Der Chef des Energiekonzerns Innogy, Uwe Tigges, hat angesichts der geplanten Zerschlagung seines Unternehmens durch die Mutter RWE und den Konkurrenten Eon Selbstbewusstsein demonstriert. "Wir werden übernommen, weil wir gut sind", sagte Tigges am Dienstag bei der möglicherweise letzten ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens in Essen. "Unsere Mission ist nicht beendet", fügte er hinzu. Die Projekte von Innogy lebten fort, "unter welchem Konzerndach auch immer".
Die Netz- und Ökostromtochter des Energieriesen RWE soll nur drei Jahre nach ihrem Start schon wieder verschwinden. Eon will die Strom- und Gasnetze und das Endkundengeschäft von Innogy behalten und die Ökostromproduktion zusammen mit den eigenen erneuerbaren Energien an RWE weiterreichen. Zudem soll RWE mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden und eine einmalige Ausgleichszahlung von 1,5 Mrd. Euro erhalten.
Scheitern des Deals immer noch möglich
Tigges verwies auf ein "wenig wahrscheinliches, aber immer noch mögliches Scheitern" des Geschäfts zwischen Eon und RWE. Während der RWE betreffende Teil bereits von der europäischen Wettbewerbsbehörde genehmigt wurde, steht dies für Eon noch aus. Die Kommission prüft derzeit, ob den Stromkunden Preiserhöhungen drohen.
Eon hat sich mittlerweile fast 90 Prozent der Innogy-Aktien gesichert. Bei den verbliebenen Aktionären rief die wahrscheinliche Abschiedsvorstellung ihres Konzerns nur mäßiges Interesse hervor. Gerade einmal 250 Aktionäre waren in die Grugahalle, die mehreren Tausend Menschen Platz bietet, gekommen.
Briten-Tochter macht nach wie Probleme
Die verbliebenen Anteilseigner konnten sich auch durch die Zukäufe von Eon in den vergangenen Monaten über einen Kursanstieg der Innogy-Aktie freuen. 2018 habe sich die Aktie nicht nur besser als der Dax entwickelt, sondern auch besser als die Aktien von RWE und Eon, sagte Thomas Deser, Fondsmanager bei Union Investment. Das sei "erfreulich und gleichzeitig erstaunlich", denn Innogy habe das dritte enttäuschende Geschäftsjahr in Folge hinter sich. Aber wegen der bevorstehenden Zerschlagung würden auf dem Kapitalmarkt andere Spielregeln als üblich gelten.
Große Probleme bereitet Innogy weiterhin das Geschäft im Großbritannien. Das Ergebnis der Vertriebstochter Npower werde sich im laufenden Geschäftsjahr weiter verschlechtern und auch auf Innogy durchschlagen, sagte Tigges. Das britische Geschäft sorgt seit Jahren für Probleme. Es leidet unter hohem Wettbewerbsdruck und einer straffen Regulierung. Zudem führte die britische Regierung eine Preisobergrenze für Standardtarife ein. Aktionäre kritisierten die Entwicklung harsch. Bei Npower sei "alles schief gelaufen, was schief laufen kann", sagte etwa Thomas Hechtfischer von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Dividene sinkt auf 1,40 Euro
Innogy hatte die seit Jahren schwächelnde britische Tochter eigentlich in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem schottischen Energieversorger SSE einbringen wollen, doch der Deal scheiterte. Deswegen musste Innogy das Verluste schreibende Geschäft wieder in der Bilanz konsolidieren, was eine Senkung der Prognose im vergangenen Jahr zur Folge hatte. Dabei musste Innogy zum Jahresende nochmals Wertberichtigungen auf Npower vornehmen, insgesamt beliefen sich die Abschreibungen 2018 auf mehr als 1,5 Mrd. Euro. Aktionäre sollen deswegen mit 1,40 Euro eine niedrigere Dividende erhalten als im Jahr zuvor, als 1,60 Euro gezahlt wurden.
Wie es mit Npower weiter geht ist offen. Innogy prüfe derzeit alle Optionen für das Geschäft, sagte Vertriebsvorstand Martin Herrmann. Innogy habe dabei auch Interessensbekundungen für Teile des Geschäfts erhalten. Verkaufsverhandlungen fänden derzeit jedoch nicht statt. Herrman bekräftigte dabei, dass Innogy trotz der derzeit laufenden Übernahme "handlungsfähig" sei.
Npower drückt Ebit auf 2,3 Mrd. Euro
Die Prognose für 2019 bekräftigte Innogy indes. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte auch wegen Npower von rund 2,6 Mrd. auf 2,3 Mrd. Euro sinken, das bereinigte Nettoergebnis von gut einer Mrd. Euro auf rund 850 Mio. Euro zurückgehen. "Innogy ist operativ in der Spur, und unser Geschäft entwickelt sich nach Plan", betonte Tigges vor den Aktionären.
Nach der Innogy-Übernahme würde Eon zum mit weitem Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland mit mehr als 12 Millionen Kunden. Weitere 2,1 Millionen Kunden würde der Konzern mit Gas beliefern und vielerorts die Verteilnetze betreiben. Europaweit hätte Eon dann 50 Millionen Kunden. (dpa/ls)



