Die Energiehandelsgesellschaft West (EHW) aus Münster hat trotz rückläufiger Roherträge das vergangene Jahr mit einem Jahresüberschuss und Bilanzgewinn von 221.000 Euro abgeschlossen. Sie will in diesem Jahr bei einem Vorsteuerergebnis von 613.000 Euro landen. Dies geht aus dem festgestellten, aber noch nicht veröffentlichten Jahresabschluss hervor, den Geschäftsführer Markus Deimel am Dienstag der ZfK zur Verfügung stellte.
Damit wirtschaftet die Kooperation aus acht Stadtwerken seit 2014 profitabel. Allerdings waren die Roherträge 2018 gegenüber dem Vorjahr von 4,6 auf 2,1 Mio. Euro gesunken. Geplant gewesen waren 4,2 Mio. Euro. Zur Begründung schrieb Markus Deimel, "maßgeblich" sei beim Stromgeschäft "eine über den Erwartungen liegende Realisation von Marktrisiken im Bereich der Portfoliobewirtschaftung zu Beginn des Jahres" gewesen. Dies habe die EHW teilweise – wie schon 2017 – durch einen unerwartet großen Absatz bei Drittkunden ausgeglichen, sprich, bei Stadtwerken und sonstigen Weiterverteilern, die nicht zum Gesellschafterkreis gehören.
Gelsenwasser meist der einzige Handelspartner
Im Gasgeschäft verwirklichten sich die Marktrisiken 2018 umgekehrt unter den Erwartungen, so dass dort die Roherträge über den Planansatz hinaus etwas stiegen. Der Gesamtumsatz aus dem Handel mit Strom, Gas und CO2-Ausstoßrechten sowie mit energienahen Dienstleistungen sank um 204 Mio. auf 591 Mio. Euro. "Im wesentlichen" ist der Kooperationspartner Gelsenwasser auch der einzige direkte Handelspartner, indirekt sind es "ungefähr 50 Unternehmen", größtenteils börsennotierte oder "marktnahe" Stadtwerke "mit guter bis sehr guter Bonität". Deren Finanzkraft wird von der EHW selbst geprüft.
Jedenfalls stellte die EHW ihr Entgeltsystem zum Jahreswechsel schwerpunktmäßig auf "Grundbeiträge der Gesellschafter" um: Sie sollen gemäß der offiziellen Planung 3,2 Mio. Euro bringen. Das wären 77 Prozent der gesamten Roherträge. Die Einnahmen aus dem Strom- und dem Gasgeschäft sollen demgegenüber deutlich die Million unterschreiten. Das neue Preismodell ist auch in den Wirtschaftsplan für 2019 bis 2023 aufgenommen worden.
EHW übernimmt Anteile von Rheine
Die EHW hat seit diesem Jahr noch acht Gesellschafter:
- sich selbst mit knapp 48 Prozent,
- die Stadtwerke Hamm mit gut 15 Prozent,
- die Stadtwerke Ahlen/Westfalen, Haltern, Emmerich und Fröndenberg
- sowie die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen,
- die EVB Huntetal
- und die Hertener Energiehandelsgesellschaft mit jeweils einstelligen Prozentanteilen.
Die Energie- und Wasserversorgung Rheine verkaufte ihre Anteile zum Jahreswechsel an die EHW selbst. Die Eigenkapitalquote sank dadurch um fünf Punkte auf 19,3 Prozent. Die Liquidität ersten Grades liegt bei 77 Prozent, die liquiden Mittel beliefen sich Ende 2018 auf 39 Mio. Euro, so der Geschäftsbericht. Die Kooperation beschäftigte 2018 im Schnitt 15 Voll- und Teilzeitkräfte.
Kundenportal und Kalkulationstool
Zu den Dienstleistungen der EHW gehören vor allem:
- die risikoarme Beschaffung der von Weiterverteilern benötigten Strom-, Gas- und CO2-Zertifikatsmengen im Großhandel, auch für Kunden, die nicht täglich den Markt beobachten – wobei die EHW eigene Handelsbücher "nur noch in kleinem Umfang" führt und stattdessen die Bewirtschaftung der Handelsbücher seit April 2018 bei der Kooperation mit Gelsenwasser liegt
- der Zugang von Stadtwerken zum Strom-Spotmarkt für die Direktvermarktung oder für Großkunden über den Kooperationspartner Gelsenwasser
- die Vermarktung von Kraftwerken und Speichern
- die Bewirtschaftung der Beschaffungsportfolien von Weiterverteilern und deren Abgleich mit ihren Absatzportfolien, neuerdings in einem Online-Kundenportal
- die Meldung von Großhandelsgeschäften gemäß der EU-Transparenzverordnung REMIT, auch für Drittmengen.
Als wesentliches Erfolgsrezept der EHW bezeichnet Geschäftsführer Deimel ihre "Kooperation mit ihren Gesellschaftern und Kunden auf Augenhöhe". Für ihre Neukunden hat die EHW laut Chancenbericht ein Strom-Kalkulationswerkzeug implementiert, mit dem sie ihre Endkunden stets "risikofair" bepreisen kann. Stadtwerke können zudem bei der Kooperation eigene Solaranlagen zur Direktvermarktung in ihr Absatzportfolio integrieren. (geo)
Die EHW in der ständigen ZfK-Marktübersicht "Kommunale Energiebeschaffungskooperationen" (Zahlen von Februar 2018)



