist die gemeinsame Weiterentwicklung digitaler Plattformen und datengetriebener Angebote im Netz- und Kundengeschäft“, erklärte Birnbaum. 

Kritik übte der künftige Eon-Chef an den neuesten Rückschlägen bei der Digitalisierung der Energiewende in Deutschland. „Während etwa in vielen Ländern bereits die zweite, in manchen Ländern sogar schon die dritte Generation Smart Meter installiert wird und Märkte und Kunden davon profitieren, stehen wir in Deutschland immer noch an der Startlinie“, sagte Birnbaum. Mit dem jüngsten Eilbeschluss des Oberverwaltungsgericht Münster sei der „mit mehrjähriger Verspätung gerade erst begonnenen Roll-out neuer Zähler wieder gestoppt“ worden. „Auch an anderen Stellen der Digitalisierung geht es allenfalls im Schnecken-Tempo voran. Wir konzentrieren uns komplett auf die Risiken und verpassen die Chancen“, so Birnbaum. (hil)
 

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper